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Papst Franziskus

Umstrittene Rolle während der Militärdiktatur

Vatikan sieht Kampagne gegen Papst

Rom - Hat der neue Papst zur Zeit der Militärdiktatur in Argentinien zwei inhaftierte Jesuiten-Mitbrüder im Stich gelassen? Der Vatikan wies am Freitag entsprechende Medienberichte scharf zurück.

Es handle sich um eine rufschädigende und verleumderische Kampagne, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi am Freitag vor der internationalen Presse. Bergoglio habe damals viel getan, um Menschen zu schützen. Medienberichten zufolge soll Bergoglio als Jesuiten-Provinzial sich damals nicht hinreichend für zwei Jesuitenpater eingesetzt haben, die monatelang in Haft kamen und gefoltert wurden.

Bilder aus dem Leben von Papst Franziskus

Bilder aus dem Leben von Papst Franziskus

Francisco Jalics, einer der beiden Patres, kam 1957 nach Buenos Aires. 1974 sei er mit Erlaubnis des damaligen Jesuiten-Provinzials Bergoglio mit einem Mitbruder in ein Elendsviertel der Stadt gezogen. „Wir zwei im Elendsviertel hatten weder mit der Junta noch mit der Guerilla Kontakt“, schrieb Jalics am Freitag in einer persönlichen Erklärung. Durch Fehlinformationen und ein Missverständnis seien er und sein Mitbruder in Verdacht geraten, mit der Guerilla zu tun zu haben.

Nach fünftägigem Verhör haben ihnen ein Offizier die Freilassung versprochen. „Dieser Zusage zum Trotz wurden wir dann, auf eine für uns unerklärliche Weise fünf Monate lang mit verbundenen Augen und gefesselt in Haft gehalten“, schreibt Jalics weiter. Und: „Ich kann keine Stellung zur Rolle von P. Bergoglio in diesen Vorgängen nehmen.“

Erst Jahre nach der Befreiung und nachdem er Argentinien verlassen hatte, sprach Jalics mit dem inzwischen zum Erzbischof von Buenos Aires ernannten Bergoglio über die Geschehnisse. „Danach haben wir gemeinsam öffentlich Messe gefeiert und wir haben uns feierlich umarmt. Ich bin mit den Geschehnissen versöhnt und betrachte sie meinerseits als abgeschlossen.“ Der Jesuitenpater schließt seine Stellungnahme mit den Worten: „Ich wünsche Papst Franziskus Gottes reichen Segen für sein Amt.“

Jalics längst versöhnt

Jalics betonte, er habe sich lange mit den Geschehnissen versöhnt und mit Bergoglio bereits vor vielen Jahren eine Messe gefeiert und sie hätten sich umarmt. Der 1927 in Budapest geborene Pater lebt seit 1978 in Deutschland - 20 Jahre lang leitete er das Exerzitienhaus Gries im oberfränkischen Wilhelmsthal (Landkreis Kronach), wo er auch seinen Lebensabend verbringt. Die deutsche Provinz der Jesuiten in München veröffentlichte die schriftliche Stellungnahme Jalics. Dieser befinde sich zu Exerzitien in Ungarn, hieß es auf dpa-Nachfrage. Der andere Pater starb im Jahr 2000 in Uruguay an Herzversagen.

Zahlreiche Beweise?

Laut Vatikansprecher Lombardi beweisen zahlreiche Erklärungen, wie viel Bergoglio getan habe, um viele Menschen während der Militärdiktatur zu schützen. Ebenfalls bekannt sei, dass Bergoglio als Bischof die Bitte nach Vergebung durch die argentinische Kirche befördert habe, weil sie in der Diktatur nicht genug getan habe. Die argentinische Justiz habe Bergoglio einmal als Zeugen befragt, ihn aber nie irgendeiner Verfehlung angeklagt. Er wiederum habe den Vorwürfen auf eine gut dokumentierte Weise widersprochen.

Die Vorwürfe würden seit Jahren „von Elementen des antiklerikalen linken Spektrums vorangetrieben, um die Kirche anzugreifen. Diese müssen mit Entschiedenheit zurückgewiesen werden“.

"Der Schatten des Papstes"

Der deutsche Sozialethiker und Jesuit Friedhelm Hengsbach sieht die Rolle des neuen Papstes während der argentinischen Militärjunta kritisch: „Ich denke, das ist ein Schatten“, sagte er im Deutschlandradio Kultur. Die argentinischen Jesuiten seien damals gespalten gewesen, ihre Mehrheit allerdings „sehr stark verfilzt“ mit den konservativen und nationalistischen Kräften. Nach Einschätzung Hengsbachs hat der heutige Papst Jalics und dessen Mitbruder vor der Gefahr eines bevorstehenden Putsches gewarnt. Die Frage sei: Habe Bergoglio kooperiert, um Leben zu schützen - oder hätte er besser konfrontativ mit der Junta umgehen sollen, so Hengsbach im Radio.

Kirchenkritiker Boff verteidigt Papst

Auch der brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff sieht keine Grundlage für eine angebliche Nähe des neuen Papstes zur früheren argentinischen Diktatur. „Im Gegenteil: Er hat viele gerettet und versteckt, die von der Militärdiktatur (1976-1983) verfolgt wurden“, sagte Boff am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa in Rio de Janeiro.

Er orientiere sich am argentinischen Friedensnobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel, der der BBC am Donnerstag sagte: „Es gab Bischöfe, die Komplizen der Diktatur waren, aber (der neue Papst Jorge Mario) Bergoglio nicht.“ Boff betonte, Esquivel sei zu Diktaturzeiten hart gefoltert worden, und er kenne Bergoglio gut.

Boff hatte zuletzt das Pontifkat von Papst Benedikt XVI. scharf kritisiert und ihn als „einen Papst ohne Charisma“ bezeichnet, der die Kirche nicht zu regieren gewusst habe.

dpa

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