+
Ein Bild des Grauens bot sich den Rettungskräften vor Ort.

Flugzeugunglück in Russland

Pilot fliegt 50 Menschen in den Tod

Moskau - Tragödie an der Wolga: Beim Absturz einer russischen Passagiermaschine in Kasan sind nach offiziellen Angaben mindestens 50 Menschen ums Leben gekommen.

Die aus Moskau kommende Maschine vom Typ Boeing 737-500 sei bei einem wiederholten Landeversuch aufgeschlagen und explodiert, sagte eine Sprecherin des Zivilschutzministeriums am Sonntag der Agentur Interfax zufolge.

An Bord des Flugzeugs der regionalen Gesellschaft Tatarstan Airlines seien 44 Passagiere und 6 Besatzungsmitglieder gewesen. „Es gibt keine Überlebenden“, sagte Sprecher Sergej Iswolski von der Luftfahrtbehörde. Die Piloten seien erfahren gewesen. Trotzdem könne ein menschlicher Fehler nicht ausgeschlossen werden, teilte die Polizei in der Wolga-Stadt rund 800 Kilometer östlich von Moskau mit. Medien zufolge war die Maschine bereits mehr als 23 Jahre alt.

Kremlchef Wladimir Putin äußerte sein Mitgefühl und beauftragte Verkehrsminister Maxim Sokolow, sofort nach Kasan zu reisen. Der Präsident befahl zudem die Bildung einer Untersuchungskommission. Die Katastrophe müsse restlos aufgeklärt werden, sagte der Staatschef.

In größten Land der Erde kommt es immer wieder zu verheerenden Flugzeugunglücken mit vielen Toten. Meist sind dabei aber veraltete russische Maschinen wie Tupolew involviert. Seltener trifft es Flugzeuge westlicher Fabrikate wie Boeing oder Airbus. Die Unglücksmaschine sei erstmals am 18. Juni 1990 geflogen, hieß es.

Der Absturz habe sich nach einstündigem Flug um 19.26 Uhr Ortszeit (16.26 Uhr MEZ) ereignet, sagte ein Flughafensprecher in Kasan, der Hauptstadt der Teilrepublik Tatarstan. Das Wetter sei zu dem Zeitpunkt mit plus drei Grad Celsius und leichtem Wind problemlos gewesen. „Die Sicht betrug 5000 Meter, die Landebahn war trocken. Bessere Bedingungen gibt es kaum“, sagte der Sprecher. Der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Wladimir Markin, schloss einen Anschlag aus.

Augenzeugen zufolge rammte die Maschine die Landepiste mit dem vorderen Teil. Im Internet wurden unmittelbar nach der Katastrophe Vorwürfe laut, das Flugzeug sei technisch mangelhaft gewesen. „Diese Maschine schüttelte ihre Passagiere wie in der Waschmaschine“, schrieb etwa User „@bulat116“ bei Twitter. Eine Journalistin, die am Vortag mit der Maschine geflogen war, berichtete im Fernsehen von „unglaublichen Vibrationen“.

Die Boeing habe vor einem Jahr wegen defekter Sensoren in Kasan notlanden müssen, und einem anderen Flugzeug der gleichen Gesellschaft sei 2010 ein Teil des Fahrgestells abgefallen, hieß es.

Unmittelbar nach der Explosion machten sich 135 Rettungskräfte und 35 Helfer mit schwerer Technik zum leicht verschneiten Unglücksort. Alle Opfer seien geborgen, teilte das Zivilschutzministerium mit. Unter den Toten seien auch der Sohn eines ranghohen Lokalpolitikers sowie der örtliche Geheimdienstchef. Die Behörden boten allen Angehörigen psychologische Hilfe an. Der Flughafen wurde gesperrt.

Kasan ist einer der Austragungsorte der Fußball-WM 2018. Zudem organisiert Russland im Februar in Sotschi Olympische Winterspiele.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Erdrutsch im Kongo: Mindestens 40 Menschen sterben
Bei einem Erdrutsch aufgrund starkem Regen im zentralafrikanischen Kongo sind mindestens 40 Menschen ums Leben gekommen.
Erdrutsch im Kongo: Mindestens 40 Menschen sterben
Zugbegleiterin wird von Regionalbahn überrollt - und stirbt
Eine Zugbegleiterin ist im Bahnhof in Amstetten (Baden-Württemberg) von einem Zug überrollt und tödlich verletzt worden.
Zugbegleiterin wird von Regionalbahn überrollt - und stirbt
Vor fahrenden Zug gestürzt: Psychisch kranke Schwangere reißt drei Kinder mit in den Tod
Eine psychisch kranke Schwangere hat sich in Rumänien vor einen fahrenen Zug gestürzt und ihre drei kleinen Kinder mit in den Tod gerissen.
Vor fahrenden Zug gestürzt: Psychisch kranke Schwangere reißt drei Kinder mit in den Tod
Mit 210 statt 50 durch die Stadt - Hamburger Polizei stoppt Raser
Der Fahrer hatte es eilig: Er war mit 210 statt 50 Stundenkilometer in der Hamburger Stadt unterwegs. Die Polizei konnte den jungen Raser auf der Köhlbrandbrücke stoppen.
Mit 210 statt 50 durch die Stadt - Hamburger Polizei stoppt Raser

Kommentare