Blick auf die Hagia Sophia
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Das Istanbuler Wahrzeichen, die Hagia Sophia

Brücke zwischen Ost und West

Türkei: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

Die Türkei ist ein vielfältiges Land mit wechselvoller Geschichte, das sich in den letzten Jahrzehnten zu einem der beliebtesten Urlaubsländer entwickelt hat. Für Spannungen sorgte in den letzten Jahren die türkische Politik gegenüber dem Westen.

  • Die moderne Türkei ging 1923 aus dem Osmanischen Reich hervor.
  • Im Altertum gehörte das Land als Kleinasien zur griechischen Sphäre.
  • Der Tourismus ist eine wichtige Einnahmequelle für den Staat.

Ankara – Die Türkei ist ein Staat voller Gegensätze, die nicht zuletzt der einzigartigen Geografie des Landes geschuldet sind: Ganz im Westen liegt die moderne wirtschaftlich starke Mega-Metropole Istanbul auf europäischem Gebiet, während das gebirgige Südostanatolien sehr traditionell und landwirtschaftlich geprägt ist.

Türkei: Die frühe Geschichte

Schon vor über einer Million Jahren siedelten frühe Menschen wie der Homo erectus und der Neandertaler auf dem Gebiet der heutigen Türkei. Ab etwa 1600 v. Chr. entstanden die ersten modernen Zivilisationen wie das Reich der Hethiter in Zentralanatolien. Griechen siedelten vor allem entlang der Küste der Ägäis, unter anderem in Halikarnassos (dem heutigen Bodrum) und in Milet. Auch das legendäre Troja befand sich auf türkischem Boden. Seine Ruinen sind heute eines der beliebtesten touristischen Ziele der Türkei.

Immer wieder war Anatolien Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen. Zu den Eroberern gehörten die Perser unter König Kyros II. und Alexander dem Großen. Unter seiner Herrschaft im 4. Jahrhundert v. Chr. erlebten Städte wie Pergamon und Ephesos ihre größte Blüte. Über eine Erbschaft fiel die Region später kampflos an die Römer, die ihre neue Provinz Asia Minor (Kleinasien) nannten.

Die Türkei im Mittelalter

Mit dem Zerfall des Römischen Reiches wurde das Gebiet der Türkei Teil des christlichen Oströmischen Reiches mit der Hauptstadt Byzanz (Istanbul). Zu dieser Zeit fand der Begriff Anatolien erstmals schriftliche Erwähnung. Er leitet sich vom griechischen Anatolé für den Orient ab. In Zentralasien begann zur gleichen Zeit der Aufstieg der Turk, eines nomadischen Stammes aus dem Altai-Gebirge. Da die Türken große Abschnitte der Seidenstraße kontrollierten, schlossen die Byzantiner mit ihnen ein Bündnis, das sich gegen den gemeinsamen Feind Persien richtete.

Doch erst im 11. Jahrhundert eroberten die türkischen Fürsten der Seldschuken-Dynastie weite Teile der Halbinsel, die heute die Türkei ausmacht. Sie brachten auch den Islam mit nach Anatolien. Mit dem Abstieg der Seldschuken begann kurz darauf der Aufstieg eines weiteren Turk-Volkes: Unter seinem Herrscher Osman I. begründete es das Osmanische Reich.

Die Türkei und das Osmanische Reich

Nach der ersten Schlacht der Osmanen gegen das Byzantinische Reich im Jahr 1302 begann ein beispielloser Eroberungszug. Ein Wendepunkt der Geschichte war die Eroberung von Konstantinopel (Byzanz / Istanbul) im Jahr 1451. Unter Sultan Süleyman dem Prächtigen erlebte das Osmanische Reich seine größte Blüte und Ausdehnung. Es reichte weit über die Türkei hinaus bis Libyen und Ägypten im Süden und bis zum Kaspischen Meer und zum Persischen Golf im Osten.

Im Norden drangen die Osmanen über die Donau bis nach Ungarn vor. Zweimal kam es zur erfolglosen Belagerung von Wien: 1529 und 1683. Zu diesem Zeitpunkt war das Osmanische Reich jedoch schon geschwächt und wurde in den folgenden Jahrhunderten immer weiter nach Süden zurückgedrängt.

Die Türkei als moderner Staat

Im 19. Jahrhundert verlor das Osmanische Reich nach und nach Serbien, Rumänien, Griechenland und Bulgarien, die sich unabhängig erklärten. Europäische Mächte verstärkten ihren Einfluss im Nahen Osten und übernahmen de facto die Macht in Ägypten. Weitere Territorien gingen in den Balkankriegen 1912 und 1913 verloren und die Osmanen wurden bis in die Grenzen der heutigen Türkei abgedrängt. Im Ersten Weltkrieg schlossen sie sich dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn an und bezahlten mit hohen Verlusten. Das Land wurde von den Siegermächten besetzt.

1919 begann der Unabhängigkeitskrieg türkischer Nationalisten unter Führung von Mustafa Kemal Pascha gegen die westlichen Besatzer. Dieser endete 1922 mit einem Waffenstillstand und dem Ende des Sultanats. Mustafa Kemal rief am 29. Oktober 1923 die türkische Republik aus. Er selbst ging als Atatürk (Vater der Türken) in die Geschichte ein. Unter ihm wurde der Staat modernisiert und säkularisiert. Die türkische Sprache wurde fortan in lateinischer statt arabischer Schrift geschrieben.

