1. Startseite
  2. Welt

Tausende Delfine verendet – Ukrainischer Forscher beschuldigt Moskau

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Kathrin Reikowski

Kommentare

Tote Delfine am Strand
Odessa: Verendete Delfine - durch den russischen Angriff auf die Ukraine? © Screenshot Facebook (Meta) - Iwan Rusew

Durch den Ukraine-Krieg könnten bis zu 3000 Delfine gestorben sein. Sie sollen zum Beispiel feindliche Taucher aufspüren. 

Odessa - Iwan Rusew, Forschungsleiter im Lagunen-Nationalpark Tuzlivski lymany bei Odessa, wählt drastische Worte: „Die Ukraine brennt. Und die Tierwelt des schwarzen Meeres erlebt jetzt die Brutalität des Krieges.“ Die russischen, faschistischen Invasoren könnten weder Mensch, noch Kultur oder Natur schätzen, schreibt er auf Facebook. Die Folgen würden immer stärker sichtbar.

„Normalerweise dokumentieren wir 1500 tote Delfine pro Jahr. Die Tiere verenden meistens in Fischernetzen, werden dann von Fischern freigeschnitten und an Land gespült. Ihre Körper zeigen dann häufig Stichverletzungen auf“, so Rusew laut dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR). Seit Kriegsbeginn gäbe es aber drastisch mehr tote Tiere - und sie zeigten andere Todesursachen.

„Die Körper der meisten toten Delfine tragen jetzt entweder Brandwunden, die auf Explosionen von Bomben oder Minen zurückzuführen sind, oder sie weisen gar keine äußerlichen Verletzungen auf“, meint Rusew. Dass Tiere auch ohne Verletzungen tot aufgefunden werden, führt er auf Verwirrung und Verhungern der Tiere durch akustische Signale der Kriegsschiffe unter Wasser, oder die lauten Geräusche der Explosionen zurück. Sie würden das empfindliche Ortungssystem der Tiere stören.

Berichte: Russland setzt im Ukraine-Krieg Delfine ein

Zu Beginn des Ukraine-Kriegs schrieben Medien aus den USA laut der Nachrichtenagentur dpa bereits ebenfalls besorgt über Tierschutz im Ukraine-Krieg: Russlands Marine würde trainierte Delfine im Krieg einsetzen. An der Einfahrt zum Hafen von Sewastopol seien dazu zwei Unterwassergehege platziert worden. Satelliten-Aufnahmen legten nahe, dass die Gehege im Februar dorthin verlegt worden seien, etwa zu der Zeit, als Russlands Angriff auf die Ukraine begann.

Wladimir Putin beim Besuch eines Aquariums in Moskau. (Archivbild) Russland soll im Ukraine-Krieg auch trainierte Kampf-Delfine einsetzen.
Wladimir Putin beim Besuch eines Aquariums in Moskau. (Archivbild) © Alexei Nikolsky/AFP

Denkbar sei, dass die Delfine durch Russland zur Abwehr feindlicher Taucher eingesetzt werden sollen, die versuchen könnten, in den Hafen einzudringen und Kriegsschiffe zu sabotieren. Viele davon seien derzeit außer Reichweite ukrainischer Raketen. Derartige Programme stammten demnach bereits aus der Zeit des Kalten Krieges. Dazu stellt Ivan Rusew aber keine Bezüge in seinen Forschungen her.

Forscher hofft auf Sieg der Ukraine - Wissenschaftler dokumentieren Naturschäden

Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben des ukrainischen Forschers über die 3000 toten Tiere derzeit nicht. Er selbst schreibt auch: „Es sei aber darauf hingewiesen, dass wir aufgrund des Militärverbots keinen Zugang zu den Überquerungsbereichen der Delfine haben und nicht sehen können, wie viele tote Tiere es gibt.“

Der Zugang zum Meer ist blockiert, die Ressourcen, Naturzerstörungen durch den eskalierten Ukraine-Konflikt genau zu dokumentieren, fehlen. Darüber berichtet auch der MDR - doch das ukrainische Umweltministerium habe inzwischen eine Initiative gestartet. Eine Gruppe von Wissenschaftlern arbeite demnach in dessen Auftrag an der Dokumentation von Naturschäden durch den Krieg. Dem MDR zufolge liegt die Hälfte der ukrainischen Nationalparks in Gebieten, die inzwischen durch Russland besetzt seien.

Ukraine-News: „Die Energie der Delfine hilft den Ukrainern im Kampf“

Und auch Iwan Rusew dokumentiert weiter, und bekommt inzwischen sogar Informationen über verendete Tiere aus Bulgarien und Rumänien zugeschickt. Seine Besorgnis ist groß - helfen kann alleine ein ukrainischer Sieg, meint der Forscher, der Spenden für das ukrainische Militär über seine Facebook-Seite sammelt.

Den Ukrainern und Ukrainerinnen würden die Tiere zugleich Hoffnung schenken: Immer noch könne er lebende Delfine, Vögel, Insekten, vom Nationalpark aus beobachten. „Ihre mächtige und positive Energie hilft den Ukrainern im Kampf gegen die Eindringlinge“, meint Rusew. Alle militärischen Entwicklungen zum Ukraine-Krieg lesen Sie in unserem News-Ticker. (dpa/kat)

Auch interessant

Kommentare