Ärzte fühlen sich bedroht

Uniklinik will herzkrankes Kind wegschicken

Gießen - Der knapp zweijährige, vom Tode bedrohte türkische Junge Muhammet Eren D. wird an der Uniklinik Gießen und Marburg (UKGM) endgültig kein Spenderherz bekommen. Die Ärzte fühlen sich bedroht.

Das Kind könne wegen eines schweren Hirnschadens, das es vor der Ankunft in Deutschland erlitt, nicht auf die Warteliste zur Herztransplantation gesetzt werden und solle nun womöglich in seine Heimat zurückgeschickt werden, erklärte die Klinik am Donnerstag.

Muhammet leide vermutlich auch noch an einer Stoffwechselstörung, teilte die Klinik mit. Die im Gesetz geforderte Erfolgsaussicht einer Transplantation sei damit langfristig nicht sichergestellt. Das Kind solle nun "in ein anderes Transplantationszentrum oder nach Istanbul zurück" verlegt werden, erklärte der ärztliche Geschäftsführer der UKGM, Werner Seeger.

Allerdings haben Seeger zufolge alle großen Transplantationszentren in Deutschland und jene in Wien und Rotterdam die Aufnahme des kleinen Muhammet abgelehnt. Das entsendende Krankenhaus im türkischen Istanbul sei aber bereit, das Kind wieder zurück zu nehmen und die Behandlung mit dem Kunstherzen fortzusetzen, an das der Junge seit seiner Einlieferung Ende März angeschlossen ist.

Eltern sammelten 400.000 Euro Spenden für Muhammet

Die Familie des heute 21 Monate alten Kindes war im März aus Istanbul nach Gießen gekommen, weil der Junge dort eine Herztransplantation erhalten sollte. 400.000 Euro hatten die Eltern dafür durch Spenden gesammelt und an die private Uniklinik überwiesen.

Bei seiner Ankunft stellten die Ärzte aber fest, dass Muhammet wegen eines noch in der Türkei erfolgten Herzstillstands eine Hirnschädigung erlitten hatte und zeitlebens geistig und körperlich behindert bleiben wird.

Ärzte fühlen sich bedroht

Die öffentliche Aufmerksamkeit für das Schicksal des an einer angeborenen Herzschwäche leidenden Kindes und die Verweigerung, es zu operieren, haben laut Klinik zu "massiven Drohungen gegenüber Ärzten, Pflegekräften und Eltern anderer Kinder geführt". Zudem sei das Vertrauensverhältnis zu den Eltern schwer geschädigt. Mutter und Vater wollten nicht akzeptieren, dass eine Herztransplantation wegen des schweren Hirnschadens des Jungen nach deutschem Recht verboten sei.

Grüne kritisieren Transplantationsrichtlinien

Die Grünen im Bundestag forderten wegen des tragischen Falles eine Überprüfung der Transplantationsrichtlinien. Die Regeln müssten "in Bezug auf diskriminierungsfreien Zugang und Behinderung" geprüft werden, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Maria Klein-Schmeink, der "Süddeutschen Zeitung" vom Donnerstag. Die Linke kündigte an, diesen Vorstoß zu unterstützen. "Hier geht es um die Verteilung von Überlebenschancen", sagte die Sprecherin der Linksfraktion für Patientenrechte, Kathrin Vogler, der Zeitung.

AFP

Rubriklistenbild: © dpa

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