Lebend-Impfstoff und Totimpfstoff: Virologe erklärt leicht verständlich den Unterschied - und die Wirkung

Schon bald soll in Deutschland der Totimpfstoff Novavax gegen das Coronavirus verabreicht werden. Doch, was ist ein Totimpfstoff genau? Und was ist der Unterschied zu den mRNA-Impfstoffen? Ein Virologe klärt auf.
München/Gießen - Novavax soll kommen, Novavax wird kommen: Die Ständige Impfkommission (StiKo) hat sich in Deutschland während der Omikron-Welle für Impfungen mit dem Totimpfstoff ausgesprochen - vorerst für Menschen ab 18 Jahren. Novavax ist ein sogenannter Protein-Impfstoff mit einem Wirkverstärker. Für eine Grundimmunisierung werden nach Angaben der StiKo zwei Vakzin-Dosen im Abstand von drei Wochen benötigt. Für Schwangere wird die Impfung aktuell noch nicht empfohlen.
Corona-Totimpfstoff Novavax kommt: Virologe nennt Unterschiede zu mRNA-Impfstoffen
Soweit die ersten Infos. Aber: Was ist das eigentlich, ein Totimpfstoff? Und was ist der Unterschied zu den mRNA-Impfstoffen, wie sie etwa BionTech oder Moderna in der Coronavirus-Pandemie auf den Markt gebracht hatten? Diese Fragen beantwortete Friedemann Weber, Professor und Direktor für Virologie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen, im Gespräch mit FOCUS Online. Zur Einordnung: Weber forscht an der hessischen Hochschule unter anderem zu eben jenen Coronaviren und zu Influenzaviren.
- Unterschiede zwischen Lebend-Impfstoffen und Totimpfstoffen (stark vereinfacht):
- Lebend-Impfstoffe: Die sogenannten mRNA-Vakzine beinhalten abgeschwächte Organismen. Sie lösen eine sogenannte T-Zellen-Antwort aus. Die gebildeten zytotoxischen T-Zellen töten bereits infizierte Zellen im Körper ab. Lebend-Impfstoffe sind somit nicht gänzlich abgetötete Teile des Virus. Sie sorgen dafür, dass der menschliche Organismus Antikörper gegen das Virus ausbildet. Und sie lassen bereits infizierte Zellen absterben.
- Totimpfstoffe: Diese Vakzine veranlassen den menschlichen Organismus ebenfalls dazu, Antikörper gegen das Virus zu bilden, um sich davor zu schützen. Der Impfstoff enthält keine „lebende“ Teile des Virus. Der Wirkstoff Novavax ist ein solcher Totimpfstoff.
„Lebend-Impfstoffe sind immer lebende, in Anführungszeichen, weil nicht lebende Organismen im eigentlichen Sinne, die abgeschwächt sind. Und zwar so weit, dass sie das Rennen mit dem Immunsystem quasi nur verlieren können“, erzählte der Wissenschaftler in dem Interview mit dem Nachrichtenportal aus München. Er unterschied: „Ein Totimpfstoff verliert dagegen das Rennen mit dem Immunsystem, weil er vorher abgetötet wurde, bevor er verabreicht wurde.“
Corona-Totimpfstoff Novavax: Virologe bezeichnet Lebend-Impfstoffe als „wirksamer“
Welche Unterschiede gibt es weiter? Lebend-Impfstoffe sind nach Ansicht des Virologen „wirksamer, weil sie nämlich (...) eine sogenannte T-Zell-Antwort auslösen. Und zwar im engeren Sinne die sogenannten zytotoxischen T-Zellen. Das sind Zellen, die infizierte Zellen umbringen“, erklärte der Gießener Professor FOCUS Online.
Ein Totimpfstoff verliert das Rennen mit dem Immunsystem.
Lebend-Impfstoffe würden nicht nur Antikörper erzeugen, oder eine Bildung solcher Antikörper auslösen, sagte er: „Sondern sie lösen auch die Bildung der zytotoxischen T-Lymphocyten aus.“
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„Anders ist es beim klassischen Totimpfstoff. Der induziert eigentlich nur Antikörper“, erklärte Weber. Wird er verabreicht, bildet der Körper demnach ebenfalls Antikörper gegen das heimtückische Virus. Zum Beispiel Novavax sei seiner Ansicht nach aber „kein klassischer Totimpfstoff, weil das Spike-Protein gentechnisch hergestellt wurde“, erzählte er. Weber erklärte vereinfacht: „Ein klassischer Totimpfstoff ist das, was zum Beispiel die Chinesen gemacht haben. Sie nehmen einfach das SARS-Coronavirus-2, töten es chemisch ab, mischen das mit einem Adjuvans (Hilfsstoff, d. Red.) und verabreichen das. Das ist ganz klassisch. Und das ist das Erste, was man machen kann, wenn man ein neues Virus hat. Weil das am schnellsten geht und am unkompliziertesten ist.“ (pm)