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Juni 2014: Die Umrisse des Opfers an einem Pendlerparkplatz bei Neuenburg in Baden-Württemberg. Foto: Patrick Seeger

Selbstjustiz nach Vergewaltigung: Teenager vor Gericht

Freiburg - Die Staatsanwaltschaft spricht von Rache und Vergeltung. Ein junger Mann soll den mutmaßlichen Vergewaltiger seiner Schwester in einen Hinterhalt gelockt und umgebracht haben. Nun beginnt der Prozess.

Es soll ein tödlicher Racheakt gewesen sein: Nun stehen die beiden Hauptangeklagten, Vater (48) und Sohn (18), wegen gemeinschaftlichen Mordes vor dem Freiburger Landgericht.

Der damals 17 Jahre alte Schüler soll den mutmaßlichen Vergewaltiger seiner Schwester in einen Hinterhalt gelockt und mit 23 Messerstichen getötet haben, sagte Oberstaatsanwalt Eckart Berger beim Prozessauftakt am Mittwoch. Das 27 Jahre alte Opfer starb noch am Tatort. Das Verbrechen geschah im Sommer vergangenen Jahres auf einem Pendlerparkplatz bei Neuenburg am Rhein südlich von Freiburg. Die Tat hatte bundesweit Aufsehen erregt und machte als Lynchmord vom Oberrhein Schlagzeilen.

Sohn und Vater hatten nach ihrer Festnahme gestanden. Einen Plan habe es jedoch nicht gegeben, sagte der Verteidiger des Jungen, Sebastian Glathe. Der Schüler habe im Affekt gehandelt. Neben den beiden Hauptangeklagten stehen zwei mutmaßliche Komplizen, 19 und 21 Jahre alt, vor Gericht. Sie sollen geholfen haben. Die Tat geschah sechs Tage, nachdem die junge Frau vergewaltigt worden war.

Die Angeklagten hätten Rache und Vergeltung üben wollen, sagte Berger. Es sei ihnen auch darum gegangen, "die vermeintlich verletzte Familienehre wieder herzustellen."

Das Opfer der tödlichen Auseinandersetzung starb den Angaben zufolge nach Stichen in Körper, Gesicht und Hals. Zugestochen haben soll der damals 17-Jährige. Er soll das wehrlose Opfer zudem mit einem Schlagstock und einem Elektroschockgerät sowie mit Tritten und Schlägen attackiert haben.

Die Polizei hatte gegen das spätere Mordopfer - den mutmaßlichen Vergewaltiger - ermittelt. Doch dieser flüchtete, die Polizei konnte ihn nicht finden. Über soziale Netzwerke machte sich die Familie des Vergewaltigungsopfers auf die Suche - und wurde schneller fündig als die Polizei.

Am Mittag will das Gericht entscheiden, ob das Verfahren ausgesetzt wird. Der Grund: Staatsanwaltschaft, Gericht und Rechtsanwälte hatten den Schlussbericht der Polizei erst am Tag vor dem Prozessauftakt erhalten und konnten sich daher den Angaben zufolge nicht ausreichend vorbereiten.

Bislang sind 18 Verhandlungstage angesetzt, sagte ein Sprecher des Gerichts. Gehört werden sollen 38 Zeugen und vier Sachverständige. Mit einem Urteil wird Mitte Juli gerechnet. Die Familie des Getöteten tritt in dem Prozess als Nebenkläger auf (Az.: 6 KLs 100 Js 18248/14).

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