Heute ist Tag der Umarmung

Lasst uns kuscheln!

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München - Umarmungen machen glücklich. Das belegt die Wissenschaft. Ein guter Grund also, sich wieder öfter in den Arm zu nehmen – insbesondere am heutigen Mittwoch: dem Weltkuscheltag.

Irgendwann hatten Kevin Zaborney und Adam Olis genug. Genug von all diesen Tagen, die banalen Dingen gewidmet sind – der Jogginghose zum Beispiel. Und deswegen beschlossen die beiden US-Amerikaner am 21. Januar 1986 – dem Tag der Jogginghose – einen anderen Aktionstag auszurufen, einen, der mit Gefühlen zu tun hat: den „National Hugging Day“, den „Nationalen Tag der Umarmung“.

Sie fanden, viele Familien würden kaum noch Wert auf Zuneigung legen. Höchste Zeit also, das Kuscheln deutlich öffentlichkeitswirksamer zu inszenieren als bislang. Und welcher Tag würde sich dafür besser eignen als der 21. Januar? Schließlich markiert dieser Tag die kalendarische Mitte zwischen Weihnachten und dem Valentinstag, dem Tag der Liebenden – Jogginghose hin oder her. Und: „Im Januar ist es immer dunkel und kalt. Den Menschen fehlt das Sonnenlicht, weshalb sie unzufriedener als sonst sind“, sagte Zaborney mal in einem „FAZ“-Interview.

Inzwischen, knapp 30 Jahre danach, ist der Tag der Umarmung, der auch Kuschel- oder Knuddeltag genannt wird, weit über die Grenzen der USA bekannt. Und das aus einem guten Grund: Umarmungen machen nicht nur glücklich und entspannt – sie sind vor allem gesund. Ein paar wissenschaftliche Fakten, die uns das Kuscheln am heutigen Mittwoch noch sehr viel schmackhafter machen.

Das Immunsystem wird gestärkt

Unser Immunsystem reagiert stark auf Berührungen: Der Körper schüttet dann Botenstoffe aus, die Abwehrkräfte stärken. Wissenschaftler der „Carnegie Mellon University“ im US-amerikanischen Pittsburgh haben jüngst in einer Studie mit mehr als 400 Teilnehmern herausgefunden: „Je mehr Umarmungen jemand bekommt, umso besser ist er vor Infekten geschützt.“ Das sagt Psychologie-Professor und Studienleiter Sheldon Cohen. Demnach hätten sich Testpersonen mit mehr körperlicher Zuwendung seltener erkältet. Und: Selbst wenn sie sich mal einen Schnupfen eingefangen hätten, sei dieser lang nicht so stark gewesen wie bei Menschen, die weniger Körperkontakt hatten. Laut Cohen machten Umarmungen etwa ein Drittel der Schutzfunktion aus.

Berührung hilft gegen Stress

Umarmungen gelten auch als eines der besten Anti-Stress-Mittel – kaum etwas führt zu mehr Entspannung und somit zum sinkenden Blutdruck. Denn: Berührung ist die erste Sprache, die wir sprechen, ein elementares Grundbedürfnis. Zudem wurde in Tierversuchen nachgewiesen, „dass Ratten, die als Babys von ihrer Mutter mehr Zuwendung bekamen – also öfter geleckt wurden –, später weniger stressanfällig waren“, sagt Werner Bartens, Arzt und Wissenschaftsjournalist. Versuche mit Müttern und Babys zeigten zudem: „Diejenigen Mütter, die sich mit ihrem Kind beschäftigen, sich ihm zuwenden, nicht nur dabeisitzen und was ins iPhone tippen, wenn es spielt, deren Kinder reagieren weniger aufgeregt und beruhigen sich schneller.“ Das übertrage sich später aufs Erwachsenenalter, erklärt Bartens.

Kein Körperkontakt – keine Entwicklung

Kuscheln ist – überlebenswichtig. Das bewies unter anderem US-Psychologe und Verhaltensforscher Harry Frederick Harlow. Bei einem Experiment teilte er Rhesusäffchen, eine Primatenart aus der Gattung der Makaken, in zwei Gruppen ein und ließ beide mit Milch ernähren – und zwar gleichermaßen. Allerdings einmal mit Hilfe eines Drahtgestells und einmal mit Hilfe eines Gestells, das sich wie ein weiches Fell anfühlte. Das Ergebnis war verblüffend: Die erste Gruppe entwickelte sich zusehends schlechter und wurde sogar verhaltensauffällig. „Ohne Körperkontakt kommen normale Wachstumsprozesse nicht in Gang“, erklärt Professor Peer Abilgaard, Chefarzt an der Duisburger Helios-Klinik, in einem Interview. „Körperkontakt ist nicht nur die Berührung der Haut, es geht auch um den Geruch und um Wärme. Die Haut ist das Organ, worüber wir am umfassendsten und stärksten mit der Umwelt in Kontakt stehen.“ Verkürzt ausgedrückt: Kein Kontakt ist gleich keine Entwicklung.

Kuscheln setzt Glückshormone frei

Wer mit vertrauten Menschen knuddelt, dessen Körper schüttet Dopamin und Oxytocin aus – und diese beiden Botenstoffe fördern unser Wohlbefinden massiv. Dopamin gilt als „Glückshormon“, es steigert unsere Leistungsbereitschaft und macht uns aktiv. „Wer über genügend Dopamin verfügt, der hat kaum Durchhänger im Leben“, sagen manche Experten. Oxytocin wird als „Bindungshormon“ bezeichnet. Ein Hormon also, das nicht nur Mutter und Kind aneinander bindet, sondern auch Liebende. Galt Oxytocin einst nur als Schwangerschaftshormon, das etwa die Milchdrüsen anregte, weiß man heute, dass dieses Hormon sich auch auf die Seele auswirkt. So hat der Psychologie-Professor Markus Heinrichs von der Universität Freiburg herausgefunden, dass Oxytocin unter anderem unsere Bereitschaft steigert, sich auf andere Menschen einzulassen. Es spielt also in der Tat eine Rolle für die Partnerbindung.

Kleines Wunder durch lange Umarmung

Diese Geschichte sorgte vor einigen Jahren für Schlagzeilen: „Baby durch Mamas Umarmung aus Koma erwacht – und kerngesund“, das schrieben sinngemäß die Zeitungen. Wegen einer Streptokokkeninfektion seiner Mutter war der kleine Adam aus Großbritannien kurz nach seiner Geburt an Meningitis, also einer Hirnhautentzündung, erkrankt und ins Koma gefallen. Obwohl die Ärzte den Eltern dazu rieten, sich lieber von ihrem Baby zu verabschieden, wollte Mama Charlotte ihren Sohn nicht aufgeben: Sie hielt ihn den ganzen Tag im Arm. Und tatsächlich: Der Kleine erholte sich – und erlitt auch keine Folgeschäden, was die Ärzte noch mehr verblüffte. Viele vermuteten später, die körperliche Nähe sei maßgeblich für die Genesung gewesen.

Rubriklistenbild: © dpa

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