„Wenn in anderen Kreisen ...“

Landkreis-Hopping im Inzidenz-Wirrwarr: Erste deutsche Stadt vergibt „Corona-Visum“ - bei Verstoß droht Strafe

  • Patrick Mayer
    vonPatrick Mayer
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Unterschiedliche Inzidenzen führen im harten Corona-Lockdown in Deutschland zu verschiedenen Öffnungen und Lockerungen des Einzelhandels. Eine deutsche Stadt setzt jetzt strenge Covid-19-Vorschriften für Einkaufstouristen auf.

München/Tübingen - Die neuen Corona-Regeln haben es einmal mehr in sich. Stark davon betroffen ist: der Einzelhandel.

Je nach 7-Tage-Inzidenz darf dieser deutschlandweit wegen Covid-19 ganz mit strengen AHA-Regeln, nach Terminvereinbarungen per „Click & Meet“ oder gar nicht öffnen. Deshalb setzte ab 8. März ein regelrechtes Landkreis-Hopping zwischen den Regionen und Städten ein, wenn auch nicht so drastisch, wie von Kritikern der Maßnahmen befürchtet.

Coronavirus-Pandemie in Deutschland: Corona-Visum für Einkaufstouristen in Tübingen

Eine Stadt geht in dieser Gemengelage nun einmal mehr einen Schritt weiter: das schwäbische Tübingen. Mit dem polarisierenden Oberbürgermeister Boris Palmer (Die Grünen) an der Spitze, wagt die Mittelstadt (rund 85.000 Einwohner) in Baden-Württemberg den nächsten Corona-Sonderweg.

  • Lockdown: Corona-Regeln im Einzelhandel bis 28. März:
  • 7-Tage-Inzidenz unter 50: Der Einzelhandel darf öffnen. Aber: Je nach Verkaufsfläche darf auf zehn oder 20 Quadratmeter je nur ein Kunde in den Laden oder das Geschäft.
  • 7-Tage-Inzidenz zwischen 50 und 100: Der Einzelhandel darf nach Terminbuchungen einzelne Kunden empfangen - auch „Click & Meet“ genannt.
  • 7-Tage-Inzidenz über 100: Der Einzelhandel muss im entsprechenden Landkreis oder der Stadt geschlossen bleiben.

Denn: Wer aus einem anderen Landkreis nach Tübingen zum Shoppen einreist, muss zwingend einen negativen Corona-Schnelltest vorweisen, der darüber hinaus eigens zertifiziert wird. „Gültig ist nur das offizielle Tageszertifikat der Universitätsstadt Tübingen, das an den Teststationen ausgegeben wird“, teilte die Stadt laut SWR mit.

Corona-Lockdown in Deutschland: Inzidenz-Wirrwarr sorgt für unterschiedliche Öffnungen des Einzelhandels

Der Schnelltest auf eine mögliche Infektion mit dem heimtückischen Coronavirus muss also an einer der Teststationen der Stadt gemacht werden, die zwischen 9 und 19 Uhr in Betrieb sind. Man kann ein Testergebnis demnach nicht einfach mitbringen.

Wer sich nicht daran hält, muss laut einer Sprecherin der Stadt mit einer Strafe rechnen. Tübingen hat durch seine Universität und die dazugehörigen Kliniken nicht nur vergleichsweise große medizinische Ressourcen für sein Vorhaben.

Vorbild in der Corona-Pandemie? Die Universitätsstadt Tübingen in Baden-Württemberg.

Durch seinen Fokus auf die Testungen und den Schutz von Corona-Risikogruppen gilt die Mittelstadt im Herzen von Baden-Württemberg zudem seit Monaten deutschlandweit als vorbildlich bei der Eindämmung der Pandemie. So wies der Landkreis Tübingen laut Landesgesundheitsamt am Montag (8. März) eine 7-Tage-Inzidenz von nur noch 27,1 auf.

„Diesen Erfolg wollen wir nicht leichtfertig aufgeben“, schrieb OB Palmer dazu auf seiner Facebook-Seite: „Wenn in anderen Kreisen der Handel zu bleibt, weil die Zahlen zu hoch sind, finde ich es nur recht und billig, einen kostenlosen Test vor dem Einkauf direkt in der Stadt zu verlangen.“ (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Jochen Tack

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