+
Zwei Störche streiten sich auf einer Mülldeponie im brandenburgischen Schwanebeck um den besten Futterplatz Schwanebeck. Foto: Patrick Pleul/Archiv/Symbolbild

Überwintern auf der Müllkippe: Störche machen im Abfall Halt

Viele Störche fliegen im Winter nicht mehr in den tiefen Süden. Stattdessen futtern sie sich auf spanischen Müllkippen durch. Forscher warnen: Das könnte Folgen für das Ökosystem haben.

Radolfzell (dpa) - Statt im Winter in den warmen Süden zu fliegen, bleiben immer mehr Störche auf dem Weg auf Abfallbergen in Spanien oder Marokko hängen.

Mit den Zwischenstopps auf Müllkippen sparten sich die Tieren viel Energie, berichten Forscher vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell und Kollegen im Fachblatt "Science Advances". Sie beobachteten für ihre Studie das Flugverhalten von 70 jungen Weißstörchen aus unterschiedlichen Ländern. "Damit wir eine Idee haben, wie viel Energie die Tiere brauchen", sagte Verhaltensforscherin Andrea Flack. Ergebnis: Die Vögel auf den Müllhalden verausgaben sich weniger als weitreisende Artgenossen, leben aber nicht unbedingt länger.

Die Forscher legten den Weißstörchen aus acht Populationen GPS-Sender mit Beschleunigungsmessern an. Sie beobachteten die gefiederten Tiere auf den ersten fünf Monaten ihrer Reise. Zugvögel etwa aus Russland oder Polen verbrauchen auf der Tausende Kilometer langen Ostroute in den Süden Afrikas viel Energie. Ihre trägen Artgenossen etwa aus Süddeutschland, die im Herbst eigentlich über die sogenannte Westroute in den tiefen Süden ziehen, sparen sich hingegen immer häufiger den Weg und bleiben auf Mülldeponien entlang der Route hängen. Die Tiere finden dort reichlich Futter wie Fleisch- und Fischreste. "Auf den Müllhalden müssen sie nicht nach Nahrung suchen, in den natürlichen Habitaten in Afrika ist die Nahrungssuche aufwendiger", sagte Flack.

Der Verhalten der Wandervögel könnte sich aber auf Ökosysteme auswirken. "Wir wissen nicht, was das für Langzeitfolgen hat", meint Flack. Die Wandertiere können etwa nützlich sein bei der Bekämpfung von Heuschreckenplagen. Und trotz aller Energie lebten die Störche, die Müllkippen nutzen, nicht zwangsläufig länger: Verletzungen und Krankheiten drohten auf den Deponien, sagte Flack: "Die Gefahr ist groß, dass man was Falsches frisst."

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mann wird von Bus überfahren, steht auf und geht in Kneipe
Nur wenige Momente, nachdem er von einem Bus erfasst wurde, der noch die Front eines Ladens zertrümmerte, steht ein Mann einfach auf und geht scheinbar mühelos in eine …
Mann wird von Bus überfahren, steht auf und geht in Kneipe
Polizeipräsident bedauert Verhalten der Berliner Polizisten
Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt hat das unangemessene Verhalten Berliner Polizisten in Hamburg bedauert, die Beamten aber auch gegen die harte Kritik verteidigt.
Polizeipräsident bedauert Verhalten der Berliner Polizisten
U-Bahn entgleist in New Yorker Tunnel
New York (dpa) - Eine U-Bahn ist in einem Tunnel im New Yorker Bezirk Harlem entgleist und hat dabei Dutzende Menschen leicht verletzt. 34 Menschen würden wegen leichter …
U-Bahn entgleist in New Yorker Tunnel
Neue Cyber-Attacke legt Dutzende Firmen lahm
Über einen Monat nach der aufsehenerregenden "WannaCry"-Attacke hat ein Erpressungstrojaner erneut in großem Stil zugeschlagen. Diesmal traf es viele Firmen in der …
Neue Cyber-Attacke legt Dutzende Firmen lahm

Kommentare