+
James Holmes wollte durch ein Geständnis die Todesstrafe verhindern.

Ist Holmes zurechnungsfähig?

"Batman-Killer" droht die Todesstrafe

Washington - Die Anklage hat sich entschieden. Sie will, dass der Kinoschütze von Aurora durch die Giftspritze stirbt. Doch ist der 25-jährige James Holmes wirklich schuldfähig?

Dem Kino-Amokläufer James Holmes, der zwölf Menschen erschossen haben soll, droht die Todesstrafe durch die Giftspritze. „Für James Holmes bedeutet Gerechtigkeit den Tod“, sagte Distrikts-Staatsanwalt George Brauchler bei einer Gerichtsanhörung am Montag in Centennial im US-Bundesstaat Colorado. Mit der Ankündigung tritt das spektakuläre Verfahren gut acht Monate nach dem Massaker in einem Kino in Aurora in eine neue Phase. Der 25-jährige Angeklagte habe darauf keinerlei Reaktionen gezeigt, berichtete die „Denver Post“.

Die Verteidigung dürfte auf Unzurechnungsfähigkeit des 25-Jährigen plädieren. Nach der bisherigen Planung soll die Hauptverhandlung am 5. August mit der Auswahl der Geschworenen beginnen.

Die Entscheidung der Anklagebehörde, auf Todesstrafe zu plädieren, war erwartet worden. Brauchler sagte, er habe sich zuvor auch mit Angehörigen der Opfer beraten.

Schuldfähig oder nicht?

Experten rechnen mit einem langen und schwierigen Prozess. Im Zentrum dürfte der Streit stehen, ob der ehemalige Student, der psychische Probleme hatte, tatsächlich schuldfähig ist. Auch die Eltern des Angeklagten waren am Montag im Gerichtssaal dabei.

Der Fall hatte seinerzeit ganz Amerika erschüttert. Holmes war am 20. Juli des vergangenen Jahres schwer bewaffnet in eine mitternächtliche „Batman“-Filmpremiere in Aurora eingedrungen. Er hatte wild um sich geschossen. Zwölf zumeist junge Zuschauer starben, 58 weitere wurden schwer verletzt.

Staatsanwaltschaft lehnt Deal ab

Augenzeugen hatten berichtet, dass der junge Mann nach seiner Tat keinerlei emotionale Regung gezeigt habe. Bei bisherigen Anhörungen - zu denen er teilweise mit rot gefärbten Haaren erschien - wirkte er unbeteiligt und abweisend.

Bereits in der vergangenen Woche hatte die Staatsanwaltschaft einen Vergleich mit Holmes abgelehnt: Dieser wollte sich nach Angaben seiner Anwälte schuldig bekennen - falls die Staatsanwaltschaft im Gegenzug auf die Todesstrafe verzichtet. Dass Holmes der Schütze im Kino war, wird in dem Verfahren von keiner Seite infrage gestellt.

Richter gibt Fall ab

Überraschend gab Distriktsrichter William Sylvester den Fall am Montag ab. Ein Prozess, bei dem es um die Todesstrafe geht, würde ihm zu viel Zeit rauben, so seine Begründung. Er benannte als Richter Carlos Samour.

Möglicherweise wird das Hauptverfahren nämlich gar nicht Anfang August, sondern erst mit erheblicher Verzögerung beginnen. Die Verteidiger haben bereits angedeutet, dass sie auf „nicht schuldig wegen Unzurechnungsfähigkeit“ plädieren wollten. In einem solchen Fall, so die Rechtsvertreter des Angeklagten, sei mehr Zeit zur Prozessvorbereitung nötig.

Die Verteidigung dürfte vor allem darauf verweisen, dass Holmes vor dem Amoklauf in psychiatrischer Behandlung war. Seine Anwälte haben von Anfang an argumentiert, dass er geistig krank sei. Auch seine mangelnden emotionalen Reaktionen deuteten darauf hin.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Brandschutzexperte verteidigt Hochhaus-Räumung in Dortmund
Schon lange gilt ein Wohnkomplex für 800 Menschen in Dortmund als Problemfall - nun wurde er komplett geräumt. Die Eigentümerin hält die Maßnahme für unangemessen. Ein …
Brandschutzexperte verteidigt Hochhaus-Räumung in Dortmund
Gendarmerie des Vatikan vertreibt Obdachlose vom Petersplatz
Die Gendarmerie des Vatikan hat Obdachlose aufgefordert, sich tagsüber vom Petersplatz fern zu halten. In den vergangenen Tagen begann die Gendarmerie daher, die …
Gendarmerie des Vatikan vertreibt Obdachlose vom Petersplatz
Handy-Verbot am Steuer wird verschärft
An der Ampel eine Kurznachricht tippen? Schon zu Hause anrufen beim Parkplatzsuchen? Viele Autofahrer finden nichts dabei. Der Staat will nun mehr Härte zeigen, um …
Handy-Verbot am Steuer wird verschärft
Privatjet verunglückt bei Notlandung in Istanbul - Leichtverletzte
Ein Privatflugzeug ist bei einer Notlandung auf dem Istanbuler Atatürk-Flughafen von der Piste abgekommen und in Brand geraten.
Privatjet verunglückt bei Notlandung in Istanbul - Leichtverletzte

Kommentare