Terror-Angst überschattet Bushs Amtseinführung

- Washington - US-Präsident George W. Bush will mit der Stärkung von Frieden und Demokratie in der Welt in seiner zweiten Amtszeit die Sicherheit der USA verbessern. Das geht aus vorab verbreiteten Auszügen seiner Antrittsrede hervor. Unter schärfsten Sicherheitsmaßnahmen wird Bush heute in seine zweite Amtszeit eingeführt.

In der Befreiung unterdrückter Völker liege die größte Chance für den Weltfrieden, hieß es in seiner Antrittsrede, aus der das Weiße Haus am Donnerstag wenige Stunden vor der feierlichen Vereidigung des Präsidenten Auszüge veröffentlichte. Noch nie waren die Sicherheitsvorkehrungen für eine Amtseinführung so scharf oder die Festivitäten so teuer.

«Das Überleben der Freiheit in unserem Land hängt immer mehr vom Erfolg der Freiheit in anderen Ländern ab», wollte Bush nach Angaben des Weißen Hauses sagen. «Die beste Hoffnung für Frieden in unserer Welt ist die Ausbreitung von Freiheit in aller Welt.»

Der Präsident stimmte sich am Morgen mit einem stillen Gebet auf die Feierlichkeiten zu seiner zweiten Vereidigung ein. Eine Wagenkolonne brachte Bush, seine Frau und seine Töchter die rund 100 Meter vom Weißen Haus zur St. John's-Kirche. Nach einem kurzen Gottesdienst kehrte er ins Weiße Haus zurück, um sich auf die Vereidigungsfeier vorzubereiten.

Die US-Hauptstadt war unter einer Schneedecke und mit Temperaturen unter Null Grad aufgewacht, mit tausenden Soldaten und Polizisten auf den Straßen und dicken Betonbarrieren, mit denen das gesamte Regierungsviertel für den Verkehr gesperrt war. Nach der Vereidigung wollte Bush in einer Parade mit Militärkapellen und geschmückten Wagen zurück zum Weißen Haus fahren. Auf den Dächern zwischen dem Kapitol und dem Weißen Haus waren Scharfschützen in Position. Unter die mehr als 100 000 Besucher sollten sich Spezialisten mit mobilen Detektoren für biologische oder chemische Kampfstoffe mischen. Der Luftraum war weiträumig abgesperrt. Dennoch waren Flugabwehrraketen aufgestellt worden.

Bush begann den fast 36-stündigen Feiermarathon am Mittwochabend mit einem musikalischen «Fest der Freiheit» auf einer Wiese unweit des Weißen Hauses. Die Amtseinführung ist das wichtigste gesellschaftliche Ereignis in Washington, wo für den Abend Dutzende festliche Bälle und Dinner geplant waren. Bush wollte auf neun Bällen tanzen.

Bush-Kritiker wie der Historiker Fritz Stern kritisierten angesichts von Krieg und Flut-Katastrophe in Asien die aus Spenden finanzierten Fest-Kosten von rund 40 Millionen Dollar (gut 30 Millionen Euro). «Mit der Amtseinführung werden all' die Freiheiten gefeiert, die unsere Demokratie so großartig machen», sagte der Sprecher des Organisationskomitees, Kevin Sheridan.

Nach einer bizarren Terrordrohung unmittelbar vor der Amtseinführung lief eine Großfahndung nach zwei Irakern und vier Chinesen an. Die Männer sollen gedroht haben, in Boston (Massachusetts) eine Bombe mit radioaktivem Material zu zünden. Ein anonymer Anrufer hatte die Polizei in Kalifornien alarmiert, er habe die Männer über die mexikanische Grenze geschmuggelt. Sie hätten ihm gesagt, sie wollten in Kürze mit radioaktivem Material über New York nach Boston reisen. Der Anrufer habe ein Treffen mit US-Polizisten verweigert, habe jedoch Fotos der Chinesen an einem vorher vereinbarten Platz hinterlegt. Die Polizei veröffentlichte die Namen und Fotos für die Fahndung, betonte aber, dass es keinerlei Bestätigung für die Richtigkeit der Angaben gibt.

Bush tritt seine zweite Amtszeit mit weniger Zuspruch der Wähler an als seine Vorgänger Bill Clinton und Ronald Reagan. In einer Umfrage des Senders CBS und der «New York Times» gaben 49 Prozent der Befragten Bush gute Noten für die Amtsführung, 46 Prozent äußerten sich skeptisch. Die Umfrage wurde am Donnerstag wenige Stunden vor der Vereidigung des Präsidenten veröffentlicht. Clinton und Reagan, die vor Bush wiedergewählt worden waren, begannen ihre zweite Amtsantritt mit 60 beziehungsweise 62 Prozent Zuspruch.

Nach der Umfrage haben Dreiviertel der Wähler das Gefühl, dass Bush keinen richtigen Plan für den Abzug aus dem Irak hat. Im Herbst waren dies 58 Prozent. 75 Prozent gehen auch davon aus, dass in vier Jahren immer noch erhebliche US-Truppenkontingente im Irak stationiert sind.

Bushs ehrgeiziger Plan zur Teilprivatisierung der Rentenversicherung stößt ebenfalls auf Skepsis. 60 Prozent meinten, sie persönlich hätten keine Absicht, einen Teil der Abgaben an der Börse anzulegen. Nur drei Prozent der Befragten nannten auf die Frage nach den ihrer Meinung nach drängendsten Problemen die Rentenversicherung. Elf Prozent nannten die Lage im Irak und die Suche nach Topterrorist Osama bin Laden.

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