Unwetter-Katastrophe

Experte erklärt: So kam es zu den verheerenden Hochwassern

  • Patrick Freiwah
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Das Unwetter in Westdeutschland ist der jüngste Ausreißer einer Serie von extremen Naturereignissen. Worin liegt das begründet? Ein Experte erklärt die Hochwasserlage.

Deutschland bekommt derzeit drastisch vor Augen geführt, zu welchen Auswirkungen Unwetter in Form von Starkregen fähig ist: Weite Teile von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wurden von Wassermassen überflutet, die im Zuge von Starkregen nicht mehr anderweitig abfließen konnten. Auch in Baden-Württemberg gibt es mittlerweile Probleme mit Hochwasser.

Die Ereignisse im Westen der Republik sind Teil einer bemerkenswerten Entwicklung, die zuletzt schon in weiteren Regionen der Welt große Probleme erzeugte. Dazu gehören die Hitzewellen in Nordamerika und Südeuropa. Selbst vermeintlich kühlere Länder wie Schweden, Russland, Finnland oder auch Norwegen sowie der Polarkreis haben mit enormer Hitze zu kämpfen.

Hochwasser in Deutschland: Über dem Mittelgebirge kommen mehrere Faktoren zusammen

Wissenschaftler sind sich einig, dass zweifellos der menschengemachte Klimawandel die Wetterlage besonders auf der nördlichen Halbkugel zuletzt merklich beeinträchtigt hat. Doch wie lässt sich die globale Wetterentwicklung mit steigenden Temperaturen mit den verheerenden Sturzfluten in NRW und Rheinland-Pfalz verbinden?

Die zuletzt immer stärker in Erscheinung getretenen Hitzeentwicklungen werden durch Hochdruckgebiete erzeugt. Und die haben eine bestimmte Eigenschaft, wie Meteorologe Jan Schenk erklärt: Sie würden dazu neigen, „Tiefdruckgebiete an den Flanken festzuhalten“, so der Experte von The Weather Channel.com. Dieses Phänomen trage die Bezeichnung „Omega-Hochdruckgebiet“ und sei der treibende Faktor für die dramatische Hochwasserlage in Westdeutschland gewesen.

Extremwetter und die Folgen: Heftiger Dauerregen hat Gebiete in NRW und Rheinland-Pfalz verwüstet.

Das liege daran, dass Tief „Bernd“ sich über Westdeutschland breitmachte und dann „sehr warme Luft angezogen“ habe, die eigentlich auf dem Weg nach Norden war. Diese vermischte heiß-kalte Luft habe sich „an den Nordhängen der Mittelgebirge abgeregnet“, schildert der Klimaexperte. Nicht überraschend also, dass besonders das Eifelgebirge nach dem Unwetter verheerende Folgen zu spüren bekommt. Denn das Wasser läuft in zahlreichen Tälern zusammen, deren Böden bereits gesättigt sind - und damit Platz zum Versickern fehlt. Hierbei spielen zwangsläufig Beton und Asphalt durch Wohnraum und Infrastruktur eine wesentliche Rolle.

Unwetter in Deutschland: Steigende Temperaturen können mehr Niederschlag erzeugen

Bleibt noch zu klären, inwiefern diese Komponenten mit der stetigen Erderwärmung zu tun haben: Der Knackpunkt besteht darin, dass die Niederschlagsmenge steigt, je wärmer es ist. Denn bei steigenden Temperaturen kann die Luft exponentiell mehr Wasser speichern. „Dadurch werden auch Starkregen-Ereignisse deutlich intensiver“, führt Wissenschaftler Schenk aus.

Wie schnell diese Entwicklung vonstattengeht, zeigt ein Vergleich, den Schenk erläutert: „Vor 30 Jahren hätte eine vergleichbare Wetterlage noch nicht so ein Hochwasser ausgelöst“, urteilt der Experte. Zwar sei es nicht sicher, dass derartige Ereignisse nun immer eintreten würden, jedoch sei die Wahrscheinlichkeit einfach gewachsen.

Angesprochen darauf, ob die Klimaschutzmaßnahmen nach der Unwetter-Katastrophe in Westdeutschland nun beschleunigt werden müssen, ließ Kanzlerkandidat Armin Laschet wissen, dass es darum gehe, die bereits in Gang gesetzten Maßnahmen weiter in „vollem Tempo voranzubringen“. Ein einziges Ereignis wie jetzt in NRW (und Rheinland-Pfalz) sei nicht dazu prädestiniert, das große Ganze abzuändern. In einem TV-Talk erntete der Unionspolitiker reichlich Gegenwind. (PF)

Rubriklistenbild: © Christoph Hardt/imago-images

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