Unverhoffte Milliarden aus Gaddafis Schatz-Schatulle

Tripolis - Mit ihren Erfolgen in der Wüste schneiden die Milizen des Übergangsrates den letzten Gaddafi-Getreuen den Weg ins Exil ab. In der Nationalbank fanden die neuen Machthaber einen Milliardenschatz.

Die neuen Machthaber in Libyen dürfen sich über einen unverhofften Geldsegen in Milliardenhöhe freuen. In den Tresoren der libyschen Nationalbank lagern in Holzkisten libysche Dinare aus dem Besitz von Ex-Machthaber Muammar al-Gaddafi im Wert von umgerechnet 16,9 Milliarden Euro. Mit dem Geld könnten die Ausgaben in den kommenden sechs Monaten finanziert werden, zitierte die “Financial Times“ am Donnerstag den Finanzbeauftragten des Übergangsrates, Wafik Schater. Das Geld soll nirgendwo verbucht gewesen sein. Der Milliardenschatz sei typisch dafür, wie Gaddafi Einnahmen des ölreichen Landes für seine privaten Zwecke vereinnahmt habe.

Auch beim Kampf gegen die letzten loyalen Gaddafi-Truppen hat der Übergangsrat einen wichtigen Erfolg verbucht. Seine Milizen haben in den vergangenen drei Tagen die südliche Wüstenoase Dschufra eingenommen. Die dort gelegenen Städte Waddan, Hun und Sokna würden nun von den vormaligen Rebellen kontrolliert, sagte ein Sprecher des Übergangsrates am Donnerstag in Tripolis.

Den letzten Gaddafi-Getreuen, die in Sirte und Bani Walid noch heftigen Widerstand leisten, ist damit der Weg durch die libysche Sahara in ein Exil im westafrikanischen Ausland abgeschnitten.

Gaddafis letzter Regierungschef, der altgediente Kader Al-Bagdadi Al-Mahmudi, soll in Tunesien festgenommen worden sein. Wie der Nachrichtensender Al-Arabija am Donnerstag berichtete, setzten ihn die tunesischen Behörden in der Oasenstadt Tozeur fest.

So luxuriös lebte der Gaddafi-Clan

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Am Vortag hatte der Übergangsrat die Einnahme der südlich der Dschufra-Oase gelegenen Sahara-Stadt Sebha bekanntgegeben. Dazu hieß es am Donnerstag, die Stadt seit noch nicht vollständig unter der Kontrolle der Truppen des Übergangsrates. Im Al-Manschia-Viertel hätten sich noch Gaddafi-Anhänger verschanzt.

Aus Kreisen des Übergangsrates verlautete am Donnerstag, man habe beschlossen, die Namen der Minister der neuen Übergangsregierung erst nach der “vollständigen Befreiung“ des Landes bekanntzugeben. Die Regierung sei aber bereits gebildet. Sie werde aus Ministerpräsident Mahmud Dschibril und 22 Ministern bestehen. Der gut informierte Betreiber einer Website mit leicht islamischer Ausrichtung sagte, Dschibril sei bei den Libyern zwar nicht sehr beliebt. Doch die frühere Opposition wolle in dieser kritischen Phase keine Spaltung riskieren.

Die Nato forderte indes alle Soldaten Gaddafis auf, sich zu ergeben. Das nordatlantische Bündnis hatte am Vortag seinen Lufteinsatz in Libyen um weitere drei Monate bis zum Jahresende verlängert. Er sei zuversichtlich, dass die Luftschläge gegen die Gaddafi-Truppen bis dahin auch tatsächlich beendet werden könnten, sagte der Kommandeur des Nato-Militäreinsatzes in Libyen, der kanadische General Charles Bouchard, am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Neapel.

Die Gaddafi-Truppen stellten dort, wo sie noch Widerstand leisten, weiter eine Gefahr für die libysche Zivilbevölkerung dar, führte Bouchard weiter aus. In Sirte würden sie die zivilen Bewohner als “menschliche Schutzschilder“ missbrauchen. Familien würden sie gegen Wasser und Nahrungsmitteln eintauschen, um ihr eigenes Aufgeben hinauszuzögern. Über den Aufenthaltsort Gaddafis habe man keine Erkenntnisse. “Aber wir wissen, dass er noch Nachrichten verschickt und dass er Befehle zum Weitermachen gibt“, sagte Bouchard.

dpa

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