Zwei Krankenhausbetten
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Leere Krankenhausbetten wie auf diesem Bild finden sich in den USA aufgrund steigender Zahlen immer weniger. Einem Mann wurde die aktuelle Lage zum Verhängnis (Symbolbild).

Drama in Krankenhaus in USA

Zu viele Corona-Patienten: Mann stirbt, nachdem er von 43 Krankenhäusern abgewiesen wurde

Wie gefährlich steigende Corona-Zahlen auch für die Notversorgung in den Krankenhäusern sein können, zeigt ein aktueller Fall aus den USA. Ein Mann ist gestorben, weil ihn kein Krankenhaus aufnehmen konnte.

Montgomery – Wenn Krankenhäuser Patienten ablehnen müssen, weil sie keine freien Intensivbetten mehr zur Verfügung haben, kann das schwere Folgen für das Gesundheitssystem haben. Während dieser Zustand hierzulande weitestgehend vermieden werden konnte, scheint die Lage in den Krankenhäusern einiger US-Staaten immer brenzliger zu werden.

Im US-Bundesstaat Alabama ist zu Beginn dieses Monats ein Patient verstorben, nachdem ihm keines der 43 umliegenden Krankenhäuser aufnehmen konnte. Bei dem verstorbenen Mann handelte es sich um den 73-jährigen Ray DeMonia. Nach einem Herzinfarkt wurde dieser in die Notaufnahme des Krankenhauses seiner Heimatstadt eingeliefert, die ihn jedoch mangels Behandlungsmöglichkeiten in ein anderes Krankenhaus verlegen wollte. Doch: Keines der 43 kontaktierten Krankenhäuser in drei verschiedenen Bundesstaaten konnten den Patienten aufnehmen. Die Intensivbetten waren größtenteils mit ungeimpften, an Covid-19 erkrankten Patienten belegt.

Drama in den USA: Mann stirbt nach Abweisung mehrerer Krankenhäuser

Ein Krankenhaus in Meridian in Mississippi, um die 300 Kilometer von seinem Heimatort entfernt, konnte DeMonia schließlich aufnehmen, doch der Patient verstarb dort kurze Zeit später an den Folgen seines Herzinfarkts. Die Familie steht unter Schock: „Wir hätten nie gedacht, dass uns das einmal passiert“, berichtete seine Tochter Raven DeMonia in einem Interview mit der Washington Post.

Hätten sich mehr Menschen impfen lassen, würde DeMonia jetzt vielleicht noch leben, ergänzte sie. Nun hat sich seine Familie in seinem Nachruf mit einem dringenden Appell an die Öffentlichkeit gewendet: „Bitte lassen Sie sich impfen, wenn Sie es noch nicht getan haben, um Kapazitäten zu schaffen für Notfälle, die nicht mit Covid-19 zusammenhängen.“ DeMonia würde nicht wollen, dass eine andere Familie eine solche Tragödie erlebt wie seine, lies die Familie verlauten.

Tatsächlich steigen die Zahlen in den USA wieder stark an, während das Land mit seinem Impffortschritt ins Stocken gerät: Die USA liegt mit rund 380 Millionen Impfungen hinter China, Indien und Europa. Bisher sind 53,22 Prozent der US-Amerikaner vollständig geimpft, 62,35 Prozent haben mindestens die erste Impfung erhalten. Doch der Impffortschritt ist nicht schnell genug angesichts der schnell steigenden Zahlen im Land – die Inzidenz liegt staatenübergreifend bei 360,4 (Stand: 14. September 2021).

„Pandemie der Ungeimpften“: Intensivbetten-Notstand in einigen US-Staaten

Auch in den USA spricht man derweil schon länger von einer „Pandemie der Ungeimpften“. Vor allem in Alabama seien die Krankenhäuser teilweise maßlos überlastet. Vor allem der Anstieg an ungeimpften Intensivpatienten sorgt für einen Mangel an Krankenhausbetten. Dies mache es besonders schwer, Patienten für Spezialbehandlungen in andere Krankenhäuser zu verlegen, wie auch Dr. Don Williamson, Präsident der Alabama Hospital Association, gegenüber der AP bestätigte. „Jeden Tag versuchen Krankenhäuser Patienten für die Behandlung zu verlegen, es ist sehr schwer“, ergänzt Williamson. „Es wurden teilweise Patienten schon in andere Bundesstaaten wie Georgia, Kentucky oder Florida verlegt“.

Seinen Angaben zufolge sei die Hälfte der Intensivbetten durch Covid-19-Patienten belegt. Aufgrund des schnellen Anstiegs musste teilweise Raum für zusätzliche Intensivbetten geschaffen werden, wodurch andere Patienten verlegt werden mussten. In Alabama werden – Stand Montag – 2474 Covid-19-Patienten stationär behandelt, von denen 86 Prozent ungeimpft sind. Rund 63 Prozent der stationär behandelten, mit Corona infizierten Patienten liegen dabei auf der Intensivstation.

Auch landesweit zeigt sich der Anstieg der Coronazahlen deutlich: Mehr als drei Viertel der Intensivbetten sind belegt. Aufgrund des enormen Anstiegs der Coronazahlen in den letzten Wochen hat die Europäische Union USA schon vor längerem zu einem Hochrisikogebiet erklärt und Einreisebeschränkungen verhängt. (klb)

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