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Torfkahn kentert - 70-jährige Frau getötet

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Worpswede - Eine Torfkahn-Fahrt auf dem niedersächsichen Flüsschen Hamme ist für eine Landfrauen-Gruppe aus Schleswig-Holstein zum Alptraum geworden: Eine 70-Jährige stirbt, vier weitere Frauen werden schwer verletzt, als der Kahn kentert. Eine 65Jährige schwebt noch immer in Lebensgefahr.

"Alle sind schockiert", sagt der Bürgermeister von Worpswede, Stefan Schwenke (parteilos). "In den vergangenen 30 Jahren ist bei Torfkahnfahrten kein ernsthafter Unfall passiert." Nach Angaben der Wasserschutzpolizei in Brake (Kreis Wesermarsch) ist die Ursache des Unglücks noch immer nicht geklärt.

Aufgebrochen sind die rund 30 Senioren am Mittwoch gegen Mittag mit den beiden etwa neun Meter langen Torfkähnen "Neu Helgoland" und "Anna Lena".

Einst transportierten Moorbauern mit den Kähnen Torf, den begehrten braunen Brennstoff. Heute schippern Touristen auf Nachbauten historischer Vorbilder. Sanft gleiten die Kähne der Gäste aus Bad Segeberg etwa eine Stunde lang durch das Wasser, vorbei am Schilf bewachsenem Ufer. Die "Anna Lena" erreicht die Anlegestelle problemlos, der andere Kahn ist nicht mehr weit entfernt. Etwa 1,80 Meter ist die Hamme an dieser Stelle tief.

Kurz vor der Ankunft dringt plötzlich Wasser in die "Neu Helgoland" ein. "Da sind die Menschen in Panik geraten und alle zu einer Seite gerannt", berichtet Augenzeugin Silke Köhler, Besitzerin einer nahe gelegenen Gaststätte. Der Kahn habe Schlagseite bekommen und sei gekentert. "Die Menschen schrien um Hilfe", sagt Köhler. Mehrere Angestellte des Lokals springen ins Wasser, ebenso zwei Besatzungsmitglieder eines Motorschiffes.

Sie können einige Menschen aus dem Fluss ziehen. Bei einer 65- Jährigen gelingt die Wiederbelebung, doch für eine 70-Jährige kommt jede Hilfe zu spät. Drei Verletzte werden mit Rippenbrüchen ins Krankenhaus gebracht. Die anderen Ausflügler stehen unter Schock, werden ärztlich betreut. Insgesamt sind mehr als 100 Rettungskräfte im Einsatz.

Noch am Mittwochabend reist ein Teil der Gruppe zurück nach Schleswig-Holstein. Erst am Donnerstag werden drei Verletzte aus dem Krankenhaus entlassen. Die Leiche der 70-Jährigen soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft Verden nun obduziert werden. Zudem wollen Experten am Freitag Material und Stabilität des Gefährts untersuchen. Bis zur Klärung der Unglücksursache sind alle Torfkahnfahrten verboten. Auch die für Samstag geplante 7. HammeNacht mit historischen Torfkähnen sei abgesagt worden, sagt Bürgermeister Schwenke. "Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen der Getöteten."

Die Polizei ermittelt gegen den 79 Jahre alten Skipper wegen fahrlässiger Tötung. "Das ist ein erfahrener Mann", sagt Heinz Kommerau, der Besitzer der Torfkähne. Kopfschüttelnd fügt er hinzu: "Ich kann das immer noch nicht begreifen."

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