800 000 Euro für unschuldig Inhaftierten

Paris - Ein zu Unrecht wegen Vergewaltigung verurteilter Franzose erhält knapp 800 000 Euro Schadenersatz. Der Mann hatte mehr als sieben Jahre im Gefängnis gesessen.

Erst dann kam die Wahrheit ans Licht und die Justiz annullierte die Verurteilung aus dem Jahr 2003.

Am Dienstag entschied ein Gericht in Rennes, dass dem Franzosen 600 000 Euro Entschädigung für immaterielle Schäden und rund 200 000 Euro Entschädigung für materielle Schäden zustehen. Auch seine Mutter und seine zwei Geschwister erhalten je mehrere zehntausend Euro. In Deutschland sind so hohe Entschädigungszahlungen für immaterielle Schäden unmöglich. Für einen Schaden, der kein Vermögensschaden ist, gibt es pro Tag der Freiheitsentziehung nur 25 Euro.

Der Franzose Loïc Sécher war im Jahr 2000 von einer 14-Jährigen des sexuellen Missbrauchs beschuldigt worden. Der heute 51-Jährige war damals arbeitslos und alkoholabhängig. 2008 gestand die junge Frau dem Vater ihre Lüge. Sie sei damals sehr durcheinander gewesen und habe die Geschichte am Ende selber geglaubt. „Ich kann es nicht mehr ertragen, ihn im Gefängnis zu sehen“, schrieb sie über den angeblichen Täter in ihrem Geständnis.

Sécher hatte 2,4 Millionen Euro Entschädigung gefordert. Die Entschädigung zahlt ihm nicht die Frau sondern der französische Staat, weil dessen Justiz seinerzeit ein Fehlurteil gefällt hatte.

dpa

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