Tausende geben ermordeten Journalisten in Istanbul letztes Geleit

Trauerzug - Istanbul - Tausende von Menschen haben am Dienstag in Istanbul dem vor vier Tagen ermordeten türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink letzte Ehre erwiesen. Bevor sich der Trauerzug mit dem Leichenwagen vor dem Redaktionsgebäude der von ihm gegründeten Zeitung «Agos» in Bewegung setzte, ließ die Witwe des Ermordeten weiße Tauben fliegen.

«Wir sind alle Hrant Dinks», «Wir sind alle Armenier», hieß es auf Schrifttafeln, die die Trauergäste trugen. Aus Protest gegen den umstrittenen «Türkentum»-Paragrafen 301, nach dem in der Türkei Journalisten und Schriftsteller angeklagt worden sind, wurden auch Tafeln mit der Aufschrift «Mörder 301» gezeigt. Wegen seiner Äußerungen zum Massenmord an den Armeniern im Ersten Weltkrieg war Dink wegen «Beleidigung des Türkentums» verurteilt und von türkischen Nationalisten bedroht worden.

Nach einer kurzen Ansprache der Witwe des Ermordeten nahm der ständig wachsende Trauerzug seinen Weg über acht Kilometer quer durch die Stadt zum Alt-Istanbuler Stadtviertel Kumkapi. Nach einer Trauerfeier in der dortigen armenischen Patriarchatskirche sollte Dink im Familiengrab beigesetzt werden.

Dink war am Freitag in Istanbul auf offener Straße erschossen worden. Nach der Festnahme des mutmaßlichen Attentäters, eines 17-jährigen Jugendlichen aus der Schwarzmeerstadt Trabzon, konzentrieren sich die Ermittlungen der Polizei auf die Hintermänner, die ihn zu der Tat angestiftet haben sollen.

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