+
Eine Mitarbeiterin der Berliner Tafeln verteilt in Berlin Obst an Bedürftige. Foto: Stefan Schaubitzer/Illustration

Zu wenig Spenden

Nutzer der Tafeln müssen mit weniger auskommen

Immer mehr Menschen reihen sich in die Schlangen vor den Tafeln ein, um an kostenlose oder günstige Lebensmittel zu kommen. Unter ihnen sind auch viele Flüchtlinge. Sie würden mangelhaft versorgt.

Berlin (dpa) - Die Zahl der Tafelnutzer wächst schneller als die Menge der gespendeten Lebensmittel. "Trotz angestiegener Spendenmenge bekommt jeder Einzelne im Durchschnitt etwas weniger Lebensmittel", sagte der Vorsitzende des Bundesverbands Deutsche Tafel, Jochen Brühl, am Dienstag in Berlin.

Fast 1,8 Millionen Menschen in Deutschland holen sich regelmäßig Lebensmittelspenden bei Tafeln ab. Darunter sind auch rund 280 000 Flüchtlinge. Die Zahl der Tafelkunden sei 2015/16 im Vergleich zu 2014 um 18 Prozent gestiegen. Dem stand ein Spendenzuwachs von zehn Prozent gegenüber.

Mit Flüchtlingen habe es wegen kultureller Unterschiede und Sprachproblemen manchmal Anlaufschwierigkeiten gegeben. So hätten syrische Männer Probleme damit gehabt, Hilfe von Frauen anzunehmen. Auch bestimmte Lebensmittel seien für einige Gruppen ungeeignet. Zudem hätten viele Tafeln ihren neuen Kunden zunächst klarmachen müssen, dass Tafeln keine staatlichen  Einrichtungen seien und sie daher auch keinen Anspruch auf Lebensmittel hätten. "Unser Problem sind aber nicht die Flüchtlinge, sondern es ist die Armut", sagte Brühl mit Blick auf die Gesamtbevölkerung.

Dass Flüchtlinge überhaupt die Tafeln nutzen, erklärte Brühl unter anderem mit einer "mangelhaften Versorgung" in den Unterkünften. Bei Flüchtlingen, die in Wohnungen untergebracht seien, reiche die staatliche Unterstützung oft nicht aus - wie das auch bei Hartz-IV-Empfängern der Fall sei, ergänzte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Kai Noack. Die Konkurrenz zwischen Flüchtlingen und "Altkunden" sei in den Tafeln aber längst nicht so ausgeprägt, wie von außen oft behauptet, sagte Brühl.

Der Bundesverband vertritt die mehr als 900 lokalen Tafeln in Deutschland. Diese sammeln Lebensmittel, die nicht mehr verkauft werden, und verteilen sie kostenlos oder gegen einen symbolischen Betrag an sozial und wirtschaftlich benachteiligte Menschen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

17-Jähriger fährt gegen Baum - Beifahrerin stirbt
Faistenau - Ein Unfall mit einem Baum hat einer 17-Jährigen das Leben gekostet. Der jugendliche Fahrer hatte sich stark alkoholisiert hinter das Steuer gesetzt.
17-Jähriger fährt gegen Baum - Beifahrerin stirbt
Schreck am Morgen: Schlange versteckt sich im Büro
Tannhausen - Eine Kornnatter hat die Polizei in Bayern in Atem gehalten. Die Schlange hatte sich in einem Büro versteckt und war von einem Angestellten entdeckt worden.
Schreck am Morgen: Schlange versteckt sich im Büro
Wochenende ohne Internet: Jugendlicher randaliert bei Uroma
Weilerbach - Ein 16-Jähriger soll das Wochenende bei seiner Uroma verbringen. In deren Wohnung findet er jedoch kein funktionierendes Internet vor. Das bringt ihn aus …
Wochenende ohne Internet: Jugendlicher randaliert bei Uroma
Kolumbiens Präsident hilft Achtjähriger bei Hausaufgaben
Bogotá (dpa) - Diese Hilfe bei Hausaufgaben würden sich viele Schüler wünschen: Weil sie Fragen zur Arbeit der Regierung hatte, hat sich eine Achtjährige in Kolumbien …
Kolumbiens Präsident hilft Achtjähriger bei Hausaufgaben

Kommentare