Die Türkei heute

Nach dem Zweiten Weltkrieg orientierte sich die Türkei aus Angst vor sowjetischem Einfluss weiter nach Westen und trat der NATO bei. Schon 1963 wurde das erste Assoziierungseinkommen mit der EWG (der späteren EU) abgeschlossen. Tausende türkische Gastarbeiter wanderten nach Westeuropa aus.

Als sich 1974 ein Anschluss Zyperns an Griechenland anbahnte, schickte der türkische Ministerpräsident Bülent Ecevit Truppen zum Schutz der türkischen Minderheit auf die Insel. Dies führte zur bis heute andauernden Zweiteilung. Die 1983 proklamierte Türkische Republik Nordzypern wurde international nie anerkannt.

In den 80er-Jahren brach erstmals der Kurdenkonflikt öffentlich aus. Die PKK (Arbeiterpartei Kurdistans) kämpft seither vergeblich für einen unabhängigen kurdischen Staat im Osten der Türkei. Mit der Machtübernahme von Recep Tayyip Erdoğan 2003 begann eine Rückentwicklung der türkischen Politik mit Einschränkung der Pressefreiheit und einer schleichenden Islamisierung, die vor allem zu einer Schlechterstellung der weiblichen Bevölkerung und zu Konflikten mit dem Westen führt.

Die Türkei und ihre Politik

In den letzten Jahren wurden mehrere Verfassungsänderungen durchgeführt, die Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan von der AKP mehr Macht im Staat zusicherte. Die Große Nationalversammlung ist das Parlament der Türkei. Die 600 Parlamentarier werden direkt vom Volk gewählt.

Die Sitzverteilung im Sommer 2020:

Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung (AKP)291
Republikanische Volkspartei (CHP)138
Demokratische Partei der Völker (HDP)58
Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP)37
Gute Partei (İYİ)37
Arbeiterpartei der Türkei (TİP)2
Partei der Großen Einheit (BBP)1
Partei für Demokratie und Fortschritt (DEVA)1
Demokratische Partei (DP)1
Demokratische Partei der Regionen (DBP)1
Partei der Glückseligkeit (SP)1
Unabgängige Abgeordnete6

Türkei: Bevölkerung und Sprache

Die Bevölkerung der Türkei ist seit der Gründung der modernen Republik stark gewachsen. 1927 lebten etwas mehr als 13,5 Millionen Menschen im Staat, heute sind es knapp 80 Millionen. Von den Minderheiten, die früher im Osmanischen Reich heimisch waren, sind heute nicht mehr viele übrig geblieben. Offizielle Statistiken zur Bevölkerungsstruktur existieren nicht.

2008 ergab eine Studie für den Nationalen Sicherheitsrat folgende Daten:

RangGruppeEinwohnerzahl
1Türken55 Millionen
2Kurden9,6 Millionen
3Zaza3 Millionen
4Tscherkessen2,5 Millionen
5Bosniaken2 Millionen

Anerkannte Minderheiten sind die Armenier (ca. 60.000), Juden (ca. 16.000) und Griechen (ca. 4.000). Obwohl diese offiziell gleichberechtigt sind, leiden vor allem die christlichen Armenier unter starker Diskriminierung. Einige Minderheiten wie die Kurden werden nicht als solche anerkannt.

Einzige offizielle Sprache des Landes ist Türkisch. Etwa 80 Prozent der Bevölkerung sprechen sie als Muttersprache. Daneben gibt es eine Reihe von Minderheitensprachen, von denen Kurmandschi (Nordkurdisch) mit etwa 14 Mio. Sprechern die mit Abstand wichtigste ist.

99 Prozent der Bevölkerung sind Muslime.

Türkei: Geografie und Städte

Die Geografie der Türkei wird von Bergen und Meeren geprägt. Die westliche Ägäisküste und die südliche Mittelmeerküste gehören zu den beliebtesten touristischen Zielen in Europa. Die nördliche Schwarzmeerküste wird vor allem landwirtschaftlich genutzt. Das Landesinnere wird von Hochebenen und Bergen dominiert. Bekannt ist vor allem Kappadokien mit seinen Wohnhöhlen und Felsenkirchen.

Im Osten der Türkei finden sich die höchsten Berge des Landes wie der 5.137 Meter hohe Ararat. Ein Mythos besagt, dass einst Noahs Arche nach der Sintflut an seiner Flanke strandete.

Die größten Städte der Türkei im Überblick:

RangStadtEinwohnerzahl
1Istanbul13.120.596
2Ankara4.431.719
3Izmir3.354.934
4Bursa1.905.570
5Adana1.591.518

In der Metropolregion Istanbul leben sogar etwa 15,5 Millionen Menschen. Die mit Abstand größte Stadt der Türkei dehnt sich über zwei Kontinente aus (Europa und Asien) und grenzt an zwei Meere (Schwarzes Meer und Mittelmeer). Dies macht sie zu einem bedeutenden Verkehrsknotenpunkt. Dazu ist sie eine der touristisch meistbesuchten Städte Europas mit ca. 14 Millionen Besuchern pro Jahr. Sie gilt als liberales wirtschaftliches und kulturelles Zentrum der Türkei.

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