"Socke" überlebte Kastration nicht

Tierärztin nach Tod eines Meerschweinchens verklagt

Hannover - Wer hat Schuld am Tod von Meerschweinchen "Socke"? Diese Frage beschäftigt das Amtsgericht Hannover. Ein Ehepaar ist der Meinung, seine Tierärztin habe den Mümmler nicht fachgerecht kastriert.

Die Kläger verlangen Schadenersatz in Höhe von 877,73 Euro von der Ärztin - unter anderem für die Beschaffung eines neuen Partnertieres für Meersau Jack. Die lag ebenfalls unter dem Skalpell der Veterinärin, überlebte die Prozedur in einer Tierklinik jedoch, wie das Gericht mitteilte.

Die Frau bestreitet dagegen, einen Fehler gemacht zu haben. Sie führt den schweren Verlauf auf angeblich mangelnde Hygiene und Wundversorgung in den ersten elf Tagen nach der Kastration zurück. Ihr Anwalt sagte, sie empfinde es als ehrenrührig, dass ihr ein Behandlungsfehler unterstellt werde.

Für das kinderlose Paar waren Jack und Socke mehr als Meerschweinchen. „Für uns ist ein Tier ein Familienmitglied, nicht nur ein Sachgut“, betont der 34-Jährige auf dem Flur des Amtsgerichts Hannover kurz vor dem Auftakt des Zivilverfahrens.

In der knapp zweistündigen Verhandlung am Freitag wird zunächst die Verhältnismäßigkeit der Schadenersatzforderung geklärt. Schließlich kostete das neue Partnertier für Jack nur 24 Euro. Richterin Catharina Schwind hält eine Summe von 570 Euro für angemessen, doch die Tierärztin lehnt eine Einigung ab. 

„Ich mache mir solche Vorwürfe“, soll die 35-jährige Frau gesagt haben, als sie elf Tage nach der Kastration mit ihren Lieblingen die Praxisräume zum Fädenziehen betrat. Die Tierärztin betont: „Die Tiere waren beide hochgradig verwahrlost. Es war alles verklebt.“ Ungläubige Blicke und Kopfschütteln auf der Gegenseite, die zuvor all ihre Hygiene-Maßnahmen aufgezählt hatte. Eine Auszubildende der Praxis, die als Zeugin gehört wird, bestätigt allerdings im wesentlichen die Version ihrer Chefin.

Am 15. Mai 2013 operierte die Veterinärin die beiden Nager erneut, um die eitrigen Wucherungen zu entfernen. Danach blieben sie neun Tage in ihrer Obhut und wurden rund um die Uhr versorgt, wie die Ärztin beteuert.

Die Kläger sind überzeugt, dass in dieser Zeit etwas grundlegend schief gelaufen sein muss. Am 24. Mai habe die Tierärztin angerufen und gesagt, sie habe die Lage nicht mehr unter Kontrolle, schildert der 34-Jährige. Auf dem Weg von der Praxis in die Notaufnahme der Tierklinik hätten beide Meerschweinchen „fürchterlich gestunken“. Später habe die Ärztin die Patientenakten nicht herausgeben wollen.

Die Richterin lässt am Ende der Verhandlung offen, ob sie noch ein tierärztliches Sachverständigen-Gutachten einholen wird. Die Entscheidung soll am 24. März verkündet werden. (Az: 565 C 11976/14)

Nach der Verhandlung sagt die Tierärztin, sie operiere seit 30 Jahren Meerschweinchen. Noch nie habe jemand versucht, ihr etwas anzuhängen. Der niedersächsischen Tierärztekammer war der Fall bisher nicht bekannt. Es gebe hin und wieder Klagen, eine zunehmende Klagebereitschaft von Tierbesitzern sei aber nicht festzustellen, sagt die stellvertretende Geschäftsführerin, Severine Tobias.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa (Symbol-Meerschweinchen)

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