Tessiner Bluttat nach Computerspiel-Vorbild?

- Schwerin - Nach der Bluttat von Tessin verdichten sich die Hinweise, dass sich die beiden 17-jährigen Schüler bei ihrem Angriff auf das Ehepaar von einem Computerspiel leiten ließen.

Der Radiosender Ostseewelle berichtete am Mittwoch unter Berufung auf Ermittlerkreise, die Angreifer hätten von dem 46-jährigen Familienvater Unterwerfungsgesten verlangt, bevor sie auf den niederknienden Mann einstachen und ihn umbrachten. Solche Szenen gebe es im Video «Final Fantasy», das auch als Computerspiel-Variante auf dem Markt sei.

Am späten Abend wollte sich das 15-jährige Mädchen, das von den beiden Täter bei ihrem Fluchtversuch nach dem Überfall als Geisel genommen worden war, im Fernsehmagazin «Stern TV» über die Vorfälle vom Samstag äußern. Der Deutsche Kinderschutzbund kritisierte den angekündigten Fernsehauftritt. «Ich halte das für maßlos verfrüht», sagte der Vizepräsident des Kinderschutzbundes, Hubertus Lauer, in Hannover. Obwohl er das Interesse der Medien verstehe, müsse dem Mädchen Zeit zum Verarbeiten des Geschehens gegeben werden. Die für den Sender RTL zuständige Niedersächsische Landesmedienanstalt kündigte an, die Sendung zu beobachten.

Wie die Ostseewelle weiter berichtete, sollen dem Mann 66 Stiche zugefügt worden sein. Auch die Ehefrau starb bei dem Überfall am Samstag. Ihr Gesicht soll nach den Messerstichen nicht mehr zu erkennen gewesen sein. Die Täter sollen sich auf dem Weg zum Haus ihrer Opfer mit Namen aus «Final Fantasy» angesprochen haben. Der 16- jährige Sohn konnte sich in einem Zimmer einschließen und die Polizei alarmieren.

Der Schweriner Oberstaatsanwalt Hans-Cristian Pick wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Unklar ist, ob Spiele auch auf den Festplatten der Computer der beiden Gymnasiasten waren, die das Landeskriminalamt ausgewertet hat. Auch dazu wollte Pick nichts sagen. Er wolle bis zur Gerichtsverhandlung sich nicht mehr zu dem Fall äußern. Auch wenn ein Motiv für die Aufsehen erregende Tat in dem 200-Einwohner-Dorf im Kreis Ludwigslust gefunden werden sollte, werde dies nicht an die Öffentlichkeit gegeben, sagte er. So solle auch einer Vorverurteilung in der Öffentlichkeit entgegen gewirkt werden.

Auf der Internetseite von «Stern TV» heißt es: «Die 15-jährige Eyleen kannte die beiden Täter zwar aus der Schule. Doch vieles, was jetzt in der Presse über sie zu lesen ist, stimmt nicht.» Die Mitschülerin der beiden Jungen soll laut Staatsanwaltschaft den Abend bis zur Tat mit den 17-Jährigen verbracht haben. Medienberichten zufolge ist sie zunächst freiwillig mit ihnen gegangen, wurde vor dem Überfall jedoch gefesselt in einen Schuppen gesperrt. Nach der Tat hielten die Jungen das Mädchen eine Stunde im gestohlenen Auto des toten Ehepaars als Geisel gefangen, ehe die Polizei sie zum Aufgeben bewegen konnte.

Die beiden 17-Jährigen Täter sollen sich kurz vor der Tat «völlig normal» verhalten haben, heißt es in einer Vorabmitteilung des NDR. Zwei Freunde der beiden sagten am Mittwochabend in der Sendung «Menschen und Schlagzeilen» des NDR Fernsehens: «Wir waren mit Felix, Thorben und zwei Mädchen an der Bushaltestelle. Wir haben gequatscht, ganz normal über Fußball. Die Mädchen haben Alcopops getrunken. Dann sind Felix und Thorben mit Eyleen, die später als Geisel genommen wurde, weggegangen. Sie wollten noch irgendwo hin».

Nach einem Bericht des Radiosenders Antenne Mecklenburg-Vorpommern hat bislang nur einer der Gymnasiasten, die in Neustrelitz in Untersuchungshaft sitzen, Auskunft zu dem Geschehen gegeben. Der andere schweige. Beide hatten die Tat bereits am Sonntag gestanden.

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