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Bei der Explosion einer Autobombe in Kairo wurden mehrere Menschen getötet.

Anschlagsserie

Vier Explosionen an einem Tag in Kairo

Kairo  - Bei einer Bomben-Anschlagsserie in der ägyptischen Hauptstadt Kairo sind am Freitag sechs Menschen getötet und 70 weitere verletzt worden. Nacheinander detonierten drei Sprengsätze.

Bei einer Anschlagsserie in Kairo sind am Freitag mindestens sechs Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden. Einer der Attentäter rammte sein mit Sprengstoff beladenes Auto in eine Absperrung vor dem Polizeihauptquartier im Stadtzentrum, wie ein Augenzeuge berichtete. Im Tagesverlauf detonierten in der ägyptischen Hauptstadt drei weitere Bomben. Drei ARD-Mitarbeiter wurden bei Dreharbeiten an einem der Tatorte angegriffen und verletzt.

Ein Polizist, der den Angriff auf das Hauptquartier miterlebte, berichtete, der Angreifer habe mit seinem Wagen den Metallzaun um das Gebäude gerammt. Bei dem Anschlag wurden vier Menschen getötet und mehr als 70 weitere verletzt, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Durch die Explosion wurde die Fassade der Polizeizentrale zerstört. Auch das gegenüberliegende Museum für Islamische Kunst wurde stark beschädigt. UNESCO-Chefin Irina Bokowa verurteilte den Anschlag und kündigte an, die Schäden in dem Museum zu beseitigen.

Autobomben-Anschlag auf Polizeistation in Kairo

Autobomben-Anschlag auf Polizei in Kairo

Ein Fernsehteam des Südwestrundfunks (SWR) wurde nach Angaben des Senders von einer wütenden Menschenmenge attackiert, als es am Tatort drehen wollte. Mehrere aufgebrachte Anwohner bezichtigten die SWR-Mitarbeiter demnach, "Unterstützer der Muslimbrüder" und "Verräter" zu sein. Zwei der Angegriffenen hätten Schnittwunden und Prellungen erlitten.

Wenige Stunden nach dem ersten Anschlag explodierten in Kairo drei weitere Bomben. Der erste Angriff richtete sich gegen ein Polizeifahrzeug nahe einer U-Bahnstation im Stadtviertel Dokki. Ein Polizist wurde getötet, wie die Behörden mitteilten. Zwei weitere Sprengsätze detonierten später an der Hauptstraße zu den Pyramiden von Gizeh. Ein Mensch wurde dabei getötet, vier Polizisten erlitten Verletzungen.

Die Staatsführung kündigte an, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Auch wer an der Planung oder Finanzierung der Anschläge beteiligt gewesen sei, werde hart bestraft, hieß es in einer Erklärung des Präsidentenbüros. Die Unterstützer Mursis distanzierten sich von dem Angriff auf das Polizeihauptquartier. "Wir verurteilen den Anschlag in Kairo und betonen unsere Bereitschaft, friedlich gegen den Putsch zu kämpfen", erklärten die Islamisten im Kurznachrichtendienst Twitter.

Seit dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi im Juli vergangenen Jahres wurden bei Anschlägen in Ägypten zahlreiche Polizisten und Soldaten getötet. Erst am Donnerstag waren bei einem Angriff an einem Kontrollposten in Beni Suef südlich von Kairo fünf Polizisten erschossen worden. Am Freitag kam es in mehreren Städten erneut zu Zusammenstößen zwischen Anhängern Mursis und der Polizei. Mindestens sieben Menschen wurden dabei nach offiziellen Angaben getötet.

Am Samstag soll in Ägypten an den Beginn der Revolte gegen den langjährigen Machthaber Husni Mubarak vor drei Jahren erinnert werden. Im Vorfeld der Feiern am Samstag, die nach dem Willen der Regierung mit einer Massenkundgebung begangen werden sollen, wurden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Die Muslimbrüder riefen ihrerseits zu 18-tägigen Protesten auf, um an die 18 Tage dauernden Massenproteste zu erinnern, die letztlich zum Sturz Mubaraks am 11. Februar 2011 führten.

Das Auswärtige Amt rief Reisende in Kairo und anderen großen Städten auf, am Wochenende im Hotel zu bleiben, da es zu weiteren Anschlägen und gewaltsamen Zusammenstößen bei den Demonstrationen kommen könnte.

afp

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