Ein festlich beleuchteter Weihnachtsbaum mit strahlenden Lichterketten steht hinter der St.-Sofia-Kathedral
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Die St.-Sofia-Kathedral in Kiew

Zweitgrößtes Land Europas

Ukraine: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

Die Ukraine gilt als Heimat der Kleinrussen. Diese bilden gemeinsam mit den heute in Russland lebenden Großrussen und den Weißrussen die russische Volksgemeinschaft.

  • Die Ukraine liegt zwischen Polen und Russland.
  • Die geografische Lage hat sich stark auf die Geschichte des Staates ausgewirkt.
  • Das Land war über viele Jahrzehnte eine sozialistische Sowjetrepublik.

Kiew – Am 22. Januar 1919 erfolgte die Vereinigung der kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs entstandenen Ukrainischen Volksrepublik mit der Westukrainischen Volksrepublik zur Ukraine. Allerdings war das Territorium der Westukraine stark umkämpft und fiel nach kriegerischen Auseinandersetzungen im weiteren Verlauf des Jahres 1919 an die Tschechoslowakei, Polen und Rumänien.

Ukraine: Die Anfänge der Geschichte bis zum Ende des Mittelalters

In der Region der heutigen Ukraine siedelten sich in der Frühzeit mehrere indogermanische Stämme an. Im 7. und 6. Jahrhundert v. Chr. entstanden einige griechische Kolonien im Bereich der ukrainischen Schwarzmeerküste, sie schlossen sich ein Jahrhundert später zum Bosporanischen Reich zusammen. In den folgenden Jahrhunderten kam es zur Besiedelung des Landes durch die folgenden Volksgruppen:

  • Goten
  • Hunnen
  • Bulgaren
  • Awaren
  • Magyaren

Im Nordwesten des Landes ließen sich Slawen nieder. Wie Groß- und Weißrussland hat auch die Ukraine als Kleinrussland ihren Ursprung im historisch ersten russischen Staat, der Kiewer Rus. Wikinger siedelten ab dem 8. Jahrhundert verstärkt in dieser Region und wirkten an dieser Staatsgründung mit. Die Kiewer Rus, die auch als Altrussisches Reich bezeichnet wird, erlebte im 10. und 11. Jahrhundert eine wirtschaftliche Blüte, um die Jahrtausendwende begann ihre Christianisierung. Durch eine zunehmende Zersplitterung seit dem 12. Jahrhundert erfolgte eine folgenschwere Schwächung des Staates. Sie ermöglichte den Einfall der Mongolen zwischen 1237 und 1240. Als Folge wurde das Altrussische Reich tributpflichtig und erlebte einen ökonomischen Niedergang. Im 16. Jahrhundert gerieten darüber hinaus Teile der Ukraine unter polnische Herrschaft. Die Halbinsel Krim wurde in dieser Zeit von Tataren beherrscht.

Ukraine: Vom Beginn der Neuzeit bis zum Ende des 18. Jahrhunderts

Die Bevölkerung der Ukraine litt unter der polnischen Fremdherrschaft, die sie mehrfach zu Aufständen gegen die Besatzungsmacht motivierte. Diese wurden regelmäßig blutig niedergeschlagen. Erst im Jahre 1648 gelang die Befreiung des östlichen Landesteils von der polnischen Vorherrschaft: Der Kosakenführer Bohdan Chmelnyzkyj organisierte diesen Aufstand und gründete anschließend das Hetmanat als unabhängigen Staat. Die Kosaken unterstellten ihn dem Schutz und der Herrschaft des russischen Zaren. Diese Vereinbarung bestand bis ins 18. Jahrhundert. Dagegen blieb der westliche Landesteil der Ukraine weiterhin unter polnisch-ukrainischer Herrschaft.

Im Rahmen der polnischen Teilungen im 18. Jahrhundert wurden auch territoriale Neuordnungen im Hinblick auf die Ukraine beschlossen: Die östliche Ukraine wurde in Russland integriert. Die westliche Ukraine mit ihren Regionen Galizien und Bukowina wurden Teil des Habsburger Reichs. Unter Katharina der Großen (1729 bis 1796) erfolgte die Übernahme der bis dahin von den Tataren regierten Krim durch Russland.

Ukraine: Von der Nationalbewegung bis zum Holodomor

Wie in allen europäischen Staaten formierte sich auch in der Ukraine am Anfang des 19. Jahrhunderts ein neues Nationalbewusstsein. Die ukrainische Bevölkerung lehnte die Fremdherrschaft ab und strebte die Gründung eines eigenen Nationalstaates an. Sie wendete sich von dem Konzept des einheitlichen Russlands, das aus Klein-, Groß- und Weißrussen bestand und vom russischen Zaren vertreten wurde, ab. Zu den maßgeblichen Vertretern der Idee eines eigenen Nationalstaates gehörten:

  • Taras Schewtschenko
  • Mykola Kostomarow
  • Mychajlo Hruschewskyj

Die nationale ukrainische Bewegung konnte ihr Ziel der Staatsgründung jedoch nicht erreichen, da sie von den Behörden systematisch unterdrückt wurde.

