+
Der Fall sorgte weit über die Grenzen Berlins hinaus für Entsetzen

U-Bahn-Schläger: Verteidigung plädiert auf Bewährungsstrafe

Berlin - Im Prozess um die U-Bahn-Attacke in Berlin hat die Staatsanwaltschaft eine vierjährige Jugendstrafe für Torben P. gefordert. Die Verteidigung hofft auf eine Bewährungsstrafe.

Lesen Sie auch:

U-Bahn-Brutalo beantragt sechs Wochen Ferien

U-Bahn-Brutalo prahlte vor Mitschülern

Prozessbeginn nach grausamer Attacke

Staatsanwältin Katrin Faust beantragte am Donnerstag in ihrem Plädoyer vor dem Berliner Landgericht eine Verurteilung wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung. Das Urteil wird am 19. September erwartet.

Faust sagte, die Tat sei “blanke Aggression, rücksichtslos und äußerst brutal“ gewesen. Es habe konkrete Lebensgefahr für das heute 30-jährige Opfer bestanden. Der 18-jährige Gymnasiast hatte in der Nacht zu Ostersamstag im U-Bahnhof Friedrichstraße sein zufällig gewähltes Opfer mit einer Flasche niedergeschlagen. Dann misshandelte er den reglos am Boden liegenden Handwerker mit vier Fußtritten gegen den Kopf. Der inzwischen 30-Jährige erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma, einen Nasenbeinbruch und Prellungen.

Die Staatsanwaltschaft wertete es als besonders niederträchtig, dass der Gymnasiast sich einen hochgradig alkoholisierten und friedlichen Mann als Opfer aussuchte. Der Angeklagte war ebenfalls schwer betrunken. Die von ihm geltend gemachten Erinnerungslücken erkannten die Strafverfolger aber nicht an. Das Geständnis des Täters sei gezeichnet von Beschönigungen, sagte Anklägerin Faust. Er habe keine Verantwortung übernommen.

Der Schüler hat sich ihrer Darstellung zufolge gezielt den Kopf des Opfers als empfindlichsten Körperteil ausgesucht. Mit brachialer Gewalt habe er zugetreten und sich selbst gefeiert, indem er um sein Opfer herumtanzte. Der Mann leidet bis heute psychisch an den Folgen des Überfalls.

Das Motiv blieb für die Strafermittler im Unklaren. “Es gibt keine nachvollziehbare Antwort für die massive Gewalt gegen eine unbeteiligte Person“, so die Staatsanwältin. Unbesehen sei dem Angeklagten zu glauben, dass auch er keine Erklärung habe: “Die Persönlichkeit ist schwer mit der Tat in Verbindung zu bringen.“

Der gleichaltrige Mitangeklagte soll laut Plädoyer wegen gefährlicher Körperverletzung und unterlassener Hilfe bestraft weren. Die Staatsanwaltschaft beantragte drei Wochen Dauerarrest, 100 Stunden Freizeitarbeit und einen Erste-Hilfe-Kurs. Der Kompagnon hatte der Tat zunächst zugeschaut und später selbst einen Mann geschlagen, der helfend eingreifen wollte. Statt sich um das reglose Opfer zu kümmern, waren beide Angeklagte weggelaufen.

Verteidigung plädiert auf Bewährungsstrafe

Die Verteidigung des 18-jährigen Berliner U-Bahnschlägers hat auf höchstens zwei Jahre Jugendstrafe mit Bewährung wegen gefährlicher Körperverletzung plädiert. Der Schüler habe nicht mit Tötungsvorsatz gehandelt, betonte Anwalt Alexander Sättele am Donnerstag in seinem Plädoyer vor dem Berliner Landgericht. Aufgrund hochgradiger Alkoholisierung sei nicht auszuschließen, dass seine Wahrnehmung verzerrt war und der Angeklagte das Gefühl hatte, sich verteidigen zu müssen.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Los Angeles: 17-Jähriger Schüler droht Schießerei an Schule an
In Los Angeles ist durch die Festnahme eines 17-Jährigen möglicherweise eine Schießerei verhindert worden. Er soll damit gedroht haben, an seiner Schule das Feuer zu …
Los Angeles: 17-Jähriger Schüler droht Schießerei an Schule an
Bus in Brand geraten
Oberreute (dpa) - Bei einer Ausflugsfahrt von Schulkindern ist der Reisebus auf der Bundesstraße 308 bei Oberreute (Landkreis Lindau) in Brand geraten. Das Feuer sei vom …
Bus in Brand geraten
Schulbus auf dem Weg zum Schwimmen verunglückt
Auf dem Weg zum Schwimmunterricht verunglückt ein Schulbus mit 40 Kindern. Das Fahrzeug stößt mit mehreren Autos zusammen und kracht gegen eine Hauswand. Ein Kleinkind …
Schulbus auf dem Weg zum Schwimmen verunglückt
Lotto am 21.02.2018: Das sind die aktuellen Gewinnzahlen vom Mittwoch
Lotto am Mittwoch vom 21.02.2018: Hier finden Sie heute die aktuellen Lottozahlen vom Mittwoch. Fünf Millionen Euro liegen im Jackpot.
Lotto am 21.02.2018: Das sind die aktuellen Gewinnzahlen vom Mittwoch

Kommentare