1. Startseite
  2. Welt

Über 55 000 Tote nach Flutwelle

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null

- Colombo/Neu Delhi/Jakarta/Berlin - Mehr als 55 000 Tote, zehntausende Vermisste und Millionen Menschen von Seuchen bedroht: Die Flutkatastrophe in Asien ist eine Tragödie unvorstellbaren Ausmaßes. Auch für deutsche Urlauber sind die Folgen dramatischer als zunächst angenommen. Möglicherweise kamen mehr als 100 Touristen ums Leben. "Wir müssen Schlimmes befürchten", sagte Außenminister Joschka Fischer in Berlin.

Er sprach am Dienstag von einer "JahrhundertKatastrophe". Für Helfer aus aller Welt begann ein Wettlauf gegen die Zeit, um Überlebende mit Trinkwasser und Medikamenten zu versorgen.

In einem vorwiegend von Deutschen bewohnten Hotel in Thailand wurden mehr als 200 Tote befürchtet. Das Hotel "Magic Lagoon Khao Lak" rund 50 Kilometer nördlich von Phuket ist nach Radioberichten "völlig zerstört". Laut ZDF wurden aus dem Untergeschoss bereits 50 Leichen geborgen. Nach Angaben der Accor-Hotelkette besteht für gut 200 Gäste "leider sehr wenig Hoffnung". 135 Touristen seien in Sicherheit gebracht worden. Die TUI berichtete von 80 vermissten Deutschen ebenfalls in Khao Lak. Der Reiseveranstalter Thomas Cook hat keinen Kontakt zu etwa 300 Gästen in der Region Phuket, aber keine Gäste in dem Hotel in Khao Lak untergebracht.

Man gehe von einer "dreistelligen Zahl" von vermissten Deutschen aus, sagte Fischer. Bundeskanzler Gerhard Schröder brach seinen Urlaub ab. Noch am Dienstagabend sollte eine Maschine der Luftwaffe nach Phuket starten, um dort für Verletzte bereit zu stehen. Weitere Maschinen sollten von Düsseldorf und München ebenfalls nach Phuket eingesetzt werden, um Ärzte, Kriseninterventionsteams und Hilfsgüter mitzunehmen. Das Bundesinnenministerium entsandte Beamte der Bundeskriminalamtes und Gerichtsmediziner nach Thailand, die bei der Identifizierung der Opfer helfen sollen.

Nach offiziellen Angaben vom Dienstag starben allein in Sri Lanka mehr als 18 500 Menschen. Dort war ein Zug mit mehr als 1000 Passagieren entgleist, weil die Schienen weggerissen waren. Die meisten Leichen seien noch nicht identifiziert, teilten die Behörden mit. Sie lägen in Leichenhallen, in Krankenhäusern und im Freien und müssten bald beerdigt werden.

In Indien werden nach Angaben des staatlichen Fernsehens rund 9500 Todesopfer beklagt. Allein auf den Inseln Andaman und Nicobar in der Bucht von Bengalen gab es 3000 Tote. Ebenso viele Menschen werden dort vermisst. Die indonesische Regierung befürchtet bis zu 25 000 Tote. "Genaue Zahlen gibt es noch nicht, aber ich vermute, dass sie zwischen 21 000 und 25 000 liegen", sagte Vizepräsident Jusuf Kalla. Die ufernahen Gegenden um die Provinzhauptstadt Banda Aceh im Norden Sumatras seien völlig verwüstet.

Die thailändische Regierung rechnet nun mit mehr als 2000 Toten. Mehr als 1000 Menschen würden noch vermisst, sagte Premierminister Thaksin Shinawatra nach einem Besuch in der Katastrophenregion. Mindestens 100 Menschen sind auch im ostafrikanischen Staat Somalia nach Regierungsangaben von der Flutwelle getötet worden. 34 Tote wurden aus Birma gemeldet, 65 aus Malaysia.

Nach UN-Angaben sind Millionen von Menschen von Krankheiten bedroht, weil das Trinkwasser ungenießbar sei. Am schlimmsten betroffen sind arme Dörfer an den Küsten Südindiens und Sri Lankas. Mindestens ein Drittel der Toten sind Kinder. Die UN forderte alle Staaten, die zur Hilfe in der Lage sind, zu großzügiger Unterstützung auf. "Die Situation ist weit dramatischer als bisher angenommen. Es muss schnell gehandelt werden", sagte Martin Baumann von der Deutschen Welthungerhilfe in Sri Lanka. "Für die Kinder sind die nächsten Tage entscheidend", sagte Carol Bellamy, die Direktorin des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen UNICEF.

Unter dem Motto "Reis statt Böller" rief die Deutsche Welthungerhilfe zu Spenden auf. Auch Außenminister Fischer bat die Bürger, statt Feuerwerk für Silvester zu kaufen, das Geld zu spenden.

Reiseveranstalter bestätigten bisher vier Tote aus Deutschland. Mindestens 6400 deutsche Urlauber hielten sich in der Region auf. Nach offiziellen Angaben starben bei der Flutkatastrophe auch 22 Franzosen, 16 Briten, 13 Italiener, 4 Österreicher, 4 Polen und 3 Niederländer. Die ersten Überlebenden sind wieder in Deutschland. Auf den Flughäfen wurden sie von Angehörigen und Sanitätern empfangen. In einer Unfallklinik in Frankfurt/Main, die als Kompetenzzentrum für schwere Unfallverletzungen gilt, wurden erste Verletzte behandelt.

Das Ausmaß der Schäden durch die Naturkatastrophe in den betroffenen neun Ländern ist weiter nicht abzusehen. "Wir haben noch keinerlei wirklich verlässliche Zahlen", sagte Gerhard Berz, der Leiter der Geo-Risiko-Forschung bei der Münchner Rückversicherung. Der wirtschaftliche Schaden dürfte aber "deutlich im zweistelligen Milliardenbereich" liegen, erläuterte er im Deutsche-Welle-TV.

EU-Nothilfekommissar Louis Michel schlug eine internationale Geberkonferenz zum Wiederaufbau in der Region vor. "Das Entscheidende ist, keine Lücke zwischen Nothilfe und Wiederaufbauhilfe entstehen zu lassen." Darum sollten sich die EU-Staaten rasch über ihre Beiträge verständigen. Meteorologen warnten unterdessen vor weiteren Nachbeben und neuen Tsunamis..

Auch interessant

Kommentare