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Derzeit liegt der Inklusionsanteil an deutschen Schulen bei rund 30 Prozent.

Eltern mit Erfahrung bewerten Schule positiver

Inklusion: Eigenes Erleben verringert Skepsis

Gütersloh - Wie bewerten Eltern das gemeinsame Lernen von Schülern mit und ohne Förderbedarf? Die persönlichen Erfahrungen sind wichtig. Wer das Thema nur aus der Theorie kennt, so eine Studie, ist skeptischer.

Schulen, in denen Behinderte und Nichtbehinderte gemeinsam unterrichtet werden, schneiden aus Sicht der Eltern besser ab als solche, in denen dies nicht der Fall ist. Das geht aus einer am Mittwoch vorgestellten Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor. In Schulen mit sogenannter Inklusion sind demnach 68 Prozent der befragten Eltern mit der individuelle Förderung ihrer Kinder zufrieden. Bei Eltern, deren Kinder auf eine nicht-inklusive Schule gehen, liegt dieser Wert 10 Prozentpunkte niedriger.

Auch Lehrer an inklusiven Schulen bekommen bessere Bewertungen. Sie gelten als kompetent (89 zu 82 Prozent), können gut erklären (86 zu 77), fördern die Stärken der Schüler (72 zu 60 Prozent) und arbeiten an den Schwächen (69 zu 53). Gut ein Drittel der deutschlandweit befragten Eltern gab an, dass ihr Kind auf eine inklusive Schule geht.

Fazit der Studienmacher: Eigenes Erleben verringert Skepsis. „Konkrete Erfahrung überzeugt Eltern von Inklusion. Ein schrittweiser Ausbau von inklusiven Schulen ist deswegen sinnvoll. Voraussetzung dafür ist, mehr Lehrer zum inklusiven Unterrichten fortzubilden“, erläuterte Jörg Dräger vom Vorstand der Stiftung.

Ausdrücklich unterscheidet die Studie zwischen konkreten Erfahrungen mit der Inklusion in Schulen und allgemeinen Einstellungen. Zwar stufen 70 Prozent der Befragten gemischtes Lernen als gesellschaftlich wichtig ein. 60 Prozent allerdings glauben, dass Kinder mit Handicap auf Sonderschulen besser gefördert werden. Gut die Hälfte meint, dass Kinder ohne Förderbedarf auf inklusiven Schulen fachlich gebremst werden.

2009 hatte sich Deutschland mit der Ratifizierung einer UN-Konvention verpflichtet, Schüler mit und ohne Handicap gemeinsam zu unterrichten. Im Schuljahr 2013/2014 haben rund 30 Prozent der knapp 500.000 Förderschüler in Deutschland eine Regelschule besucht. Vor sieben Jahren lag der Inklusionsanteil noch unter 20 Prozent.

dpa

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