+
Der Berliner U-Bahnschläger ist möglicherweise nur vermindert schuldfähig. Die Anklage geht von einem Blutalkoholwert von 3,11 Promille aus.

3,11 Promille: Ist der U-Bahn-Brutalo schuldunfähig? 

Berlin - Der 18-jährige U-Bahn-Schläger aus Berlin war bei seinem brutalen Angriff auf einen Fahrgast im U-Bahnhof Friedrichstraße möglicherweise vermindert schuldfähig. Die Anklage geht von einem Blutalkoholwert von 3,11 Promille aus.

Lesen Sie auch:

U-Bahn-Brutalo prahlte mit Tritten vor Mitschülerin

U-Bahn-Brutalo beantragt sechs Wochen Ferien

Die Videoaufzeichnung im Bahnhof zeige eine deutliche Enthemmung des jungen Mannes durch Alkohol, erklärte die Sachverständige Cornelia Mikolaiczyk am Dienstag vor dem Berliner Landgericht. “Es ist nicht völlig ausgeschlossen, dass die Steuerungsfähigkeit wegen des Alkoholkonsums erheblich vermindert gewesen sein könnte“, so die Fachärztin. Die Plädoyers sind Gerichtsangaben zufolge für Donnerstag geplant, das Urteil soll am 19. September folgen.

Die in der Anklage angenommenen Blutalkoholwerte von 3,11 Promille “sprechen für eine deutliche Intoxikation“, stellte die Expertin fest. Eine Blutprobe liegt nicht vor, weil der Schüler sich erst einen Tag später stellte. Die Enthemmung sieht die Gutachterin im Verhalten des 18-Jährigen bestätigt. Er war vor dem Angriff ins Gleisbett gesprungen und hatte mit Schottersteinen um sich geworfen. Die Expertin geht davon aus, dass der Schüler Gefahren nicht mehr richtig einschätzen konnte.

Der 18-jährige Gymnasiast hatte den brutalen Angriff vom Ostersamstag auf sein zufällig gewähltes Opfer gestanden. Der Schüler hatte einen damals 29-jährigen Handwerker im U-Bahnhof Friedrichstraße mit einer Flasche niedergeschlagen. Dann misshandelte er sein reglos am Boden liegendes Opfer mit vier Fußtritten gegen den Kopf. Ihm wird versuchter Totschlag vorgeworfen.

Das inzwischen 30-jährige Opfer erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma, einen Nasenbeinbruch und Prellungen. Der Mann hat bis heute psychisch mit den Folgen des Überfalls zu kämpfen. Der Angeklagte litt nach Angaben der Expertin nach der Tat an depressiven Störungen. Bei den Untersuchungen habe der Schüler “verzweifelt und hoffnungslos“ gewirkt. Es bestehe die latente Gefahr einer Selbsttötung.

Depressive Störungen hatte der Angeklagte laut Mikolaiczyk auch schon vor der Tat. Als Grund nannte die Expertin unter anderem die schwierige Situation im Zusammenleben mit seinen seit Jahren schwer erkrankten Eltern. Als Junge sei der schmächtige Angeklagte Prügelknabe für die anderen Kinder gewesen. Als Teenager fügte er sich selbst Schnittverletzungen zu.

Der Prozess wird am Donnerstag mit den Plädoyers fortgesetzt.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Lotto am Samstag vom 20.01.2018: Das sind die aktuellen Lottozahlen von heute
Ob Sie gewonnen haben, erfahren Sie hier bei uns: Hier gibt es die aktuellen Lottozahlen vom Samstag, 20.01.2018. Drei Millionen Euro liegen im Jackpot, der am …
Lotto am Samstag vom 20.01.2018: Das sind die aktuellen Lottozahlen von heute
Mindestens zwei Tote und viele Verletzte bei Hotelbrand in Prag
In der tschechischen Hauptstadt Prag hat es einen folgenschweren Hotelbrand gegeben, es gibt zwei Todesfälle zu beklagen.
Mindestens zwei Tote und viele Verletzte bei Hotelbrand in Prag
Massaker von Las Vegas: Polizei legt neue Details offen
Nach dem folgenreichsten Verbrechen der jüngeren US-Geschichte legt die Polizei ihren vorläufigen Abschlussbericht vor. Mit vielen Details - und doch bleibt die …
Massaker von Las Vegas: Polizei legt neue Details offen
Verfolgungsjagd: So dämlich verspielt Häftling in offenem Vollzug seine Freiheit
In Berlin hat ein Häftling im offenen Vollzug auf denkbar dämliche Art und Weise seine Freiheit verspielt. Jetzt kommt er komplett hinter Schloss und Riegel.
Verfolgungsjagd: So dämlich verspielt Häftling in offenem Vollzug seine Freiheit

Kommentare