Unwort des Jahres 2006: «Freiwillige Ausreise»

- Köthen - «Freiwillige Ausreise» ist das «Unwort des Jahres 2006». Dies gab eine Jury aus Sprachwissenschaftlern heute in Köthen bekannt. Der Begriff werde in Zusammenhang mit der Behandlung von abgelehnten Asylbewerbern benutzt.

«Freiwillige Ausreise» beziehe sich darauf, dass viele abgelehnte Asylbewerber vor einer Abschiebung unter Zwang «freiwillig» in ihre Heimat zurückkehren würden. Tatsächlich hätten sie aber keine andere Wahl.

Der sechsköpfigen Jury, die das «Unwort des Jahres» erstmals in der Stadt in Sachsen-Anhalt verkündete, lagen 1130 Vorschläge vor. Gerügt wurden von den Sprachwissenschaftlern die Wörter «Konsumopfer» und «Neiddebatte». Im Vorjahr war «Entlassungsproduktivität» zum «Unwort» gekürt worden.

Seit 1991 werden jährlich sprachliche Missgriffe gesucht, die grob unangemessen sind oder die Menschenwürde verletzen. «Unterschicht» war in diesem Jahr das am häufigsten vorgeschlagene Wort, gefolgt von «(abgehängtem) Prekariat», «Gesundheitsreform» und «Problembär». Die «Unwort»-Jury hatte diesmal drei Stunden lang um eine Entscheidung gerungen; so lange wie noch nie zuvor.

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