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Bei dem Fabrikeinsturz in Bangladesch kamen 1138 Arbeiter ums Leben.

Ein Jahr nach Katastrophe

Textilfabrik-Einsturz: Opfer werden entschädigt

Dhaka - Ein Jahr nach dem Fabrikeinsturz in Bangladesch, bei dem 1138 Arbeiter ums Leben gekommen waren, haben am Dienstag Opfer oder deren Angehörige eine erste Entschädigung erhalten.

Vize-Arbeitsminister Mujibul Haque Chunnu und Gilbert Fossoun Houngbo von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) übergaben Schecks in Höhe von 50.000 Taka - rund 460 Euro.

"Ich freue mich. Ich werde das Geld dafür nutzen, einen Laden aufzumachen", sagte die 22-jährige Jesmin Akhter, die das Unglück überlebte. "In einer Textilfabrik kann ich nicht mehr arbeiten." Akhter erlitt Verletzungen an Rücken und an den Beinen.

Insgesamt sollen 3000 Textilarbeiter oder Angehörige jeweils 50.000 Taka Entschädigung erhalten. Das Geld stammt aus einem von der ILO verwalteten Fonds, in den westliche Firmen eingezahlt haben oder einzahlen sollen, die in der Fabrik nähen ließen. Bislang sind rund elf der angepeilten 29 Millionen Euro eingezahlt.

Die 50.000 Taka seien eine "Vorauszahlung", sagte Mojtaba Kazazi, Direktor der Rana-Plaza-Entschädigungsverwaltung. Die tatsächliche Entschädigung werde später berechnet - für Opfer des Unfalls nach dem Grad ihrer Verletzung, für Angehörige von toten Arbeitern nach dem Alter, der Summe, die sie noch verdienen hätten können, und der Anzahl der von ihnen Abhängigen. Auch Familien von vermissten Arbeitern sollen demnach Geld bekommen.

Entschädigung kommt per Handy

Die Mehrheit der Menschen im Entwicklungsland Bangladesch besitzt kein Bankkonto - aber die meisten haben ein Handy. Möchte ein Unternehmen den Überlebenden oder Angehörigen von Opfern des Fabrikunglücks eine Entschädigung zahlen, passiert das übers Telefon. Die Betroffenen erhalten eine SMS mit einer Nummer. Damit können sie sich in einem von 70.000 Geschäften oder Kiosken, die mit dem Unternehmen bKash zusammenarbeiten, Bargeld auszahlen lassen. „Das System funktioniert also auch draußen auf dem Land, wo es weit und breit keine Bank gibt“, sagt Magnus Schmid von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

Umdenken hat begonnen

Die Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels (AVE) erklärte am Dienstag, der Einzelhandel stelle sich "im Rahmen seiner Möglichkeiten" der Verantwortung. Jedoch müssten auch die Verantwortlichen vor Ort die Verbesserungen mittragen. Durch den großen internationalen Druck habe es bereits ein Umdenken bei Regierung und Unternehmen in Bangladesch gegeben.

Wichtige Fortschritte habe es bereits durch ein Abkommen über bessere Feuer- und Gebäudesicherheit gegeben. So hätten sich Unternehmen auf der ganzen Welt zusammengetan, um eine bessere Infrastruktur, Inspektionen und Sanierungen durchzusetzen. Seit Anfang 2014 überprüfe eine Initiative des europäischen Einzelhandels auch unangekündigt Produktionsstätten mit verschärften Prüfkriterien, erklärte die Außenhandelsvereinigung.

Tödlicher Hochhauseinsturz in Bangladesch

Tödlicher Hochhauseinsturz in Bangladesch

Die Rana-Plaza-Fabrik am Rande der Hauptstadt Dhaka war am 24. April vergangenen Jahres eingestürzt, 1138 Textilarbeiter kamen in den Trümmern ums Leben. Zahlreiche westliche Firmen hatten die Billiglöhne genutzt, um in der Fabrik Kleider nähen zu lassen

afp/dpa

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