Tödliche Therapie: Urteil aufgehoben?

Berlin - Das Urteil gegen einen Berliner Arzt wegen einer Gruppentherapie mit tödlichen Folgen ist nach Angaben seines Verteidigers aufgehoben worden. Wird der Fall jetzt neu verhandelt?

Der Bundesgerichtshof (BGH) habe dies am 11. Januar entschieden, teilte Anwalt Mark Höfler am Dienstag mit. Der Fall hatte bundesweit schockiert. Der Arzt hatte im September 2009 in seiner Praxis in Hermsdorf während einer Sitzung seinen Patienten einen tödlichen Drogencocktail aus Ecstasy gemixt, zwei Männer waren daran gestorben.

Das Berliner Landgericht hatte den Psychotherapeuten im Mai 2010 zu einer Haftstrafe von vier Jahren und neun Monaten verurteilt und ein lebenslanges Berufsverbot verhängt. Der Fall müsse nun von einer anderen Strafkammer des Landgerichts neu verhandelt werden, so der Anwalt. Eine BGH-Sprecherin sagte auf Anfrage mit Verweis auf entsprechende Fristen, zu dem Fall werde am (morgigen) Mittwoch ein Beschluss veröffentlicht. Zum Inhalt machte sie keine Angaben.

Beim Landgericht in der Hauptstadt war die Entscheidung noch nicht bekannt. Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Besonders tragisch war, dass ein 59 Jahre altes Todesopfer trockener Alkoholiker war, bei dem es laut Gutachten schon bei einer früheren Sitzung Komplikationen gab. Zwölf Männer und Frauen hatten sich an jenem 19. September zu einer “gemeinsamen Reise“ in der Praxis getroffen, die nach den servierten Cocktails schnell außer Kontrolle geriet.

Das Berliner Gericht verurteilte den Mediziner wegen Körperverletzung mit Todesfolge sowie gefährlicher Körperverletzung in fünf Fällen. Der ursprüngliche Vorwurf des versuchten Mordes war fallengelassen worden. Der Therapeut habe die Risiken gekannt, seine Patienten aber nicht darüber aufgeklärt, hieß es damals im Urteil. Der Arzt hatte das “tragische Unglück“ bedauert. Er habe sich beim Abwiegen der Drogen wohl vertan, erklärte er im Prozess.

dpa

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