Überforderter Papa hält schreiendes Baby in seinen Armen
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Mit der Kinderbetreuung ist so manch Vater überfordert - erst recht während der Arbeit im Homeoffice.

Kind und Karriere

Väter im Homeoffice mit Nachwuchs überfordert: „Es ist mir einfach zu viel“

  • Sven Barthel
    vonSven Barthel
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Neben der anstrengenden Arbeit noch den Nachwuchs bespaßen? Für viele berufstätige Männer mit Kind ist das durch die Coronapandemie etablierte Homeoffice inzwischen Alltag - und ziemlich nervtötend. Ein Life-Coach verrät nun, wie Väter dieser Doppelbelastung standhalten und Kind und Karriere geschmeidig durch den Lockdown lenken können.

München - Lange vor Ausbruch der Corona-Pandemie war die Möglichkeit, von Zuhause aus arbeiten zu können, der Traum vieler Angestellter. Zwischen Video-Meetings und abgehakten To-dos schnell mal was für sich tun, Dinge im Haushalt erledigen oder Pakete außerhalb der Stoßzeiten in der Postfiliale abholen zu können, brachte „Heimarbeitern“ ein Plus an Lebensqualität, um die sie viele präsenzpflichtige Arbeitnehmer beneideten.

Zumindest so lange, bis auch die Kitas im Zuge des bundesweiten Lockdown schließen mussteb, und die Kleinen ab diesem Zeitpunkt von ihren Eltern statt den professionell Erziehenden unterhalten werden wollten. Life-Coach Damian Richter hat für den Vater-Blog „Daddylicious“ Tipps zusammengetragen, wie Väter in Homeoffice-Zeiten die richtige Balance zwischen Job, Kind und Partnerschaft finden. Eine Aufgabe, die viele berufstätige Mütter schon seit Jahrzehnten meistern, die für viele Männer seit dem Lockdown eine ganz neue Erfahrung bedeutet.

Wie überfordert manche Väter damit sind, Kinderbetreuung und Karriere unter einen Hut zu bringen, zeigt ein Netzfund aus dem Jahr 2019, als an Homeoffice auf Empfehlung der Bundesregierung noch niemand auch nur im Ansatz gedacht hätte. Die Geschichte des frustierten Vaters ging nun noch einmal viral - und wirkt in der Corona-Pandemie aktueller denn je.

In der Facebook-Gruppe „Dad‘s Life“ wendet sich ein Vater, der sich #dadJAN nennt, ratsuchend an die Community: „Hallo zusammen, ich gehe Vollzeit arbeiten von morgens um 6 bis 16 Uhr. Da unser Sohn bald in den Kindergarten geht und dieser erst mal knapp 300 € kostet, will meine Frau auch arbeiten gehen, wo ich natürlich erst mal nix dagegen habe!“ beginnt ein Vater die Schilderung seines Dilemmas.

Überforderter Papa: Frau soll sich Kita-kompatiblen Job suchen

Der frustrierte Vater schreibt, dass seine Frau einen Job in der Gastronomie ergattert habe und dreimal in der Woche bis 20 Uhr arbeiten müsse. Tage, an denen sie den gemeinsamen Sohn nicht vom Kindergarten abholen könne, da dieser am späten Nachmittag schließt. Für den Vater des Jungen ein Riesenproblem. Er hat zwar um 16 Uhr Feierabend, ist dann aber laut eigener Aussage „ziemlich kaputt“ und befürchtet, „keine Minute Ruhe“ mehr zu haben. Schließlich müsse er seinen Sohn ja „unterhalten, ihm Essen machen und ins Bett bringen“. Wie solle er da noch Zeit für seine Hobbys finden, fragt er sich.

Seine Frau könne das Problem lösen, indem sie sich eine Stelle suche, „wo sie arbeiten kann, wenn der Kleine im Kindergarten ist“, ist der verzweifelte Vater überzeugt. Er bittet die Gruppen-Mitglieder um ihre Meinung und fragt in die Runde: „Stelle ich mich an oder kann mich hier jemand verstehen?“

Das Echo zeigt sich in Form von mehr als 1.000 Antworten. Während die weiblichen Kommentierenden darauf aufmerksam machen, dass Frauen diese Mehrfachbelastung aus Job, Kind, Haushalt und Partner schon seit Jahrzehnten schultern, enthalten die Antworten vieler männlicher Kommentierender Häme und Spott. Nach dem angestaubten Motto: „Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr“, das mehrfach zitiert wird.

Ratsuchender Vater als „Waschlappen“ abgestempelt

Was #dadJAN bei seinem Lamento übersieht: Seine Situation beschreibt ziemlich genau die Lebenssituation der meisten Frauen mit Kindern. Mütter, die sich zwischen Job, Haushalt und Kinderbetreuung aufreiben und nur wenig bis gar keine Zeit für sich haben. Wenn man bedenkt, dass einige Frauen sich zusätzlich noch unentgeltlich um pflegebedürftige Angehörige kümmern, beruflich zugunsten der Familie kürzertreten, weniger verdienen und weitaus häufiger in der Altersarmut landen, wird nachvollziehbar, warum viele Userinnen #dadJAN für einen „Waschlappen“ halten.

Des Misstands Lösung ist in der gleichberechtigten Aufteilung von Kindererziehung, Haushaltsführung und Beziehungspflege zu suchen, aber ganz sicher nicht in einer einseitigen Forderung an den Partner, die eigenen Bedürfnisse hintenan anzustellen, da ist sich Life-Coach Damian Richter sicher. Nach Meinung des Experten sei vor allem das Mindset wichtig. So sollten Männer ihre Familie als Geschenk und nicht als Belastung begreifen und sich im Teamplay mit der Partnerin üben, so das die Kids gar nicht erst die Chance haben, das Leben ihrer Eltern durcheinander zu bringen.

Bleibt zu hoffen, dass auch #dadJAN eines Tages diesen Perspektivwechsel hinbekommt - seinem Kind und seiner Frau zuliebe.

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