19-Jährige grausam gequält

"Teufelsaustreiber" wegen Folter verurteilt

Bobigny - Vier selbsternannte Exorzisten sind in Frankreich zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Sie hatten eine junge Frau entführt und brutal misshandelt.

Das heute 22 Jahre alte Opfer war im Mai 2011 eine Woche lang in einer Wohnung in einem Vorort von Paris festgehalten worden. Die vier Angeklagten unterzogen sie einer "Teufelsaustreibung", fesselten die Frau an eine Matratze und gaben ihr sieben Tage lang nichts zu essen. Polizisten fanden die geschwächte und extrem abgemagerte Frau, nachdem ihr Vater sie als vermisst gemeldet hatte.

"Sie wollten den Teufel aus mir vertreiben. Sie trugen den ganzen Tag Psalme vor und sagten: 'Teufel, verlasse diesen Körper'", berichtete die 22-Jährige vor Gericht. "Ihnen war nicht bewusst, dass sie mir Schreckliches antaten."

Die Staatsanwältin hatte für die drei angeklagten Männer und ihre Komplizin fünf bis zehn Jahre Haft gefordert. Das Opfer sei über Tage "in ihren Ausscheidungen, ihrem Schweiß und ihrem Blut" regelrecht "eingeweicht" worden.

Die von den Antillen stammenden Angeklagten gehören einer evangelikalen Bewegung an. Sie erklärten während des Prozesses, sie seien davon überzeugt gewesen, dass ihr Opfer tatsächlich "vom Teufel besessen" gewesen sei. Sie hätten deshalb nur "zum Guten" der damals 19-Jährigen gehandelt.

Die Angeklagten wurden am Freitag von einem Schwurgericht in Bobigny nahe Paris mit Freiheitsstrafen zwischen vier und acht Jahren belegt. In erster Instanz waren die Täter zu Freiheitsstrafen von drei bis sechs Jahren verurteilt worden. Im Gegensatz zu dem vor einem Jahr gefällten Gerichtsentscheid wurden in den Berufungsverfahren nun neben Entführung auch die Anklagepunkte Barbarei und Folter aufrechterhalten.

afp

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa (Symbolbild)

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