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Ukrainischer Ex-Innenminister tot

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- Kiew - In der Ukraine ist der frühere Innenminister Juri Krawtschenko, einer der Hauptverdächtigen im Fall des ermordeten Journalisten Georgi Gongadse, am Freitag tot aufgefunden worden. Nach ersten Polizeiangaben soll Krawtschenko in seinem Wochenendhaus bei Kiew Selbstmord begangen haben. Der enge Vertraute von Ex-Präsident Leonid Kutschma hatte am Freitag vor der Generalstaatsanwaltschaft im Fall des im Jahr 2000 ermordeten Gongadse aussagen sollen.

Präsident Viktor Juschtschenko brachte den Tod Krawtschenkos mit dem Fall Gongadse in Verbindung. Jeder habe die Möglichkeit, sich zu stellen, vor Gericht auszusagen und damit seine Ehre zu verteidigen. "Es gibt auch eine zweite Variante: sich selber zu richten", sagte Juschtschenko.

Krawtschenko soll sich am Morgen erschossen haben. Auf der Datscha hielt sich den Polizei-Angaben zufolge außer Krawtschenko nur dessen Ehefrau auf, die den Leichnam des Ex-Ministers fand. Krawtschenko hatte von 1995 bis 2001 das Innenministerium geleitet und stand in den letzten Jahren der Steuerbehörde vor.

Juschtschenko hatte zu Amtsbeginn eine Aufklärung von Verbrechen aus der Amtszeit Kutschmas angekündigt. Zu Wochenbeginn brachte der neue Präsident die frühere Staatsführung mit dem Gongadse-Mord in Verbindung. Über Jahre seien die Mörder vom Staat gedeckt worden, sagte Juschtschenko. Kutschma hat Beschuldigungen dementiert, selbst das Verbrechen in Auftrag gegeben zu haben. Der Ex-Präsident hält sich seit Februar zur Kur in Tschechien auf. Er werde Anfang nächster Woche in die Ukraine zurückkehren, teilten Mitarbeiter Kutschmas mit.
Ein Leibwächter Kutschmas hatte nach dem Gongadse-Mord Abhörtonbänder an die Öffentlichkeit gebracht, auf denen der Präsident vom damaligen Innenminister Krawtschenko angeblich einen "Denkzettel" für den kritischen Gongadse forderte. Krawtschenko wurde seit Jahren verdächtigt, an der Ermordung beteiligt gewesen zu sein.

Gongadse, Chefredakteur der Internetzeitung "Ukrainska Prawda", war am 16. September 2000 von mehreren Personen entführt und später enthauptet aufgefunden worden. Nach der Wiederaufnahme des Verfahrens Anfang dieses Jahres hatte die Justiz nach widersprüchlichen Angaben einen General sowie zwei Oberste des Innenministeriums als mutmaßliche Mörder verhaftet.

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