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Der Angeklagte und sein Verteidiger.

Angeklagter bittet um Verzeihung

Tödliche Schüsse beenden Nachbarschaftsstreit

Rottweil - Nach jahrelangem Streit um Grundstücksgrenzen und Durchfahrtsrechte soll ein 39-Jähriger zur Pistole gegriffen und seinen Nachbarn mit acht Schüssen getötet haben.

Es ging um Grundstücksgrenzen, um die Müllentsorgung, Umbauten und Durchfahrtsrechte - der jahrelange Nachbarschaftsstreit ging tödlich aus. Ein 39-Jähriger muss sich seit Donnerstag vor dem Landgericht Rottweil (Baden-Württemberg) verantworten, weil er seinen Nachbarn mit acht Schüssen aus einer Sportpistole getötet haben soll. „Ich kann mir überhaupt nicht erklären, wie das passiert ist“, sagte der Angeklagte zu Beginn des Prozesses. Die Familie des Opfers bat er um Entschuldigung. „Das ist etwas, was nicht hätte passieren dürfen.“

Der Beschuldigte soll den 43-Jährigen im Juli 2013 erschossen haben, nachdem ihn dieser mit deftigen Worten beleidigt hatte. Zwischen den Männern hatte es laut Staatsanwaltschaft schon seit längerem Streit gegeben, seit der 43-Jährige im Jahr 2011 mit seiner Frau in die Doppelhaushälfte neben dem 39-Jährigen in Wellendingen (Kreis Rottweil) gezogen war. Die Auseinandersetzung drehte sich unter anderem um den Verlauf der Grundstücksgrenze und um Umbaumaßnahmen des Hinzugezogenen. Schließlich standen sich die beiden Männer sogar vor Gericht gegenüber.

An einem Montagabend sei die Situation dann eskaliert. Das Opfer habe die Familie des Nachbarn beleidigt. „Da bin ich durchgedreht“, sagte der Angeklagte, der bis dahin noch nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen war. An die Tat selbst könne er sich nur noch teilweise erinnern. Er habe sich in seinem Garten wiedergefunden und seinen Nachbarn vor sich gesehen, aber nicht gewusst, ob er wach sei oder träume. Später hätten seine Frau und seine Kinder geschrien: „Was hast du getan?“ Da sei ihm der Streit mit dem Nachbarn wieder eingefallen - er wisse aber nicht, ob er wirklich geschossen habe.

Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft hatte der 39-Jährige nach der Beleidigung durch seinen Nachbarn seine Sportpistole aus dem Haus geholt - diese durfte er nach früheren Ermittlungen bei sich aufbewahren, da er im Verein aktiv war. Er habe zweimal auf den Nachbarn geschossen, der daraufhin noch in sein Haus flüchten konnte. Der Beschuldigte sei dem 43-Jährigen allerdings gefolgt und habe noch weitere Male abgedrückt. Anschließend habe er die Polizei alarmiert, sich festnehmen lassen und ein Geständnis abgelegt.

Die Ehefrau des Angeklagten schilderte vor Gericht, wie sie ihren Mann habe aufhalten wollen. „Er hat mir aber nicht zugehört“, sagte die 31-Jährige. Er sei aus der Tür hinausgelaufen, dann habe sie Schüsse gehört. Sie selbst sei im Haus geblieben, um ihre Kinder zu beruhigen. Der Nachbar habe sie in der Vergangenheit mehrfach provoziert, beleidigt und regelrecht „Psychoterror“ betrieben. „Es ist soviel passiert“, sagte sie.

Das Opfer wurde laut Staatsanwaltschaft von den Schüssen an Hüfte, Lende und in der Brust getroffen. Der 43-Jährige sei sofort tot gewesen. Seine Ehefrau bezeichnete ihren Mann vor Gericht als „charakterstarke“ Person, die ihre Ansichten stets vertreten habe. Sie hätten im Laufe des Nachbarschaftsstreits fast wöchentlich Post vom Anwalt des Nachbarn bekommen, außerdem habe der mutmaßliche Täter ihr zu diesem Zeitpunkt noch ungeborenes Baby bedroht.

Am Tattag habe sie in der Küche gestanden und gekocht, als sie draußen Schreie gehört habe. Sie sei vor die Tür gegangen und habe ihren Mann am Boden liegen sehen, den Nachbarn mit einer Pistole daneben. Ihr Mann habe sich nicht bewegt. „Ich dachte, ich kann ihm nicht mehr helfen“, sagte die 29-Jährige. Sie sei daher zurück in die Wohnung gerannt, um ihr wenige Monate altes Baby zu schützen.

dpa

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