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Mario Zrinski aus Graz ist der neue Tischeishockey-Weltmeister. Im Finale gegen den sechsmaligen Titelträger Heiko Seyffahrth aus Hamburg setzte er sich mit 7:4 durch.

Teilnehmerrekord 

Tischeishockey-WM: Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt

Bad Griesbach - Eine runde Platte, elf Münzen und zwei schmale Lego-Steine – mehr braucht man nicht zum Tischeishockeyspielen. In Bad Griesbach fand jetzt dazu eine Woche lang die 38. Weltmeisterschaft statt.

Fast jeder hat es schon aus Spaß in der Schule gespielt: Mit einer Münze schnippte man über die Schulbank, Etuis markierten die Tore. So ähnlich funktioniert auch Tischeishockey, das der Münchner Journalist Peter Linden 17-jährig vor etwa 40 Jahren aus Langeweile erfand. Weil die Münzen immer vom Tisch fielen, schnappte er sich ein herkömmliches Biertablett, die Ränder dienten als Bande – Tischeishockey war geboren.

Gespielt wird im Modus Eins-gegen-Eins. Jeder Spieler hat am Anfang fünf farbige Fünf-Pfennigmünzen, mit denen er sein acht Zentimeter großes Tor verteidigen und das des Gegners mit dem gelben Münz-Puck treffen muss. Zwei Nägel markieren die Pfosten. Als Schläger dient ein Lego-Plättchen, mit dem die eigenen „Spieler“ angestoßen werden. Mit speziellem Puder wird die Spielfläche besprüht, damit die Münzen besser übers „Eis“ gleiten. Die Spieldauer beträgt zweimal zehn Minuten. Wer am Ende mehr Tore erzielt, hat gewonnen.

Mit neun Titeln ist Peter Linden Rekordweltmeister

Hinzu kommen weitere Regeln, die nach ein paar Spielen verinnerlicht sind. Als Student veranstaltete Peter Linden 1979 seine erste Weltmeisterschaft: „Da die Wahrscheinlichkeit, in anderen Sportarten Weltmeister zu werden, eher gering war, habe ich wie Stefan Raab mit der Wok-WM eine eigene Weltmeisterschaft erfunden. Nur viel früher und ohne den ganzen Öffentlichkeits-Trubel.“

Mit insgesamt neun Titeln ist Linden Rekordweltmeister, der letzte Triumph ist aber schon 20 Jahre her. Mittlerweile spielt er auch nicht mehr mit, ist zu sehr mit der Organisation beschäftigt. In den Anfangsjahren, in denen Linden die meisten seiner Titel holte, wurde noch in Münchner Wohnungen und Kneipen gespielt, die Teilnehmerzahl war überschaubar. Nach und nach kamen mehr Spieler hinzu. Linden schätzt, dass es mittlerweile weltweit 15 000 Tischeishockey-Spieler gibt.

Familiäre Atmosphäre zeichnet Tischeishockey-Gemeinschaft aus

1986 wurde die WM erstmals im Ausland (Paris) ausgetragen. Seitdem wird jedes Jahr in einem anderen Land gespielt: mal in Wales, mal in Norwegen, mal in Griechenland. In diesem Jahr fand die WM zum zweiten Mal nach 2007 in Bad Griesbach bei Passau statt. Mit 90 aktiven Spielern wurde dabei ein neuer Teilnehmerrekord gebrochen. Vom Anfänger bis zum erfahrenen Routinier war alles vertreten. Die jüngste Teilnehmerin war sechs Jahre alt, der älteste über 70. „Das ist auch das Faszinierende an diesem Spiel, dass es Generationen verbindet und von allen gespielt werden kann“, meint Linden. Hinzu kommt eine Menge Fingerspitzengefühl sowie spielerisches und taktisches Verständnis.

Eine Woche lang duellierten sich die Teilnehmer, dabei kamen aber auch Freizeitaktivitäten nicht zu kurz. „Die familiäre Atmosphäre zeichnet die Tischeishockey-Gemeinschaft aus“, betont der Erfinder. Man kennt und schätzt sich, eingeladene Neulinge werden herzlich aufgenommen. Nischenfund als Erfolgsgeheimnis Fernsehshow-Anfragen lehnt Linden daher bewusst ab. Er möchte nicht, dass das Spiel zu kommerziell wird und dadurch seinen Charme verliert. Auch das Angebot eines Spieleherstellers über 100 000 Mark lehnte er vor Jahren ab. Linden: „Man hat zwei Möglichkeiten, ein Spiel bekannt zu machen: Entweder man tritt an die Öffentlichkeit heran oder man findet eine gesunde Nische. Letzteres ist mir gelungen.“

Dabei sein ist alles

Für die meisten galt auch in Bad Griesbach der olympische Gedanke: Dabei sein ist alles. Anlässlich des 500. Jubiläums des Reinheitsgebotes war Doping in Form von Gerstensaft während der Spiele erlaubt, wenn nicht sogar erwünscht. Neuer und erstmaliger Weltmeister wurde Mario Zrinski aus Graz. Er setzte sich im Finale mit 7:4 gegen den Vorjahreszweiten und sechsmaligen Titelträger Heiko Seyffarth aus Hamburg durch. Vorjahressieger René Schweimler aus Hannover landete auf dem dritten Platz. Der WM-Spielort für das nächste Jahr steht bereits fest: Zum zweiten Mal geht es in die Nähe von Alkmaar an der holländischen Küste. Klar, dass alle Tischeishockey-Jünger auch schon für diese WM zugesagt haben.

Maximilian Grun

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