16 Tote nach Anschlag auf marokkanisches Café

Rabat - Nach einem Terroranschlag auf ein Café in der marokkanischen Stadt Marrakesch am Donnerstag sind mindestens 16 Menschen getötet und 21 verletzt worden.

Regierungssprecher Khalid Naciri hatte mehrere Stunden nach der Explosion auf Grundlage erster Ermittlungen von 14 Toten gesprochen. Wie die amtliche Nachrichtenagentur MAP am Freitag mitteilte, erlagen zwei Menschen am Freitag den Verletzungen, die sie bei der Explosion erlitten hatten. Ein Arzt sagte der Nachrichtenagentur AP, einer der Patienten sei im Krankenhaus gestorben, ein zweiter beim Transport dorthin.

Die meisten Opfer seien ausländische Urlauber, teilte das Innenministerium am Freitag mit. Unter den Toten sind nach Informationen aus Paris und Den Haag sechs Franzosen und ein Niederländer. Laut Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sind offenbar keine Deutschen von dem Attentat betroffen. Dies sei zwar insoweit beruhigend, ausschließen könne man dies zur Stunde allerdings noch nicht, betonte er.

Fotos: Anschlag auf marokkanisches Café

Anschlag auf marokkanisches Café

Es ist der folgenschwerste Terroranschlag in dem nordafrikanischen Königreich seit acht Jahren. Naciri sagte, es sei “zu früh“, um zu sagen, wer hinter dem Anschlag stecke. Verantwortlich für die Tat soll die mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbündete Marokkanische Gruppe Islamischer Kämpfer (GICM) gewesen sein. Sie wird auch mit den Anschlägen in Madrid im März 2004 in Verbindung gebracht.

Das zerstörte Café Argana befindet sich auf dem Djemma-el-Fna-Platz im Zentrum von Marrakesch, der zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Die Explosion kurz vor der Mittagsstunde riss die gesamte Fassade des terracottafarbenen Gebäudes auf.

Die Regierung hatte nach der verheerenden Explosion zunächst von einem möglichen Unfall gesprochen. “Aber erste Ergebnisse der Untersuchung haben bestätigt, dass es sich tatsächlich um einen kriminellen Akt gehandelt hat“, sagte Naciri in einem Interview des französischen Fernsehsenders France-24. 

Die Polizei hatte die gewaltige Explosion zunächst auf ein Gasleck in der Küche zurückgeführt. Das örtliche Fernsehen berichtete, ein Selbstmordattentäter sei in die Küche des Lokals eingedrungen und habe sich neben den Gasflaschen für den Herd in die Luft gesprengt. Dies habe die Wucht der Detonation noch vergrößert.

Chaotische Szenen

Augenzeugen berichteten von chaotischen Szenen auf dem bei Touristen wegen seiner Schlangenbeschwörer, Feuerschlucker und der Medina beliebten Platz. “Es gab einen riesigen Knall, es stieg viel Rauch auf und es regnete Trümmer. Hunderte Menschen rannten in Panik umher, einige hin zum Café, andere weg vom Platz. Die gesamte Fassade des Cafés wurde weggesprengt“, sagte der Londoner Andy Birnie der Nachrichtenagentur AP. Er verbringt seine Flitterwochen in Marrakesch. “Es war Mittagszeit, deshalb war viel los auf dem Platz“, sagte Birnie. Einheimische sagten uns, dass Gasflaschen explodiert seien.“

Auch der 34-jährige portugiesische Tourist Alexandre Carvalho wurde Zeuge der Explosion. “Ich bin gerade auf dem Platz angekommen, dort, wo die meisten Cafés sind. Plötzlich hörte ich diese schwere Explosion“, sagte er. Er habe mit dem Rücken zu ihr gestanden. “Ich habe mich umgedreht, um sie zu sehen. Mindestens zehn Menschen wurden verletzt“, sagte er. Marokko blieb in den vergangenen Jahren von folgenreichen Terroranschlägen weitgehend verschont.

2003 verübten mehrere Selbstmordattentäter in Casablanca einen Anschlag, bei dem einschließlich der Attentäter 45 Menschen ums Leben kamen. Es würden ständig Terrorzellen in Marokko entdeckt, sagte der Sprecher weiter. “Nichts hat uns dazu veranlasst, einen Akt diesen Ausmaßes zu vermuten oder vorherzusehen“, fügte er hinzu.

Reaktionen

König Mohammed VI. kondolierte den Hinterbliebenen und wies Justiz- und Innenminister an, Hintergründe und Ziele des Anschlags aufzuklären, zitierte die marokkanische Nachrichtenagentur MAP aus einer Erklärung des Kabinetts.

Der Weltsicherheitsrat hat den Anschlag “aufs Schärfste“ verurteilt. In einer Presseerklärung sprachen die 15 Ratsmitglieder den Angehörigen der Opfer dieser “schrecklichen Tat“ ihr Mitgefühl aus. “Jede Form von Terrorismus ist kriminell und nicht zu rechtfertigen“, heißt es in der in der Nacht zum Freitag in New York verbreiteten Erklärung. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich “entsetzt“ von dem Anschlag.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle sagte, die Tat “darf keinesfalls dazu führen, dass der eingeleitete Reformprozess in Marokko unterminiert wird.“

dapd/dpa

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