+
In der Studie zeigten 2,6 Prozent der Teenager ein Suchtverhalten nach sozialen Medien. Foto: Henning Kaiser

"Ergebnisse sind alarmierend"

Tausende Teenager sind süchtig nach sozialen Medien

Können soziale Medien süchtig machen? Nach einer Umfrage der Krankenkasse DAK unter jungen Leuten gibt es dafür durchaus ein Risiko. Was heißt das und wie dramatisch ist die Lage?

Berlin (dpa) - Ständig chatten, posten und liken: Rund 100.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland sind nach einer repräsentativen Studie der Krankenkasse DAK süchtig nach sozialen Medien.

Für die Untersuchung ließ die Kasse 1001 Jungen und Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren von Meinungsforschern befragen und rechnete die Ergebnisse auf die Bundesrepublik hoch. Das erläuterte DAK-Vorstandschef Andreas Storm bei der Präsentation der Studie in Berlin. "Die Ergebnisse sind alarmierend", ergänzte er. In der Studie zeigten 2,6 Prozent der Teenager ein Suchtverhalten nach sozialen Medien. Folgen sind nach Angaben der Forscher nicht allein Schlafmangel, Realitätsflucht und Stress mit den Eltern. Ausgewählte Ergebnisse der Studie:

WAS HEISST SOCIAL-MEDIA-SUCHT? Zu den Kriterien zählen die Forscher des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kinder- und Jugendalters ein ständiges Denken an Freunde-Netzwerke oder Messenger-Dienste im Internet - selbst in der Schule und in der Lehre. Dazu kommen Entzugserscheinungen wie Gereiztheit, Unruhe oder Traurigkeit, wenn das Handy oder andere Empfangsgeräte nicht in der Nähe sind. Unter Kontrollverlust verstehen die Wissenschaftler, dass Teenager unfähig sind, ihre Zeit für soziale Medien selbst zu begrenzen. Auch ihr Verhalten kann sich ändern: Kinder und Jugendliche verlieren zum Beispiel das Interesse an Hobbys. Sie lügen über das Ausmaß ihrer Nutzung sozialer Medien und riskieren Freundschaften, Schulerfolg oder Karrierechancen für ihr Online-Dasein.

FAKTOR ZEIT: Die große Mehrheit der Kinder und Jugendlichen (85 Prozent) ist laut Studie jeden Tag insgesamt knapp drei Stunden in sozialen Medien unterwegs - Mädchen mit 182 Minuten etwas häufiger als Jungen (151 Minuten). Abiturienten verbringen etwas weniger Zeit online (149 Minuten) als Teenager mit mittlerem oder niedrigerem Schulabschluss (207 Minuten). Am häufigsten nutzen die Befragten WhatsApp (66 Prozent), vor Instagram (14 Prozent), Snapchat (9 Prozent) und Facebook (2 Prozent).

STRESS MIT DEN ELTERN: Wegen der hohen Nutzung sozialer Medien kommt es bei sechs Prozent der befragten jungen Leuten zu häufigen Streit mit ihren Eltern. Bei 16 Prozent gibt es manchmal Auseinandersetzungen. Je jünger die befragten Jungen und Mädchen sind, desto häufiger kracht es. 14 Prozent der 12- und 13-Jährigen nutzen soziale Medien deshalb oft heimlich.

NACHTEULEN: Knapp jeder fünfte 12- bis 17-Jährige gibt an, wegen der Social-Media-Nutzung manchmal zu wenig zu schlafen (17 Prozent). Bei sechs Prozent kommt dies sehr häufig oder häufig vor. Je älter die befragten Jungen und Mädchen sind, umso eher geben sie an, manchmal wegen sozialer Medien zu wenig zu schlafen.

PSYCHISCHE PROBLEME: Unter allen befragten Teenagern ergaben sich durch die Antworten für Forscher bei acht Prozent Hinweise auf eine depressive Neigung. Auffällig war, dass jeder dritte Betroffene mit eher depressiver Stimmung auch zu einer problematischen Nutzung sozialer Medien neigte.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

EU-Parlament stimmt seine Haltung zur Zeitumstellung ab
Straßburg (dpa) - Auf dem Weg zum Ende der Zeitumstellung in Mitteleuropa steht eine weitere Etappe an. Heute stimmt das EU-Parlament in Straßburg über seine Position zu …
EU-Parlament stimmt seine Haltung zur Zeitumstellung ab
Urteil im Prozess um tödliches Autorennen in Berlin erwartet
Es ist der zweite Prozess gegen zwei Raser in Berlin. Lebenslänglich gab es für das tödliche Autorennen schon einmal, doch der Bundesgerichtshof kassierte das Urteil. …
Urteil im Prozess um tödliches Autorennen in Berlin erwartet
Grausame Szenen bei Turnier: Pferd stürzt bei Siegerehrung auf Mädchen (7) - tot
Bei einem Reit-Turnier in Neuenkirchen im Landkreis Osnabrück kam es zu einem schlimmen Unfall. Eine Siebenjährige wurde von ihrem Pferd begraben und starb an den …
Grausame Szenen bei Turnier: Pferd stürzt bei Siegerehrung auf Mädchen (7) - tot
Gefährlicher Häftling weiter auf der Flucht - Polizei warnt: Wer ihn sieht, soll ihn nicht ansprechen
Er sitzt wegen gefährlicher Körperverletzung in Haft - seit vergangener Woche ist Daniel Vojnovic auf der Flucht. Die Polizei warnt vor dem gefährlichen Häftling: Wer …
Gefährlicher Häftling weiter auf der Flucht - Polizei warnt: Wer ihn sieht, soll ihn nicht ansprechen

Kommentare