Trinkwasser für Flüchtlinge
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Ein Flüchtlingsjunge aus dem Südsudan fängt in einer Empfangsstelle für Flüchtlinge in Imvepi (Uganda) mit einer Flasche Wasser auf.

Ressourcen

UN-Weltwasserbericht: Pandemie verschlimmert Situation

Wasser kommt wie selbstverständlich aus dem Wasserhahn. Nur wenn die Versorgung mal gestört ist, merken die meisten wie elementar Wasser ist.

Paris (dpa) - In die lebenswichtige Ressource Wasser muss aus Expertensicht deutlich mehr investiert werden. Zwar habe die Weltpolitik die Bedeutung von Wasser erkannt, heißt es im aktuellen Weltwasserbericht, den die Unesco im Auftrag der Vereinten Nationen erstellt hat.

Daraus würden aber nicht genug Konsequenzen gezogen. Es werde zu wenig in wasserwirtschaftliche Infrastruktur investiert, Wasser werde verschwendet und verschmutzt. Die Folgen dieser Politik macht dem Bericht zufolge auch die Corona-Pandemie deutlich.

Die Pandemie treffe weltweit die Menschen am härtesten, die in Siedlungen oder Slums lebten, schreiben die Expertinnen und Experten. Menschen, die in diesen dicht besiedelten Gebieten zu Hause seien, seien oftmals mit zu wenigen Gesundheitseinrichtungen, überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln sowie fehlenden kommunalen Dienstleistungen wie Müllentsorgung konfrontiert. Weltweit haben dem Bericht nach mehr als zwei Milliarden Menschen keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser. Mehr als vier Milliarden Menschen hätten keinen sicheren Zugang zu Sanitäranlagen, mehr als drei Milliarden fehle es an geeigneten Handhygieneeinrichtungen.

Handhygiene sei aber äußert wichtig, um die Ausbreitung von Pandemien wie Covid-19 zu verhindern. «Die meisten Haushalte sind auf die tägliche Arbeit angewiesen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, und haben keine Ersparnisse oder finanziellen Puffer (...) um grundlegende Dienstleistungen wie Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene zu bezahlen», heißt es. Kenias Regierung habe zum Beispiel in der Krise alle Wasserdienstleister angewiesen, informelle Siedlungen und gefährdete Gruppen drei Monate lang kostenlos mit Wasser zu versorgen.

Verschmutztes Wasser kann auch Krankheiten verursachen. Jedes Jahr sterben dem Bericht nach schätzungsweise mehr als 800.000 Menschen an Durchfallerkrankungen als Folge von unsicherem Trinkwasser. Mangelnder Zugang zu sauberem Wasser und Sanitäranlagen wirke sich auch auf die Prävention und Behandlung von häufig vernachlässigten Tropenkrankheiten wie dem Trachom, das Blindheit verursachen kann, oder Schistosomiasis aus. Diese Krankheit führt zu Leber- und Nierenversagen.

Wasser ist außerdem zentral bei der Lebensmittelproduktion. Dem Bericht nach verbraucht die Landwirtschaft den größten Anteil der globalen Süßwasserressourcen. Die Umweltorganisation WWF warnt, dass für Anbauregionen von in Deutschland beliebten Obst- und Gemüsesorten eine Wasserknappheit droht. Einer Analyse der Organisation zufolge könnten Kartoffelfelder in Ägypten und Avocadoplantagen in Chile sowie Peru besonders betroffen sein. Bananenplantagen in Lateinamerika hätten hingegen mit Überschwemmungen zu kämpfen. Gehe man von einem pessimistischen Szenario aus, könnten Bananenanbaugebiete in Ecuador und Kolumbien bis 2050 fünf Mal häufiger überflutet werden.

Der UN-Bericht fordert, dass der grundlegende Wert von Wasser erkannt und gemessen werden müsse. Nur so könne er schließlich auch in politische Entscheidungen einbezogen werden. Die wasserwirtschaftliche Infrastruktur diene der Speicherung und dem Transport von Wasser und habe damit großen sozialen und wirtschaftlichen Nutzen, schreiben die Expertinnen und Experten. Die entscheidende Rolle von Wasser in Haushalten, Schulen, im Gesundheitswesen oder am Arbeitsplatz werde zu oft übersehen. «Der Zugang sowohl zu Wasser als auch zu sanitären Einrichtungen ist ein Menschenrecht.»

Anders als bei anderen Ressourcen sei es aber schwierig, den «wahren Wert des Wassers» zu bestimmen. Daher bekomme Wasser in vielen Teilen der Welt nicht genug Aufmerksamkeit - entsprechend fehlten Investitionen. Folgen seien Ungleichheiten und eine nicht nachhaltige Nutzung der Vorräte. Die Autorinnen und Autoren des Berichts sprechen sich dafür aus, den Wert von Wasser mit neuen Methoden zu bemessen. Dafür brauche es ganzheitliche Ansätze der Bewertung, da die reine Beziehung zwischen Preis und Wert des Wassers nicht aussagekräftig sei. «In mancher Hinsicht ist der Wert des Wassers unendlich, da das Leben ohne es nicht existiert und es keinen Ersatz dafür gibt.»

© dpa-infocom, dpa:210322-99-921272/3

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