Überflutete Straßen, erschöpfte Helfer - Hochwasseralarm in Südbaden

Waldshut-Tiengen/Lörrach - Im Feuerwehrhaus der südbadischen Kleinstadt Waldshut-Tiengen am Hochrhein laufen nach dem Dauerregen die Notruftelefone heiß. Nach der Bildung eines Krisenstabes dirigiert Kreisbrandmeister Thomas Santl seine Leute per Funk zu den Einsätzen. Nach starken Regenfällen standen Teile Südbadens unter Wasser. Auch in der benachbarten Schweiz hielt das Hochwasser die Feuerwehr in Atem. "Unsere Einsatzkräfte haben alle Hände voll zu tun", sagt Santl.

Probleme bereitete vor allem der Rhein. "Der Pegelstand ist am Donnerstagvormittag in einen kritischen Bereich gekommen", sagt Santl. Am Hochrhein stieg der Pegelstand am Mittag auf 10,81 Meter - Das sind fünf Meter mehr als üblich. So ein heftiges Hochwasser gebe es statistisch betrachtet nur etwa alle 50 Jahre, betont der Feuerwehrchef.

Die Rheinschifffahrt bei Basel wurde eingestellt. In Ufernähe wurden zahlreiche Straßen überflutet. Keller liefen voll, Bäume stürzten um. Auch Sportplätze, Kleingärten, Parkanlagen, ein Minigolfplatz sowie Restaurants standen unter Wasser. In Bad Säckingen bestand die Gefahr, dass die örtliche Kläranlage überflutet wird. In Waldshut-Tiengen und Küssaberg im Kreis Waldshut wurden mehrere Wohnhäuser sowie zwei Campingplätze geräumt, nachdem der Rhein und der aus der Schweiz kommende Zufluss Aare über die Ufer getreten waren. Die Urlauber wurden kurzfristig in Notunterkünften einquartiert.

"Die Rettungskräfte haben schnell reagiert", sagt der Oberbürgermeister von Waldshut-Tiengen, Martin Albers (CDU), als er sich vor Ort ein Bild von der Lage macht. Im Kampf gegen das Hochwasser füllten die Helfer der Feuerwehr und des Technischen Hilfswerks (THW) Sandsäcke und bauten Dämme. Zudem wurden mehrere Brücken gesperrt, unter anderem die historische Rheinbrücke bei Rheinfelden sowie eine Holzbrücke bei Bad Säckingen. Treibholz, das auf dem Wasser schwamm, bildete eine zusätzliche Gefahr.

"Die Dauer des Einsatzes macht uns zu schaffen", sagt der Lörracher Kreisbrandmeister Bernd Schwöble. Allein im Kreis Lörrach waren seit Mittwochabend rund 250 Helfer im Dauereinsatz. Mehrere hundert Einsätze wurden registriert. "In der Nacht hatten wir gerade einmal zwei Stunden Pause. Dann ging es mit voller Wucht weiter." Wegen der Vielzahl der Einsätze mussten Hochwasseropfer Wartezeiten hinnehmen. "Insgesamt betrachtet sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen", sagt Schwöble. Es habe zwar beträchtliche Sachschäden gegeben, aber bisher keine Verletzten.

In der benachbarten Schweiz sah die Lage kritischer aus. Hier hat das Hochwasser größere Schäden verursacht. Weil die Schweizer Feuerwehr an ihre Grenzen stieß, eilten mehrere Wehren aus Südbaden zur Hilfe. "Wir wurden von unseren Schweizer Kollegen um Unterstützung gebeten", sagt der Kommandant der Feuerwehr im badischen Rheinfelden, Gerhard Salg. Weil auf der Schweizer Rheinseite Helfer und Pumpen ausgingen, halfen Feuerwehren und das THW aus Deutschland aus.

In den kommenden Tagen erwarten die Experten sinkende Pegelstände. "Klar ist aber, dass wir mit Hochwasser immer rechnen müssen", sagt der Waldshuter Kreisbrandmeister.

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