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Viele Menschen gelten in Tianjin immer noch als vermisst.

Katastrophe wirft Fragen auf

Video zeigt Explosionen in Tianjin aus nächster Nähe

Tianjin - Nach den verheerenden Explosionen auf einem Hafengelände der nordchinesischen Metropole sind mindestens 50 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 700 verletzt worden. Eine unbekannte Zahl von Menschen wird noch vermisst. 

Insane new footage of yesterday's explosion in Tianjin, China.

R.I.P. to all that lost their lives in China. :/FULL STORY: http://kristenrenee.net/4710296-12802931

Posted by Kristen Renee on Donnerstag, 13. August 2015

Die vielen offenen Fragen zu den verheerenden Explosionen in einem Gefahrgut-Lager der Hafenstadt Tianjin haben erneut die Diskussion um die Sicherheitsstandards in China angefacht. Mehr als 50 Menschen kamen ums Leben, über 700 wurden verletzt, doch die Behörden wissen nach eigenen Angaben zwei Tage später immer noch nicht, was Ursache des Unglücks war und welche Chemikalien überhaupt gelagert waren. Aktivisten weisen darauf hin, dass derartige Katastrophen keine Seltenheit sind. Um Geld zu sparen, würden Sicherheitsbestimmungen oftmals nur unzureichend umgesetzt - und Leben dabei riskiert.

"Es gibt eindeutig keine Sicherheitskultur am Arbeitsplatz", sagt Geoffrey Crothall vom Hongkonger Verband China Labour Bulletin, der sich für Arbeitnehmerrechte einsetzt. Als Beispiel nennt er die Explosion in einer Autozulieferer-Fabrik in Kunshan bei Shanghai, bei der im vergangenen Jahr 146 Arbeiter ums Leben kamen. "Es folgen die üblichen Erklärungen, wie schockierend das sei und dass so etwas nie wieder passieren dürfe", sagt Crothall. "Aber natürlich passiert genau dasselbe ein Jahr später wieder." Das Problem sei, dass es zwar eine Vielzahl an Sicherheitsregeln gebe, diese aber nicht umgesetzt würden.

Ähnlich sieht das die Giftstoffexpertin Cheng Qian von Greenpeace. "Dieser Vorfall zeigt einmal mehr, dass existierende Regeln für den Umgang mit Chemikalien nur unzureichend umgesetzt werden", sagt sie. Nötig seien deshalb schärfere Kontrollen und härtere Sanktionen bei Verstößen.

Behördenstatistiken zufolge soll sich die Situation in jüngster Zeit allerdings leicht verbessert haben. Für das ersten Halbjahr meldete die Behörde für Arbeitssicherheit 139.000 Industrieunfälle mit 26.000 Todesopfern. Dies sei ein Rückgang von 7,5 beziehungsweise 5,5 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2014.

Vor allem in Chinas Kohleindustrie gab es deutliche Verbesserungen, wie ein Behördenvertreter vor einigen Monaten erklärte. Demnach kamen 2014 bei Bergwerksunfällen 931 Menschen ums Leben - ein Rückgang um elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Laut Arbeitsrechtler Crothall lag die Zahl vor zehn Jahren noch bei jährlich 6000 bis 7000 Toten. Grund für die niedrigeren Opferzahlen seien die Fusionen im Kohlebergbau, dadurch seien viele kleine und unsichere Bergwerke geschlossen worden.

Dennoch reißt die Liste der Industrieunglücke nicht ab: 2013 starben bei der Explosion einer Pipeline des staatlichen Ölkonzerns Sinopec in Qingdao 62 Menschen, 136 wurden verletzt. Bei einem Feuer auf einer Geflügelfarm in der Provinz Jilin kamen im selben Jahr 120 Menschen ums Leben.

Crothall zufolge ist allen Unglücken der laxe Umgang mit Sicherheitsstandards gemein. "In all diesen Fällen war klar, dass es Verstöße gegen die Sicherheit gab: verriegelte Notausgänge, überhaupt keine Notausgänge - sowie unzählige Arbeiter, die noch nie über Sicherheitsmaßnahmen informiert wurden", sagt er.

Aktivisten weisen auch auf die weitverbreitete Korruption in der Volksrepublik hin. Demnach umgehen Unternehmen häufig die Regeln, um Geld zu sparen. Mit Hilfe von Schmiergeldern umgingen sie dann die seltenen Kontrollen.

Nach der Katastrophe von Tianjin fangen auch die Staatsmedien an, Fragen zu stellen. "In einem normal und modern erscheinenden Arbeitsumfeld dürfen Stoffe mit einer Sprengkapazität von dutzenden Tonnen TNT gelagert werden, die dann beim ersten menschlichen Versagen in die Luft gehen können", empört sich die "Global Times" und fordert die örtlichen Behörden zur Transparenz auf. Eine Online-Datenbank über die in Tianjin ansässigen Unternehmen war nach dem Unglück indes nicht mehr abrufbar.

afp

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