Einjähriges Bestehen der Hotline

Tausende Anrufe beim Hilfetelefon gegen Gewalt

Berlin - Sie wurden gemobbt, geschlagen, vergewaltigt: Tausende Frauen haben sich 2013 an das neue Hilfetelefon für Gewaltopfer gewandt. Doch immer noch schweigen zu viele Frauen in ihrer Not.

Mehr als 12.000 Mal haben Frauen in Not im vergangenen Jahr beim neuen bundesweiten Hilfetelefon angerufen. Für die Opfer sei das Angebot ein Rettungsanker, sagte Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig (SPD) am Montag in Berlin zum einjährigen Bestehen der Hotline, die am 6. März 2013 gestartet war.

Unter 08000 116 016 werden Frauen, denen körperlich oder psychisch Gewalt angetan wird, kostenlos rund um die Uhr und anonym beraten. Das Angebot, das der Bund mit sechs Millionen Euro finanziert, bietet Hilfe in 16 verschiedenen Sprachen. Außerdem finden hörgeschädigte Frauen auf der Homepage Beratungsvideos in Gebärdensprache.

Die Nöte, mit denen sich Frauen an das Hilfetelefon wenden, reichen von häuslicher Gewalt über Stalking bis hin zu Menschenhandel. Auch Kollegen und Freunde von Betroffenen oder Sozialarbeiter können die Nummer wählen. Bis zum Jahresende 2013 gab es gut 3500 solcher Anrufe. „Die Kultur des Hinschauens kann befördert werden durch das Hilfetelefon, weil eben auch die, die sich Sorgen machen, dort Hilfe bekommen“, erklärte Schwesig.

Die Mitarbeiterinnen des Hilfetelefons beraten entweder direkt oder leiten die Anfrage an eine spezialisierte Beratungsstelle, an Frauenhäuser oder andere Einrichtungen weiter. Rund 18.800 der insgesamt 47.500 Anfragen - darunter auch Scherz- oder Testanrufe - mündeten am Ende in ein Beratungsgespräch per Telefon, E-Mail oder im Chat. Die Quote sei mit anderen Angeboten vergleichbar, sagte die Leiterin des Hilfetelefons Petra Söchting.

Allerdings schweigen immer noch sehr viele Frauen, die unter Druck gesetzt, misshandelt oder geschlagen werden. Gut jede dritte Frau in Deutschland war Schwesigs Ministerium zufolge schon einmal Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt. Aber: Die große Mehrheit (85 Prozent) wendet sich nicht an eine Beratungsstelle. „Wir haben noch viel zu leisten, insbesondere das Hilfetelefon bekannter zu machen“, sagte Schwesig. Darüber will sie auch mit ihren Länderkollegen auf der Gleichstellungsministerkonferenz sprechen.

Das Hilfetelefon, das beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben in Köln angesiedelt ist, soll eine übergreifende Anlaufstelle für alle Frauen in Not sein. In Deutschland gibt es außerdem spezielle Angebote, unter anderem für Vergewaltigte, für muslimische Frauen oder für Mütter mit Kindern.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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