Eine Möwe fliegt neben der Karlsbrücke
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Die Karlsbrücke ist eine der größten Touristenattraktionen der tschechischen Hauptstadt Prag

Nachfolger der Tschechoslowakei

Tschechien: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

Tschechien war bis 1993 immer Teil eines anderen Landes. Der junge Staat existiert erst seit 1993 und ist heute Mitglied der EU. Reisen sind aus anderen EU-Ländern ohne Grenzkontrollen möglich, Tschechien gehört zum Schengen-Raum, der Euro ist allerdings noch nicht eingeführt, bezahlt wird mit der Tschechischen Krone.

  • Tschechien ist einer der beiden Nachfolgestaaten der Tschechoslowakei, die sich friedlich in zwei Teile gespalten hat.
  • Das Land bietet Touristen historische Orte, Skigebiete und beeindruckende Naturlandschaften, in denen große europäische Säugetiere wie Elche, Luchse, Braunbären und Wölfe zu Hause sind.
  • Seit dem EU-Beitritt boomt die Wirtschaft insbesondere in der Hauptstadt Prag, der Staat ist der wirtschaftlich erfolgreichste der ehemaligen Mitglieder des sowjetischen Rats für Wirtschaftshilfe.

Prag – Mit der Gründung des eigenständigen Staates Tschechien wurde auch die Suche nach einem Namen relevant. In der tschechischen Sprache bedeutet „Čechy“ Böhmen, das Teil des Landes ist. Insgesamt besteht Tschechien aus den Regionen Böhmen, Mähren und Schlesien, weshalb der Begriff manchmal für den gesamten Staat genutzt wird. „Český“ dagegen steht für „tschechisch“ und „böhmisch“. Trotzdem passt der Name Tschechien, denn der Sage nach ist Čech, deutsch Tschech, der Gründer und der Urvater des tschechischen Volkes. Dementsprechend heißt der Staat Tschechien in der Landessprache „Česká republika“, deutsch Tschechische Republik, und wird „Česko“ (Tschechien) abgekürzt. Dieser Kurzname ist erst seit 2016 offiziell von den Verfassungsorganen anerkannt.

Tschechien – die Geschichte des Landes bis 1918

Die ersten Slawen wanderten im 6. Jahrhundert in Böhmen ein. Ein Jahrhundert später gehörte die Region zum Samo-Reich. Nach weiteren rund zweihundert Jahren bildete sich Ende des 9. Jahrhunderts der erste slawische Staat. Zuerst entstand das Reich der Mährer, das im 11. Jahrhundert als Markgrafschaft Mähren Böhmen zugeordnet wurde. Daraus wuchs ab 1085 das Königreich Böhmen.

Das Königreich Böhmen gehörte zum Heiligen Römischen Reich und beanspruchte unter den Luxemburgern und den Přemysliden erhebliche Teile des europäischen Kontinents. In den späteren Jahrhunderten stiegen die Habsburger auf und aufgrund der Folgen des Dreißigjährigen Kriegs fiel das Gebiet der heutigen Republik Tschechien an die Habsburgermonarchie. Erst mit dem Zerfall dieses Herrscherhauses am Ende des Ersten Weltkriegs veränderte sich die Situation der Tschechen wieder. 1918 wurde die demokratische Tschechoslowakei, ein gemeinsamer Staat der Tschechen und der Slowaken, gegründet.

Tschechien – der Weg zum unabhängigen Staat

Die Geschichte der Region Tschechien bleibt bewegt. Noch vor Beginn des Zweiten Weltkriegs besetzten die Nazis die Tschechoslowakei und zwangen die vormals unabhängige Regierung, sich der Fremdherrschaft zu beugen. Der Münchener Vertrag sah vor, dass die Tschechoslowakei Gebiete an Deutschland, Polen und Ungarn abtreten musste. Dem beugte sich der Staat, doch Hitler wollte auch die verbliebenen Gebiete. So entstand das Protektorat Böhmen und Mähren unter deutscher Verwaltung.

Erst 1945 wurden die Gebiete von den Alliierten in Zusammenarbeit mit der tschechoslowakischen Exilarmee vom Naziregime befreit. Die Rote Armee besetzte das Land, etwa drei Millionen Deutsch-Böhmen und Deutsch-Mähren wurden ausgebürgert, enteignet und vertrieben. Im Jahr 1948 kam es zum Februar-Umsturz und die Kommunistische Partei gelangte an die Macht in der Tschechoslowakei. Der Staat wurde zum Satellitenstaat der Sowjetunion. Im Jahr 1969 gab es im Rahmen des „Prager Frühlings“ eine Reformbewegung, die durch die Truppen des Warschauer Pakts beendet wurde.

Erst die „Samtene Revolution“ im Jahr 1989 hatte Erfolg. Unter Václav Havel (erst Regimekritiker, dann Staatspräsident) wurde die Tschechoslowakei wieder zu einem demokratischen Staat.

Tschechien – Politik

Am ersten Januar 1993 entstand der Staat Tschechien in seiner heutigen Form, nachdem sich die Landesteile Tschechien und Slowakei friedlich trennten. Die Politik des Landes orientiert sich an westlichen Vorbildern und teilweise besonders an den USA. Tschechien ist eine parlamentarische Republik, der Staatspräsident (seit 2013 Miloš Zeman, 2018 wiedergewählt) ist das Staatsoberhaupt. Bis 2012 wählte das Parlament den Präsidenten, seit 2013 darf das Volk direkt abstimmen. Der Präsident ernennt den Ministerpräsidenten (seit 2017 Andrej Babiš) und weitere Mitglieder der Regierung. Er besitzt bei Gesetzen ein Vetorecht gegenüber dem Abgeordnetenhaus und kann Gesetze an das Parlament zurückgeben.

