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Rekord-Dürre in Italien: Erste Zahlen zu Wein, Pasta und Olivenöl veröffentlicht - Große Verluste erwartet

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Von: Patrick Mayer

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Oft malerisch gelegen: Weinfelder in der italienischen Toskana, hier im Chianti-Anbaugebiet.
Oft malerisch gelegen: Weinfelder in der italienischen Toskana, hier im Chianti-Anbaugebiet. © IMAGO/gkuna

Langsam wird konkret, wieviele Einbußen italienische Landwirte sowie die Lebensmittelindustrie wegen Dürre und Trockenheit erwarten. Von Nudeln, über Olivenöl bis Wein sind beliebte Produkte betroffen.

München/Rom/Florenz - Chianti, das klingt nach Italien-Sehnsucht. Die malerisch schöne Hügellandschaft des gleichnamigen Weinanbaugebiets erstreckt sich in der Toskana zwischen Pisa, Florenz und Siena. Der trockene und rubinfarbene Rotwein, dessen intensiver Geschmack Spuren von Vanille und Veilchen enthält, galt in Deutschland viele Jahre als Synonym für italienischen Wein.

Trockenheit in Italien: Weinbaugebiete zwischen Gardasee, Toskana und Apulien kämpfen mit Wassermangel

Sein Anbaugebiet umfasst etwa ein Drittel der ländlich geprägten Toskana (rund 3,7 Millionen Einwohner). Entsprechend wichtig ist der Weinanbau und -verkauf als Wirtschaftsfaktor. Doch: Wie andere Schwerpunkte der italienischen Lebensmittelindustrie leidet auch das Chianti-Gebiet an Dürre sowie Trockenheit und damit einhergehend an Wassermangel. Die Weinbauer der Gegend an der Westküste Italiens erwarten bei der Ernte 2022 deshalb große Verluste an Weintrauben und damit selbstredend an Wein.

Zur Einordnung: Der Chianti wird während der Toskana-Weinlese in der Regel im September und Oktober geerntet. Wie die „Tagesschau“ der ARD berichtet, könnte die Weinproduktion in Italien nach Angaben des Landwirtschaftsverbandes Coldiretti wegen der Dürre um zehn Prozent zurückgehen. Chianti ist nur eines von vielen Beispielen, zwischen Gardasee, Soave bei Verona, der Weinregion Kampanien bei Neapel oder dem Primitivo-Anbaugebiet im äußersten Süden in Apulien. Und der Wein ist nur ein Beispiel für die drohenden Verluste der volkswirtschaftlich so wichtigen Lebensmittelindustrie für Italien.

Die Trauben sind kleiner und wir gehen davon aus, dass es insgesamt weniger sein werden als im Durchschnitt.

Sergio Zingarelli, Vizepräsident des Konsortiums „Chianti Classico“

Toskana: Sorgen im Weinanbaugebiet Chianti zwischen Florenz, Pisa und Siena

„Die Trauben sind kleiner und wir gehen davon aus, dass es insgesamt weniger sein werden als im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Jetzt müssen wir auf Regen warten, denn ohne Regen werden sie nicht erntereif“, erzählte Sergio Zingarelli, Vizepräsident des Konsortiums „Chianti Classico“, kürzlich der ARD: „Wir gehen davon aus, dass wir zehn Tage früher ernten müssen als in den vergangenen Saisons, weil die Trauben früher reif sind.“

Zingarelli hat selbst ein Weingut in der Nähe des Ortes Castellina etwas nördlich des Touristen-Hotspots Siena. Bei den Sorgen der italienischen Landwirtschaft geht es wegen der Trockenheit längst nicht nur um ihren Wein, den bekanntlich auch deutsche Verbraucher gerne trinken. Diese schätzen nachweislich auch das geschmackvolle Olivenöl aus Italien. Doch auch bei diesem wird eine schlechte Ernte erwartet, laut „Tagesschau“ könnte die Olivenölproduktion in diesem Jahr um 30 Prozent zurückgehen.

Im Video: Dürre in Italien - Gardasee erreicht tiefsten Wasserstand seit 15 Jahren

„Leider hatte das Klima einen entscheidenden Einfluss. Wir hatten einen sehr trockenen Frühling mit praktisch keinen Niederschlägen von März bis heute, und das während der entscheidenden Phase beim Übergang von der Blüte zur Frucht“, erklärte Filippo Legnaioli, ein Olivenbauer aus San Casciano im toskanischen Val di Pesa, laut dem Bericht: „Die Blüte war ausgezeichnet, aber leider hat der Wassermangel die Entwicklung der Oliven gehemmt.“ Damit nicht genug.

Dürre in Italien: Produktion von Pasta-Hartweizen, Mais, Milch und Risotto-Reis bricht ein

Laut ARD ist die Produktion von Hartweizen für die beliebten Pasta-Nudeln um 30 Prozent eingebrochen, die Herstellung von Mais und Futtermittel sogar um 45 Prozent. Die Milchproduktion fiel in diesem Jahr bislang um 20 Prozent geringer aus, was sich auch auf die Käseindustrie auswirkt. Qualitätsstandards sind dadurch in Gefahr, etwa das D.O.P.-Siegel beim Parmesan.

Die (Risotto-) Reis-Bauern des norditalienischen Piemonts rechnen für 2022 indes sogar mit Ernteausfällen von 50 bis 70 Prozent, wie die Wochenzeitung Die Zeit berichtet. Der Landwirtschaftsverband Coldiretti schätzt den bisherigen Schaden auf insgesamt etwa drei Milliarden Euro. Und die Zahlen, die die Einbußen beschreiben sollen, werden immer konkreter. (pm)

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