1. Startseite
  2. Welt

Die Tour de France 2020 und Corona: Tausende Covid-19-Tests und viele Fragezeichen - „Blindflug“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Patrick Mayer

Kommentare

Auf den Spuren von Jan Ullrich und Erik Zabel: Auch die Tour de France steht 2020 im Schatten von Corona. Rund um die große Frankreich-Rundfahrt von Nizza bis Paris gibt es reichlich Kritik. Im Fokus: die Covid-19-Tests.

München/Nizza/Paris - Die Erinnerungen sind für viele Sport-Fans noch frisch. Wie Jan Ullrich die Berge der Pyrenäen und Alpen erklomm, wie Erik Zabel Sprint für Sprint für sich entschied.

Doch: Die Tour de France findet 2020 - wie so vieles in der Coronavirus-Pandemie - unter anderen Vorzeichen statt.

Covid-19 hat die Welt fest im Griff und zwingt auch die Macher der großen Frankreich-Rundfahrt in vielerlei Hinsicht zum Umdenken. Social Distancing, Corona-Tests, Zuschauer vor Ort - rund um die Tour de France gibt es reichlich Kritik und Bedenken, ob das vorgestellte und umgesetzte Konzept so auch funktioniert.

Tour de France 2020: Trotz Corona vor tausenden Zuschauern von Nizza bis Paris

Der Start erfolgt am 29. August ausgerechnet in Nizza. Nach einer riesigen Feier auf der Promenade des Anglais mit tausenden Party-Gästen hatte es zuletzt mächtig Ärger gegeben, der Bürgermeister ordnete daraufhin eine Maskenpflicht für den öffentlichen Raum im gesamten Stadtgebiet an. Er verwies vehement auf die Gefahren durch das heimtückische Coronavirus.

Tour de France 2020 trotz Coronavirus-Pandemie: Corona-Test-Konzept in der Kritik

Doch jetzt kommen tausende Radsport-Fans. Denn: Das Zuschauerkonzept sieht an allen Tour-Stationen abgegrenzte Zuschauerbereiche mit bis zu 5000 (!) Fans vor - dabei handelt es sich um die Maximalzahl von Menschen, die derzeit in Frankreich an öffentlichen Orten zusammenkommen dürfen.

Der Arc de Triomphe in Paris.
Unter anderen Vorzeichen: die Tour de France 2020. © Pa Wire/dpa

Markant: Kurz vor dem Start der Tour de France hatte das Robert-Koch-Institut (RKI) die Regionen Ile-de-France und  Provence-Alpes-Côte d’Azur wegen drastisch steigender Infektionszahlen explizit zu Corona-Risikogebieten erklärt und die deutsche Bundesregierung entsprechend eine Reisewarnung ausgesprochen. Der Zielort Paris liegt in der Ile-de-France, und Startpunkt Nizza in der zweitgenannten Region am sonnigen Mittelmeer.

Tour de France 2020 in der Coronavirus-Pandemie: „Es geht in Richtung Magengeschwür“

Unter Fahrern und Teamchefs werden aber insbesondere wegen der geplanten Testungen auf Covid-19 Bedenken laut. Sie verweisen darauf, dass Fahrer an einem Tag negativ und wenige Tage später positiv getestet werden könnten. Und umgekehrt.

Das finanzielle Risiko ist hoch. 2500 sogenannte PCR-Tests soll es insgesamt geben.

Ralph Denk, Chef des deutschen Teams Bora-hansgrohe, sprach von einem „Blindflug“. „Es ist das eingetreten, was ich befürchtet habe. Ich habe nicht nur Bauchschmerzen, bei mir geht es inzwischen in Richtung Magengeschwür. Es werden Entscheidungen anhand von solchen Testergebnissen getroffen, die massiv sind. Wir sprechen vom weltgrößten Sportereignis in diesem Jahr. Und dann verlässt man sich auf Tests ohne Gegenprobe“, sagte Denk der Deutschen Presse-Agentur. „Bei einer Dopingkontrolle habe ich immer die Möglichkeit, mich mit einer B-Probe zu entlasten. Wenn ich alkoholisiert Auto fahre und der Atemalkohol schlägt an, habe ich immer noch die Möglichkeit einer Blutentnahme. Das habe ich beim Corona-Test nicht. Ich habe für eine Zweitprobe plädiert, aber man hat mir kein Gehör geschenkt.“

Tour de France 2020 in der Coronavirus-Pandemie: Eine Fahrt ins Ungewisse

Eine geplante Schutzmaßnahme mutet für die Teams dagegen regelrecht besorgniserregend an. Gibt es zwei positive Corona-Fälle in einer Mannschaft binnen sieben Tagen, wird der gesamte Rennstall von der weiteren Tour ausgeschlossen.

Bei einer positiven Testung darf also weitergefahren werden - Fragen nach der Sinnhaftigkeit werden laut. Die Tour de France 2020 - es ist eine Fahrt ins Ungewisse. (pm)

Auch interessant

Kommentare