Der Staat Tschechien hat ein Parlament mit zwei Kammern. Im Senat versammeln sich 81 Senatoren, die nach Mehrheitswahlrecht bestimmt werden. Wie im US-Senat bleiben gewählte Senatoren sechs Jahre im Amt, Wahlen finden aber alle zwei Jahre statt. Dann entscheidet das Volk neu über ein Drittel der Senatoren, die die sechs Jahre erfüllt haben. Im Abgeordnetenhaus verrichten 200 Abgeordnete ihren Dienst, diese werden alle vier Jahre nach dem Verhältniswahlrecht neu gewählt. Die Parteien stellen in den Wahlkreisen Listen auf, es gilt eine Fünf-Prozent-Hürde.

Der Staat Tschechien – Parteien

Bei der letzten Parlamentswahl im Staat Tschechien am 20. und 21. Oktober 2017 wurde die Partei ANO stärkste Kraft im Abgeordnetenhaus. Die Partei konnte 29,64 Prozent der Wählerstimmen und damit 78 Sitze im Parlament für sich gewinnen. ANO steht gegen politische Eliten und Korruption, seit 2013 war die Partei als Koalitionspartner an der Regierung beteiligt.

  • Auf dem Platz 2 rangiert ODS, eine liberal-konservative Partei, sie holte 11.32 Prozent der Stimmen und 25 Sitze.
  • Knapp dahinter kommen die Piráti (tschechische Piratenpartei) mit 10,79 Prozent und 22 Sitzen.
  • Es folgt die rechtspopulistische SPD mit 10,64 Prozent und 22 Sitzen.
  • Die Kommunistische Partei Böhmens und Mährens (KSČM) erreicht 7,76 Prozent und 15 Sitze.
  • Ähnlich erfolgreich ist die ČSSD („tschechische SPD“) mit 7,27 Prozent und ebenfalls 15 Sitzen.
  • Die KDU-ČSL („CDU des Landes“) springt mit 5,8 Prozent nur knapp ins Parlament und hat zehn Sitze.
  • Die populistische Mitte-Rechts-Partei TOP 09 rutscht mit 5,31 Prozent ins Abgeordnetenhaus und erringt sieben Sitze.
  • STAN, die liberal-konservativen Unabhängigen, landen bei 5,18 Prozent und sechs Sitzen.

Insgesamt stehen die rechtspopulistischen und EU-kritischen Parteien seit der letzten Wahl auf der Gewinnerseite, während die klassischen Parteien Verluste hinnehmen mussten.

Tschechien – Geografie und Städte

Im Westen grenzt der Staat Tschechien an Deutschland, westlich sowie nordwestlich ist Polen gelegen, im Südosten besteht eine Grenze zur Slowakei und im Südosten nach Österreich. Die Geografie des Binnenstaates wird durch Berge bestimmt. Fast das gesamte Land ist von Gebirgszügen umschlossen, während die Landesmitte in einer großen Flachlandzone ruht. Der höchste Berg des Landes ist die Schneekoppe mit 1.603 Metern Höhe. Tschechien liegt mitten in Europa und ist etwa gleich weit von der Ostsee und der Adriaküste entfernt. Der Staat umfasst knapp 80.000 Quadratkilometer Fläche und ist damit nur geringfügig kleiner als die Insel Irland.

Rund 75 Prozent der Bevölkerung wohnen in Städten. Dabei ist auffällig, dass die Tschechen sehr viel Wohneigentum aufgebaut haben. Bereits 2008 besaßen 20 Prozent der Haushalte eine eigene Wohnung (1995 2 Prozent) und 40 Prozent ein eigenes Haus. Die größten Städte sind (Stand 2010):

  • Prag (Hauptstadt): rund 1.250.000 Einwohner
  • Brno: gut 370.000 Einwohner
  • Ostrava: ca. 306.000 Einwohner
  • Pilsen: etwa 170.000 Einwohner

Tschechien – Bevölkerung und Sprache

Im September 2018 hatte der Staat Tschechien 10.637.794 Millionen Einwohner. Die größte Gruppe der Bevölkerung machten bei der Volkszählung 2001 die Tschechen aus. Die Ergebnisse im Einzelnen sind:

  • Tschechen: 90,5 Prozent
  • Mähren: 3,7 Prozent
  • Slowaken (tschechische Staatsbürgerschaft): 1,9 Prozent

Nach Schätzungen leben rund 300.000 Roma im Land. Dazu kommen Ausländer und Migranten mit den unterschiedlichsten Nationalitäten, die im Jahr 2017 4,1 Prozent der Bevölkerung ausmachten.

Nahezu alle Tschechen sprechen Tschechisch. Die Sprache ist Haupt- und Amtssprache im Staat. Einige vorwiegend ältere Einwohner beherrschen auch Deutsch oder Russisch. In größeren Städten können sich Urlauber meist mit Englisch gut verständigen, da viele junge Tschechen diese Fremdsprache in der Schule wählen.

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