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Im T-Shirt in den Flieger nach München

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- Flughafen München - Manche Passagiere haben nicht einmal mehr Schuhe, anderen fehlen Pass und Geld. Der Horror, den ihnen die Monsterwelle im Weihnachtsurlaub beschert hat, ist den Heimkehrern aus Südostasien deutlich anzusehen. 167 kamen gestern Abend mit dem ersten Direktflug aus Sri Lanka am Münchner Flughafen an. Empfangen wurden sie von einem gewaltigen Medienaufgebot.

In der Sonderhalle F warteten rund zehn Kamerateams, etwa 25 Fotografen und Dutzende Journalisten. Die Polizei sorgte dafür, dass die Heimkehrer ungestört blieben. Die meisten der Passagiere eilten so schnell wie möglich weiter, ohne sich den Fragen der Reporter zu stellen. Ein Passagier lief gebeugt, in eine Decke gewickelt. Ein anderer Reisende rief: "Wir können alle nicht mehr."

Petra Schröder, unterwegs nach Hof, stellte sich den Fragen der Journalisten. Ihr gesamtes Gepäck, das sie retten konnte, passt in zwei kleine Handtaschen. Sichtlich mitgenommen schilderte Schröder, wie sie die Flutkatastrophe erlebte: "Es war grausam. Man muss das gesehen haben, sonst kann man sich das nicht vorstellen." Glastüren seien gesplittert, Decken schwammen aus dem Hotel. "Ich stand auf dem Balkon, als ich die Leute plötzlich habe rennen sehen."

Die Erste Welle sei noch nicht so schlimm gewesen, "kam aber auch schon bis in den Speisesaal." Die zweite Welle habe dann schon Menschen angespült. Hilfe habe sie nach der Katastrophe zunächst kaum bekommen: "Es war Feiertag, und die Einheimischen waren selbst beschäftigt, sich in Sicherheit zu bringen."

Die Maschine der Thomas-Cook-Flugtochter hatte fast auf die Minute planmäßig um 18.08 Uhr im Erdinger Moos aufgesetzt. Die Passagiere wurden zunächst in einer Sonderhalle des Flughafens in Empfang genommen und von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Rund 70 speziell geschulte Betreuer - Ärzte, Psychologen und kirchliche Mitarbeiter - nahmen sich der Heimkehrer an. Neben Essen und Trinken benötigten die Touristen vor allem Kleidung. Etwa 20 Passagiere seien mit Badehose und T-Shirt ins Flugzeug gestiegen, sagte ein Flughafen-Sprecher. Für einige Touristen organisierten die Helfer auch Weiterfahrtmöglichkeiten.

Zahlreiche Plätze waren in dem Flugzeug allerdings frei geblieben - viele hatten in dem Chaos den Weg zum Flughafen nicht geschafft. "Wir hatten fast 90 freie Plätze, weil einfach nicht genug Menschen am Flughafen waren", sagte Thomas Cook-Sprecherin Dorothea Hohn. Die Maschine habe natürlich auch Passagiere von anderen Reise-Gesellschaften mitgenommen.

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