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Polizeifahrzeuge stehen in Ellwangen auf dem abgesperrten Marktplatz vor dem Landgericht. Foto: Stefan Puchner

Prozess beginnt streng bewacht

Tödliche Schüsse von Heidenheim

Im April ist ein führender Rocker vor einem Friseurladen in Heidenheim erschossen worden. Nun steht der mutmaßliche Mörder vor Gericht. Die Behörden rechnen mit weiterer Gewalt.

Heidenheim/Ellwangen (dpa) - Es geht um die Hoheit auf der Straße, ums Geschäft und um falsch verstandene Ehre: Wegen tödlicher Schüsse in der Rocker-Szene muss sich ein 26-jähriges Gangmitglied von heute an in Baden-Württemberg wegen Mordes verantworten.

Das Mitglied der "Black Jackets" soll im April vor einem Friseurgeschäft in Heidenheim zwei Männer der "United Tribuns" niedergeschossen haben. Ein 29-Jähriger, der Vize-Präsident der United Tribuns in Ulm, starb zwei Tage später im Krankenhaus an den Schusswunden. Sein damals 25 Jahre alter Bruder wurde lebensgefährlich verletzt. Der Angeklagte sitzt seit der Tat im April in Untersuchungshaft.

Der Fall erregte bundesweit Aufsehen. Zwischen den beiden Straßengangs gibt es seit längerem Streit. Behörden rechnen weiter mit Vergeltungsaktionen. "Wir können nicht sagen, dass es ausgestanden ist", sagte ein Ulmer Polizeisprecher. "Wir rechnen nach wie vor mit Auseinandersetzungen zwischen den beiden Gruppen."

Der Fall wird vor dem Landgericht Ellwangen verhandelt. Der Gerichtssprecher sagte, er rechne damit, dass Beteiligte und Angehörige der beiden Gruppierungen zum Prozess erscheinen. Das Verfahren beginnt deshalb unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Es gibt Einlasskontrollen; alle Besucher müssen sich ausweisen. Kutten und andere Erkennungsmerkmale der Rocker sind im Gerichtssaal verboten.

69 Zeugen und vier Sachverständige sollen insgesamt gehört werden. Als erster Zeuge soll gleich der Bruder des Getöteten aussagen, der die Schüsse überlebte.

Rockerähnliche Gruppen wie die in Villingen-Schwenningen gegründeten United Tribuns sprießen bundesweit aus dem Boden und versuchen zu expandieren. Ermittler warnen vor solchen neuen Gangs, die sich meist nicht mehr fürs Motorradfahren interessieren, sondern etwa für Geschäfte in der Rotlicht-Szene. "Die tauchen regelmäßig auf und wollen ihre Macht demonstrieren. Und sie scheuen eben nicht, Gewalttaten in der Öffentlichkeit auszuüben", sagte ein Sprecher des Landeskriminalamts Baden-Württemberg. "Wir haben da ein besonderes Auge drauf."

Baden-Württemberg weist nach Angaben des Landeskriminalamts mit 56 Clubs die größte Dichte an Rockern in ganz Deutschland auf. Rund 1900 Personen gehören den unter verstärkter polizeilicher Beobachtung stehenden etablierten Gruppen einschließlich ihrer Unterstützergruppen an. Die meisten Rocker zählen sich zu den vier großen Gruppen Bandidos, Gremium, Hells Angels und Outlaws. Hinzu kommen 30 Ortsgruppen sogenannter rockerähnlicher Gruppierungen mit rund 450 Mitgliedern. "Lederkutte ohne Motorrad", wie das Landeskriminalamt die neuen Gruppen kurz umschreibt.

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