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Das Telefonbuch ist seit 130 Jahren erfolgreich.

Telefonbuch seit 130 Jahren erfolgreich

Bonn - Auch nach 130 Jahren sind die Tage des Telefonbuchs noch nicht gezählt. Knapp 80 Prozent der Deutschen nutzten trotz Internet und CD-ROM weiterhin das gedruckte Telefonbuch.

Die Auflage der Bücher sowie die Zahl der Einträge bleibe seit Jahren weitestgehend stabil, sagte Niels Hafenrichter, Sprecher der Deutschen Telekom. Trotz einer steigenden Nutzung digitaler Medien plant das Unternehmen keine Einstellung der gedruckten Ausgabe. Hafenrichter zufolge passt sich das Telefonbuch an die sich wandelnden Anforderungen an. So sei es als iPhone-App innerhalb weniger Monate mehr als eine Million Mal heruntergeladen worden, sagte er. Zudem könnten Privatpersonen seit wenigen Wochen ihre Einträge unkompliziert selbst im Internet bearbeiten. Diese Änderungen würden dann in die gedruckte Ausgabe übernommen.

Nach Angaben der Leiterin des Referats Nachrichtentechnik am Frankfurter Museum für Kommunikation, Lioba Nägele, lässt sich der Wandel des Telefons vom Privileg weniger Menschen zu einem Kommunikationsmittel der Massen gut an der Entwicklung der Telefonbücher ablesen. “1881 war ein Telefonanschluss ein Prestigeobjekt für Adlige und das Großbürgertum“, sagte Nägele im dapd-Gespräch. So sei etwa ein Drittel der Teilnehmer Banken gewesen, gefolgt von Adligen und Geschäftsleuten.

So sieht das erste Telefonbuch aus

So sieht das erste Telefonbuch aus

“Privatleute waren in dem ersten Telefonbuch nicht verzeichnet, auch eine Frau sucht man vergebens“, sagte sie. Allerdings habe sich dies schnell geändert. “Die Geschäftsleute haben gemerkt, wie praktisch es ist, von zu Hause aus schnell im Büro anrufen zu können“. Die Zahl der Anschlüsse in Großstädten wie Berlin, Frankfurt und Hamburg sei rasant gewachsen, fast monatlich mussten neue Telefonbücher, damals noch Verzeichnisse genannt, gedruckt oder Ergänzungen herausgegeben werden.

130 Jahre nach dem ersten Telefonbuch beträgt die Zahl der deutschlandweiten Einträge, trotz immer weniger Festnetzanschlüssen, mehr als 30 Millionen. Dazu enthalten die Bücher immer mehr Informationen. So kommen neben Adressen, Mehrfachtelefon- und Faxnummern immer mehr weiterführende Informationen wie E-Mail Adresse, URL Homepage, Öffnungszeiten und Leistungsangebote hinzu

Trotzdem stellt sich die Frage, ob der Druck des Telefonbuches bei einer Auflage von derzeit bundesweit 28 Millionen Exemplaren und 137 Regionalausgaben angesichts der anderen zahlreichen Möglichkeiten noch zeitgemäß ist. Nach Angaben der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) wurden allein im vergangenen Jahr für die Online-Version des Telefonbuches 225 Millionen Besuche gezählt und mehr als eine Milliarde Seitenaufrufe generiert.

Trotzdem hält Hafenrichter die gedruckte Form weiterhin für die erste Adresse bei der Suche von Telefonnummern und weiteren Informationen. Dies gelte insbesondere, “wenn man sich schnell und einfach einen Überblick verschaffen will, das Buch für den Verbraucher nach wie vor die vertrauteste Umgebung ist, kein Internet beziehungsweise Smartphone zur Verfügung steht oder schlichtweg der Internetweg nicht so gerne genutzt wird“, sagte er.

Darüber hinaus orientiere sich die Auflage der Telefonbücher an der lokalen Nachfrage der Nutzer und an der Anzahl der Haushalte im Bundesgebiet. Auf die Frage, ob der Druck des Telefonbuches eingestellt werden soll, antwortete er: “Die Diskriminierung großer Verkehrskreise, die das Telefonbuch als Buch regelmäßig nutzen, erscheint weder heute noch in absehbarer Zukunft angebracht“.

dapd

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