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Beweisstücke vor Gericht: Eine 26-jährige Belgierin hat die Schnüre des Fallschirms einer Rivalin durchtrennt.

Tödliche Rache: Fallschirm von Rivalin manipuliert

Tongeren - Sie liebten denselben Mann und hatten dasselbe riskante Hobby. Mit einem manipulierten Fallschirm hat eine Belgierin (26) ihre Rivalin in den Tod geschickt.

Mit einem manipulierten Schirm, der sich nicht öffnen konnte, schickte eine 26- jährige Belgierin ihre Freundin 2006 in den sicheren Tod. So sah es das Schwurgericht in Tongeren bei Lüttich, das die Lehrerin am Donnerstag nach einem spektakulären Prozess zu 30 Jahren Haft wegen Mordes verurteilte. Doch der Prozess lässt viele Fragen offen.

“Es gibt keinen Weg, noch feiger und hinterhältiger zu töten“, sagte Staatsanwalt Patrick Boyen und sprach aus, was viele Zuschauer dachten. “Solch einen Tod wünscht man seinem ärgsten Feind nicht.“ In der Geschichte des belgischen Fallschirm-Sports ist der Fall einmalig. In Deutschland hatte 1999 ein 33-jähriger Mann eine Fallschirmspringerin in Münster in den Tod geschickt - sie hatte seine Liebe verschmäht.

Jeden Tag kamen hunderte Schaulustige in den Gerichtssaal. Was sie zu hören bekamen, könnte aus einem Krimi sein. Aus Eifersucht manipulierte die Täterin den Fallschirm ihrer Rivalin. Besonders perfide: Der Todessprung war ein Formationssprung mit mehreren jungen Leuten, darunter die 26-Jährige selbst. Sie sprang als erste aus dem Flugzeug und setzte sich von der Gruppe ab.

Der gemeinsame Geliebte musste in 4000 Metern Höhe den verzweifelten Kampf seiner Begleiterin mit dem blockierten Fallschirm mitansehen. Das Opfer trug eine Helmkamera, die die Tat dokumentierte. “Von oben dieses Stück Stoff am Boden liegen zu sehen, war schrecklich“, sagte der 46-Jährige Mann aus.

Es ist die filmreife Geschichte einer Dreiecksbeziehung. Man lernte sich im Fallschirmclub Zwartenberg kennen: Die dickliche Lehrerin und ihr späteres Opfer, 15 Jahre älter. Die verheiratete Mutter von zwei Kindern und Schmuckhändlerin nahm die Jüngere unter ihre Fittiche und kümmerte sich um die labile Frau, deren Vater gestorben war, als sie zwei Jahre alt war. So waren sie die besten Freundinnen, bis ein Mann in ihr Leben trat. Der niederländische Unternehmensberater und Fallschirmspringer hatte zunächst eine heimliche Affäre mit der Älteren. Später nahm er auch die Täterin mit in sein Bett und zwang sie zu einem Versteckspiel. Nur freitags durfte sie ihn in seinem Appartement besuchen - der Samstag war für seine Nummer Eins reserviert. Damit er die beiden Frauen, die denselben Vornamen Els trugen, beim Liebesgeflüster unterscheiden konnte, gab er “Nummer zwei“ den Namen “Babs“. Die Ältere soll von dem Doppelspiel des Mannes nichts geahnt haben.

Im November 2006 hatte “Babs“ es satt, immer zurückzustecken. Alle drei übernachteten gemeinsam in einem Appartement - die Rivalin im Bett des geliebten Mannes, sie selbst auf dem Sofa. In dieser Nacht wurde sie laut Gericht von Rachegefühlen übermannt und schnitt die Schnüre am Fallschirm ihrer Konkurrentin durch, der im Schrank lag.

Viele fragten sich während des Prozesses, wer die unscheinbare Frau mit Brille und Kurzhaarschnitt wirklich ist. Eine Psychopathin oder nur eine Betrogene? “Sie war ein Monster voller Eifersucht und Hass“, sagte der Anwalt des Opfers, Jeff Vermassen. Ihr Verteidiger beschrieb sie als labile Frau. Mit 16 unternahm sie einen Selbstmordversuch. Wegen ihrer “zerrissenen Persönlichkeit“ blieb das Gericht unter der lebenslangen Höchststrafe.

Auf die Spur kam man der Mörderin schnell. Anonyme Briefe, die sie ein Jahr zuvor an ihr Opfer geschickt hatte, machten sie verdächtig. “Sie hat ein Motiv und sie hatte das Wissen, den Fallschirm zu manipulieren“, befanden die Geschworenen. Das Urteil fiel auf Basis von Indizien - Beweise gibt es keine. Die Ermittler fanden weder DNA- Spuren noch Fingerabdrücke der Täterin.

Bis zuletzt bestritt die 26-Jährige die Tat. “Ich bin unschuldig. Seit vier Jahren höre ich nicht auf, das zu beteuern. Ich lebe in der Hölle“, sagte sie in ihren Schlussworten. So lässt der Prozess viele Fragen offen, manche sprechen gar von einem Fehlurteil. “Die Lotterie der Geschworenen hat entschieden, eine Unschuldige ins Gefängnis zu schicken“, schrieb die Zeitung “Le Soir“.

dpa

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