Erst in den Wirren am Ende des Ersten Weltkrieges entstanden vorübergehend zwei ukrainische Staaten, die Ukrainische Volksrepublik und die Westukrainische Volksrepublik, die 1919 vereinigt wurden. Kurze Zeit später gingen die beiden Staaten wieder unter. Die Sowjetunion unter der Führung von Josef Stalin (1878 bis 1953) unterwarf die Ukraine. Dabei stand vor allem die Nutzung des Landes als Kornkammer im Mittelpunkt. Dies führte zum Abtransport der Getreideernte in die Sowjetunion und einer kommunistischen Reform der Landwirtschaft. Das Ergebnis war in den Jahren 1932 und 1933 der sogenannte Holodomor, eine der größten Hungerkatastrophen der Neuzeit. Die genaue Zahl der Hungertoten ließ sich nicht ermitteln, sie wird auf bis zu 14 Millionen geschätzt.

Ukraine: Vom Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart

Vom Jahr 1941 bis zum Jahreswechsel 1943/44 wurde die Ukraine von Hitler-Deutschland besetzt. Diese Epoche der Geschichte war von Massendeportationen von Juden geprägt. Außerdem wurden Hunderttausende Ukrainer als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt. Nachdem die Rote Armee den Zweiten Weltkrieg gewonnen hatte, wurden im Rahmen der Neuordnung Polens umfangreiche Zwangsumsiedlungen vorgenommen: Polnischstämmige Bürger wurden aus dem westlichen Teil der Ukraine nach Polen umgesiedelt, ukrainischstämmige Bürger mussten aus dem östlichen Polen in die Ukraine umziehen. Die Ukraine wurde zur Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik. 1986 kam es zum bis heute nachwirkenden Atomunfall von Tschernobyl.

Nach dem Untergang der Sowjetunion hielten die stimmberechtigten Bewohner der Ukraine im Jahre 1991 ein Referendum ab, in dem sie über ihre Unabhängigkeit entschieden. Über 90 Prozent der Teilnehmer an dieser Abstimmung sprachen sich für die ukrainische Unabhängigkeit aus. Doch anders als die übrigen osteuropäischen Länder, die sich vollständig aus dem Einflussbereich Russlands lösten und sich nach Westen orientierten, vollzog die Ukraine diesen Schritt bis heute nicht (Stand: Dezember 2020). Der Staat ist weder Mitglied der EU noch der NATO. Nach wie vor besteht ein starker Einfluss der russischen Regierung auf die Ukraine. Das zeigte sich unter anderem im auf Druck von Russland erfolgten Abbruch der Beitrittsverhandlung mit der EU im Jahre 2013. Außerdem kam es im Jahr 2014 zu einer völkerrechtswidrig durchgeführten Annexion der Krim, die seitdem Teil des russischen Staatsgebietes darstellt. Seit dieser Zeit ereignen sich kontinuierlich von Russland initiierte Scharmützel im russisch-ukrainischen Grenzgebiet.

Ukraine: Der heutige Staat – Politik und Regierungschefs

Seit der Erlangung der Unabhängigkeit hat die Ukraine ein semi-präsidentielles Regierungssystem. Am 28. Juni 1996 wurde eine neue Verfassung verabschiedet. Dieser entsprechend ist die Ukraine eine demokratische Republik und ein Rechtsstaat. Der Staatspräsident ist das Oberhaupt des Staates, seit 2019 ist dies Wolodymyr Selenskyj. Die Regierung besteht aus dem Ministerpräsidenten und seinen Ministern. Die Parteienlandschaft des Staates befindet sich seit Jahrzehnten in einem starken Umbruch. So stellten in den vergangenen Wahlen unterschiedliche Parteien den Ministerpräsidenten. Seit März 2020 hat dieses Amt der parteilose Denys Schmyhal inne.

Ukraine: Geografie und Städte

Mit einer Ausdehnung von 603.700 Quadratkilometern hat die Ukraine nach Russland das zweitgrößte Staatsgebiet in Europa. Mit rund 95 Prozent bildet der weit überwiegende Teil der Ukraine die osteuropäische Ebene. Diese gliedert sich in das Tiefland und etwas höher gelegene Regionen. Im Zentrum der Ukraine, im Donezbecken, lagern große Mengen an Bodenschätzen, insbesondere Eisenerz und Kohle.

Kiew ist die Hauptstadt des Staates, sie hat knapp drei Millionen Einwohner. Darüber hinaus besitzt das Land unter anderem diese großen Städte:

  • Charkiw (1,4 Millionen Einwohner)
  • Odessa (1 Million Einwohner)
  • Dnipro (991.000 Einwohner)
  • Donezk (908.000 Einwohner)

Ukraine: Bevölkerung und Sprache

Im Jahre 2020 lebten rund 41 Millionen Einwohner in der Ukraine. Vor der Unabhängigkeit von der Sowjetunion war die Bevölkerung um 6 Millionen Menschen größer, dabei ist der Verlust der Krim herausgerechnet. Dieser demografische Trend geht auf eine sehr niedrige Geburtenrate und starke Abwanderung, vor allem nach Kanada und Westeuropa sowie in die USA, zurück.

Im Jahr 2001 wurde eine Volkszählung durchgeführt. Sie hatte zum Ergebnis, dass auf dem Gebiet der Ukraine knapp 78 Prozent Ukrainer und rund 17 Prozent Russen sowie zahlreiche Angehöriger andere Ethnien in geringer Anzahl leben. Heute spricht ein Großteil der Bevölkerung sowohl Russisch als auch Ukrainisch. Offizielle Amtssprache ist Ukrainisch.

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