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Eine Todeszelle in einem Gefängnis in Texas. Manuel Velez war unschuldig zum Tode verurteilt worden.

Er war 1600 km vom Tatort entfernt

Unschuldiger kommt nach neun Jahren aus Todeszelle

Austin - Obwohl er zum Zeitpunkt des Mordes 1600 Kilometer vom Tatort entfernt war, wurde Manuel Velez zum Tode verurteilt. Nach neun Jahren im Gefängnis ist er nun endlich wieder auf freiem Fuß.

Manuel Velez hätte "niemals verhaftet werden dürfen", sagte Anwalt Brian Stull am Mittwoch. Sein Mandant, der angeblich den Sohn seiner Lebensgefährtin umgebracht haben soll, sei zum Tatzeitpunkt 1600 Kilometer vom Tatort entfernt gewesen.

"Wir sollten uns für die Fehler schämen, die Manuel an den Rand einer Hinrichtung gebracht haben", sagte Stull, der für die Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union (ACLU) arbeitet. Diese hatte sich des Falles angenommen und neu recherchiert. Dabei kam heraus, dass sich der Verurteilte zum Tatzeitpunkt auf Montage im US-Bundesstaat Tennessee befand, rund 1600 Kilometer vom Tatort in Texas entfernt.

Velez war 2005 festgenommen und 2008 zum Tode verurteilt worden, weil er den einjährigen Sohn seiner Freundin umgebracht haben soll. Als Beweise wertete das Gericht unter anderem ein vom Angeklagten unterzeichnetes Geständnis. Dieses war auf englisch verfasst, Velez sprach damals aber nur spanisch. Nach Einschätzung von Experten hat er zudem einen sehr niedrigen Intelligenzquotienten. Auch ließ der Pflichtverteidiger im Prozess unerwähnt, dass gegen die Freundin zuvor schon mehrmals wegen Kindesmissbrauchs ermittelt worden war.

Velez verließ das Gefängnis Huntsville in Texas am Mittwoch. "Meine Freude für ihn und seine Familie wird schwer getrübt durch die vielen Jahre, die unser Justizsystem ihm gestohlen hat", erklärte Stull. "Und das alles, weil er zu arm war, sich einen besseren Anwalt zu leisten, als den Pflichtverteidiger, den ihm der Staat zuteilte."

Nach Aufzeichnungen des US-Informationszentrums zur Todesstrafe (DPIC) wurden seit 1973 in den USA 146 zum Tode Verurteilte für unschuldig erklärt, davon zehn in Texas. "Eine jüngst veröffentlichte Studie geht davon aus, dass - konservativ geschätzt - einer von 25 zum Tode Verurteilten unschuldig ist", sagte Stull. Die Todesstrafe müsse abgeschafft werden.

Um die Todesstrafe wird in den USA seit Jahren erbittert gestritten. Zusätzliche Schärfe bekam die Diskussion dadurch, dass es in den vergangenen Monaten mehrfach qualvolle Hinrichtungen wegen Problemen mit kaum erprobten Giftcocktails gab.

AFP

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