Vorfall auf Video

Leichen geschändet? US-Soldaten vor Gericht

Washington - Zwei amerikanische Soldaten, die in Afghanistan auf die blutigen Leichen von Taliban-Rebellen uriniert haben sollen, müssen sich vor einem Kriegsgericht verantworten.

Washington (dapd). Wegen Leichenschändung müssen sich in den USA zwei Unteroffiziere vor einem Militärgericht verantworten. Die Soldaten sollen im Juli 2011 in Afghanistan auf die Leichen von Taliban-Kämpfern uriniert haben. Zudem werde ihnen vorgeworfen, entgegen der Vorschriften auf Fotos mit afghanischen Todesopfern posiert zu haben, teilten die US-Streitkräfte vom Montag mit.

Die Vorfälle waren im Januar bekannt geworden, als ein Video auf Youtube erschien, das vier US-Soldaten in voller Kampfmontur zeigte, die auf drei Leichen urinierten. US-Verteidigungsminister Leon Panetta hatte die Tat als „absolut verachtenswert“ bezeichnet und seine Sorge geäußert, sie könne die Gespräche mit den Taliban gefährden. Der afghanische Präsident Hamid Karsai nannte den Akt „völlig unmenschlich“.

Drei Marineinfanteristen haben bereits gestanden, an den Leichenschändungen in der Provinz Helmand beteiligt gewesen zu sein, und sind dafür mit Disziplinarstrafen belegt worden. Nach Angaben der Streitkräfte gibt es „weitere schwebende Verfahren, die mit dem Fall zusammenhängen“.

Fehlverhalten der US-Streitkräfte auch in weiteren Fällen

Die US-Streitkräfte stehen bei ihrem Afghanistaneinsatz seit Monaten in der Kritik. Zu den Vergehen gehört das Verbrennen von Koranen, ein mutmaßliches Massaker an 16 afghanischen Dorfbewohnern und weitere geschmacklose Fotos mit einheimischen Todesopfern.

Nach dem Abzug von zusätzlichen US-Streitkräften in diesem Monat sind derzeit noch etwa 100.000 Soldaten der internationalen Schutztruppen in Afghanistan, davon 68.000 Amerikaner. Ziel der Allianz ist es, bis Ende 2014 alle Kampftruppen abzuziehen. Nach eine Serie von Anschlägen mehren sich aber Zweifel, ob Afghanistan dann bereits selbst für seine innere Sicherheit sorgen kann.

dapd

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